Andreas Giebel

Andreas Giebel





Geschichtenerzähler in Uniform

Müsste man eine Farbe mit Andreas Giebel assoziieren, wäre das Grün. Danach vielleicht ein merkwürdig sandiger Gelbton, der in der Amtssprache "Senfgelb" heißt. Es sind die klassischen Farben einer bayerischen Polizeiuniform. Die steht Andreas Giebel einfach - selbst wenn Hosenbund und Hemd nicht immer überkorrekt sitzen. Wie sehr so eine Dienstkleidung einen Menschen verändert - auch einen Schauspieler oder Kabarettisten - und welche Wirkung sich damit auf der Straße erzielen lässt, hat der 56-jährige Münchner schon längst in einer zeitlosen Dialog-Passage verewigt. "In der ersten Folge 'München 7' teilt Xaver Bartl seinem neuen Kollegen Kandler mit, dass man so gehen muss, dass man nicht merkt, dass man eine Uniform trägt", sagt Giebel und paraphrasiert damit seinen Serien-Regisseur und Autor Franz Xaver Bogner frei. Derzeit kommt man am dezent vollschlanken Uniformträger kaum vorbei: Giebel ist nicht nur in neuen "München 7"-Folgen, jeweils mittwochs, 18.50 Uhr, im Ersten, sondern auch im BR-Polizeifilm "Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi" (Samstag, 18. Oktober, 20.15 Uhr) zu sehen.

Fairerweise muss man zugeben, dass der Dominik-Graf-Krimi für Giebel eine steile Beförderung darstellt - fiktional gesprochen zumindest. In "Die reichen Leichen" spielt er nicht länger einen Streifenpolizisten - wenn sich sein "München 7"-Xaver Bartl auch als "Sheriff vom Vikualienmarkt" fühlt -, sondern einen Revierleiter. Außerdem ist es ein ernsterer Film - mit einigen Schmunzelelementen, die nicht fehlen dürfen. "Das war noch einmal eine ganz andere Herausforderung", sagt Giebel über den Dominik-Graf-Stoff, der sich um die verbrecherischen Umtriebe an der weißblauen Goldküste am See der Begüterten dreht. "Bei 'München 7' geht es mehr um die Figur, weniger um die Fälle", vergleicht er seine beiden Einsätze. Xaver Bartl zu spielen, fällt ihm mittlerweile so leicht, wie in eine zweite Haut zu schlüpfen. "Trotz der Unterschiedlichkeit zwischen Xaver Bartl und Andreas Giebel gibt es auch Schnittmengen. Die beiden bereichern sich gegenseitig", sagt er.

Sich im Krimi in einem ganz anderen Milieu zu bewegen, hatte für den Schauspieler-Kabarettisten, der in seinen Bühnenprogrammen oft die Perspektive der sogenannten "kleinen Leute" einnimmt, eine spannende Bedeutung - auf vielen Ebenen. "Wer in Starnberg aus dem Zug steigt, denkt, er wäre falsch gelandet", sagt er und spielt auf die Beton-verbaute Uferpromenade an, die jeder Münchner Ausflügler kennt. "Starnberg hat das Glück, dass es am See liegt, hinkt aber architektonisch hinterher." Dass die Sichtweise des Regisseurs im "Starnbergkrimi" auch eine dezidiert soziologische ist, hat Giebel fasziniert. "Man lernt schon so einige kennen - die Alteingesessenen, die Zuagroasten und die Neigschmeckten", sagt er über den Drehort.

Dort findet man allerdings nicht nur die Reichen und Schönen, sondern auch die Heimat-Traditionalisten. Die vielen Legenden um den Märchenkönig Ludwig II., der im See ertrank - und um die spätere Kaiserin Sissi - spielen auch im Dominik-Graf-Film eine große Rolle. "Ein schönes Thema - auch für mich. Es gibt so viele Mythen und so vieles, was nie ganz aufgeklärt wurde", sagt Giebel über die Monarchisten-Thematik im Film. "Der Kini ist für mich eine Figur, die nicht zuzuordnen ist - er war ganz bei sich", so der Darsteller. "Er wollte seine Träume erfüllen - in unvorstellbarem Maße. Bayern profitiert heute ganz gut davon." Die Besucher-Kassen an den Märchenschlössern klingeln.

Nach einigen größeren Charakterrollen - darunter 2013 als grantelnder Metzger in Wolfgang Murnbergers ARD-Dramedy "Wer hat Angst vorm weißen Mann" - freute sich Giebel, dass ihn der durchaus anspruchsvolle Stilist der "Reichen Leichen" forderte. "Ich empfand die Arbeit mit Dominik Graf als ganz großartig. Es wurde im erfreulichen Sinne intensiv gearbeitet", erzählt der Schauspieler. "Er hat ein gutes Gespür - auch für den Humor, der in kleinen Details, etwa der Mimik, steckt." Besonders entgegen kam Giebel, dass Graf großen Wert auf nonverbales Spiel legt. "Ich liebe es, wenn man Dinge nicht aussprechen muss."

Bei der Serie "München 7" lebt dagegen vieles von der Sprache. Dialog-Passagen können leidenschaftliche Fans längst mitsprechen. "Bogner gibt nichts aus der Hand. Deswegen ist seine Sprache so echt und sind seine Geschichten so wahr", lobt der Serienstar. Auch dass die Polizei-Schwänke vom Viktualienmarkt nach der nun laufenden fünften Staffel einmal auserzählt sind, fürchtet Giebel nicht. "Dass ihm so schnell der Stoff ausgeht, glaube ich nicht", sagt er über Bogners Einfallsreichtum.

Für ihn selbst hat sich durch die enorme Bekanntheit, die er in München dank der Serie genießt, nicht allzu viel geändert - auch wenn er bei aller Bescheidenheit zugeben muss, dass er sich schon recht freut, wenn er auf der Straße erkannt und gelegentlich sogar als "Xaver Bartl" angesprochen wird. "Ich stehe ja schon seit 35 Jahren auf der Bühne", sagt er. "Ich mache ja keinen Schmarrn - und muss deswegen auch keinen Bogen um die Innenstadt machen." Wenn es zu einem Erkennen durch Serienfans kommt, lässt er sich gerne auf einen Plausch ein. "Mit Leuten, die die Serie gut kennen, gibt's oft witzige Gespräche", sagt Giebel. "Kürzlich wurde ich an der Kasse von einer alten Dame angesprochen: 'Sie sind heute in zivil, gell? Ich sag nix!'"

Nur Doppelbelastungen mit eigenen Bühnenprogrammen und den vielen TV-Engagements geht er - so gut es eben möglich ist - aus dem Weg. "Tagsüber drehen und abends auf der Bühne zu stehen, ist anstrengend. Beides muss man gut vorbereiten", so Giebel. "Leider ist es so, dass eigene Texte nicht leichter zu lernen sind. Ich muss immer erst einmal das Papier aus dem Kopf bringen, bevor ich anfangen kann, durch meine Geschichten zu wandern." Generell ist Andreas Giebel, der vier eigene Töchter aufwachsen sah, ein passionierter Erzähler - auch im privaten Umfeld. "Ich mag das Geschichtenerzählen eben gerne. Bevor ich jemanden etwas lesen lasse, erzähle ich's ihm lieber gleich", sagt er.

Noch keine Geschichte hat er sich allerdings für einen nicht ganz unwesentlichen Aspekt der Zukunft zurechtgelegt - die neuen blauen Uniformen, die nach und nach in Bayern eingeführt werden sollen und die die üblichen Giebel-Grün-Assoziation eines Tages verändern könnten. "Mal schauen, wie sich die Österreicher-Modelle anfühlen werden", sagt er und spielt auf das Mode-Vorbild aus dem bayerischen Nachbarland an. "Noch tragen wir Polizeigrün - und die senfgelben Hosen."

Quelle: teleschau - der mediendienst