Diane Keaton

Diane Keaton





"Ich wäre gern überall zu Hause"

Im schicken weißen Kostüm und mit einem ihrer stilbildenden Riesenhüte auf dem Kopf sitzt Diane Keaton entspannt am Tisch, nascht Macarons und trinkt dunkles Bier. Bier? "Nein, nicht dass Sie etwas Falsches denken, das sieht nur so aus, es ist Kaffee" stellt die 68-jährige Oscarpreisträgerin richtig. Und lacht laut. Aufgedreht, lebensfreudig und von einer Aura unvergleichlicher Herzlichkeit umgeben, ist die große, kosmopolitische Dame Hollywoods in Europa unterwegs, um wie in "Wetten, dass ..?" möglichst viele Männer zu küssen. Aber natürlich auch, um ihren neuen Film "Das grenzt an Liebe" vorzustellen. Und geehrt zu werden: Nachdem sie im Frühjahr bereits die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk erhielt, wurde Diane Keaton nun auf dem Filmfest Zürich mit dem "Golden Icon Award" ausgezeichnet.

teleschau: Wie fühlt sich das an, plötzlich diese ganzen Ehren-Preise für das gesamte Leben in Empfang zu nehmen?

Diane Keaton: Sie meinen, auf ein Lebenswerk zusammengefasst und reduziert zu werden? Tja, sie schnüren dein Leben in einem Paket zusammen und sagen: Das war's, viel Glück, Sie sind fertig und können gehen. Aber es ist auch großartig, derlei Preise zu bekommen. Es ist immer schön, wertgeschätzt zu werden, auch wenn sie einen gewissermaßen rausschmeißen. Sie geben dir quasi deine goldene Uhr! Andererseits freue ich mich immer, eine Ausrede zu haben, um hier in Europa zu sein.

teleschau: Waren Sie oft in Europa?

Keaton: Nein, nicht sehr oft. Ich produzierte "Reds" in England, dort war ich für eine lange Zeit. Ich kann nur hier sein, wenn es sich anbietet. Den dritten Teil von "Der Pate" drehte ich in Rom und Sizilien, wo ich einige Zeit verbrachte. Ich liebe Sizilien. Aber das war es auch schon.

teleschau: Konnten sie bislang ein wenig von Deutschland sehen?

Keaton: Ja, das war toll, wir sind vorhin mit dem Auto gefahren.

teleschau: Sie sind nicht geflogen?

Keaton: Nein, ich saß im Wagen, ein super Erlebnis. Ich bin zwar nicht selbst gefahren, aber das war auch besser so. Ich würde niemals auf der Autobahn hier fahren. Ihr fahrt wirklich schnell. Die haben doch mindestens 130 Sachen drauf, oder sogar noch mehr?

teleschau: Die meisten fahren noch schneller

Keaton: Das macht mir wirklich Angst. In Amerika geht es um einiges langsamer, manche fahren vielleicht maximal 110 Stundenkilometer, aber definitiv nicht 150. Der Fahrer fuhr echt rasant. Trotzdem konnte ich die Fahrt genießen. Unglaublich interessant waren all die kleinen, wie gemalten Dörfer mit ihren Kirchturmspitzen überall. So was habe ich noch nicht gesehen, auch wenn ich in vielen Städten war. Zürich beispielweise ist wunderschön. Aber diese winzigen, bildhübschen Orte mit ihren gruppierten Häusern und der Kirche in der Mitte, das kannte ich nicht. Einfach eine andere, wundervolle Art zu leben.

teleschau: Gehen Sie in die Kirche?

Keaton: Ich bin christlich aufgewachsen, aber die Kirchen in Südkalifornien waren völlig anders. Sie standen meist in den Vorstädten, aber nicht in dieser so ruhigen, entspannten Landschaft mit den schönen Wiesen und den Wäldern im Hintergrund ...

teleschau: Über ihre Heimat Südkalifornien kann man sich sicher auch nicht beschweren. Gibt es einen Ort, an dem Sie wirklich am liebsten leben möchten, von dem Sie sagen: Das ist es, hier bleibe ich?

Keaton: Ich wäre gern überall zu Hause. Ich liebe New York City, habe dort auch lange gelebt - dort hätte ich gern ein Zuhause. Ebenso in Südkalifornien und in der umgebenden Wüste, in Nordkalifornien, auch an bestimmten Orten in Florida. Ich hätte auch nichts dagegen, ein Haus in Paris zu haben, oder auch hier. Der Punkt ist: Überall wo ich hinkomme, stelle ich mir gern vor, zu leben. Aber wahrscheinlich wird es so sein, dass ich immer in Südkalifornien zu Hause sein werde, für den Rest meines Lebens. Dort bin ich aufgewachsen und habe natürlich eine besondere Zuneigung für diese Gegend.

teleschau: Dass sie überall ein Zuhause haben wollen - hängt das auch mit Ihrem großen Interesse an Architektur zusammen? Sie haben ein Pinterest-Profil, auf dem Sie Bilder von Häusern und Inneneinrichtungen sammeln ...

Keaton: Das ist toll, wenn man süchtig nach Bildern ist, es ist wie ein Sammelalbum. Viele der Bilder zeigen Architektur, also Häuser, Schlafzimmer, Küchen, Landschaftsdesign, verschiedene Nachbarschaften ... Wissen Sie den Grund für meine Sammelwut? Ich baue zur Zeit ein Haus in L.A. Und das basiert auf vielen dieser Pinterest-Bilder. Da leihe ich mir praktisch die Ideen anderer Leute, die wiederum meine Ideen ausleihen. Ich liebe es, über die visuelle Ebene zu kommunizieren. In meinem neuen Haus werde ich eine wirklich große, rein visuelle Bibliothek einrichten. Das ist schon sehr aufregend!

teleschau: Wollen Sie dort dauerhaft wohnen?

Keaton: Mal sehen, ich weiß noch nicht, was ich letztlich damit mache. Auf jeden Fall werde ich ein Buch über das Hausbauen schreiben. Dabei soll es um das Haus gehen, das sozusagen von Pinterest gebaut wurde. Zunächst möchte ich in dem Buch all die Träume zeigen, die ich von dem Haus hatte. Also die Betten, die Einrichtung, den Garten ... Dies basiert alles auf meinen Vorstellungen davon, wie das Haus ausschauen sollte. Dann lasse ich das tatsächlich entstandene Haus fotografieren und zeige damit: Deine Träume sind niemals wie die Realität! Die meisten Leute träumen von einem Ort, den sie Heimat nennen und stellen sich vor, wie sie leben wollen. Sie sagen sich: Lass uns ein Haus bauen. Zuhause ist aus meiner Sicht überhaupt so eine romantische Idee in meiner Fantasie. Deshalb halte ich weiter danach Ausschau und mache ein Buch darüber.

teleschau: Eine schöne Idee, das wäre dann Ihr zweites Buch. Im Frühling dieses Jahres veröffentlichten sie ihr erstes namens "Damals Heute". Wie haben die Leute darauf reagiert?

Keaton: Alles lief gut! Es ist ja eine Essay-Sammlung über verschiedene Aspekte von Schönheit, die Leute mögen das. Der Grundgedanke ist: Bisweilen versucht man Schönheit als eine bestimmte Sache zu fassen zu kriegen, aber das ist sie nicht. Manchmal ist das Falsche im Bezug auf Schönheit eben richtig. Ich schreibe davon, welche Leute ich für ihren Stil mag, es geht auch viel um männliche Schönheit. Außerdem geht es in dem Buch um das Älterwerden, um meinen Vater und natürlich um die Kunst ...

teleschau: Apropos, in Ihrem neuen Film singen Sie wieder

Keaton: Ja, darauf habe ich bestanden!

teleschau: Sie treten im Film als Jazzsängerin vor Publikum auf - gibt es eine Chance, die echte Diane Keaton singend auf einer Bühne zu erleben?

Keaton: Oh, ich weiß nicht, was ich davon halten soll ... Ich glaube, ich könnte das nicht durchhalten. Ein oder zwei Lieder würde ich vielleicht schaffen und das war's. Nein, ich befürchte, eine Karriere als Sängerin ist mir verwehrt. Mir wurde schon angeboten, im Carlyle Hotel in New York zu singen, wo auch Woody Allens Jazzband regelmäßig auftritt. Dort könnte ich allerhöchstens für ein paar Wochen singen ...

teleschau: Hören sie selber viel Musik?

Keaton: Tja, das meiste, was ich höre, basiert auf dem, was meine Kinder gerade gut finden. Durch die beiden bekomme ich wirklich viel mit. Duke hört gerade so eine Elektro-Band, Skrillex heißen die. Oder so ähnlich? Das höre ich, ebenso die Musik von Rihanna. Alles mit ihm gemeinsam. Wir schauen auch viele Serien wie "Parks and Recreation" oder "30 Rock". Ebenfalls sehr gern gucken wir zusammen "The Voice". Ich mag diese klassisch amerikanischen Shows, in denen ein Talent gesucht wird.

teleschau: Klingt als fühlten Sie sich mit den Dingen, die Ihre Kinder tun, sehr verbunden ...

Keaton: Ja, schon. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt!

teleschau: Ihre Tochter Dexter ist jetzt 18. Hat sie schon Pläne?

Keaton: Ich glaube, das weiß sie noch nicht. Sie geht aufs College, aber ich denke, sie ist sich noch nicht sicher.

teleschau: Sieht nach einer Zeit der Veränderung aus.

Keaton: Es ist immer eine Zeit der Veränderung. Die beiden zu haben, war eine große Veränderung. Dexter hat sich seit 18 Jahren konstant verändert, genau wie ich. Sicher wird es irgendwann eine größere Veränderung geben, wenn die beiden das Zuhause verlassen. Sie werden ihr eigenes Leben finden. Aber dem muss ich mich sowieso stellen. Ich hoffe, es mit Würde zu tragen. Es geht immer um's Hoffen, nicht wahr?!

Quelle: teleschau - der mediendienst