Good Luck Finding Yourself

Good Luck Finding Yourself





Letzter Ausgang Indien

Es gab mal eine Zeit, da wollte jeder, der es sich leisten konnte, nach Indien, um dort die Seele zu befreien und die Erleuchtung zu erleben. Schon damals war allerdings die Menschheit gespalten: Während die einen auf Meditation und irgendwelche "Meister" schworen, sahen andere in dieser Indien-Bewegung nur Selbstausbeutung und Massenwahn. Das war in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Geblieben sind ein paar Musicals, die Kunst der Meditation und sehr viel Katzenjammer. Fast 50 Jahre danach dreht "Good Luck Finding Yourself" die Zeit zurück: Rainer Langhans reist mit den Gefährtinnen Jutta Winkelmann, Christa Ritter und Brigitte Streubel, unter Spöttern auch als "der Harem" bekannt, nach Indien. Jutta Winkelmann ist seit Längerem an Krebs erkrankt, es hat einen schweren Rückfall gegeben. Nun will sie zu sich selber finden und ein neues Verhältnis zu ihrer Krankheit gewinnen.

Juttas Sohn Severin Winzenburg, Absolvent der Münchner Filmhochschule HFF, verfiel auf die Idee, die Mutter auf ihrer vielleicht letzten Reise zu begleiten, ohne alle Beschönigung. Rainer Langhans stand ihm bei der Idee zur Seite. Dass die Freundinnen dabei sein sollten, war Juttas Wunsch. Die Reise wird kreuz und quer durch Indien gehen, sie wird anstrengend sein. Es wird kein seelenerwärmendes Unternehmen, mit harten Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten wird keineswegs gespart.

Was man wissen muss: Jutta Winkelmann, übrigens selbst Filmemacherin und also mit der Kamera höchst vertraut, war im Gegensatz zu Langhans zuvor nie in Indien. Es ist also für sie Neuland, wenn sie nun durchaus zweifelnd all die Ashrams und anderen heiligen Städten betritt und sich auf die Suche nach Langhans' einstigem Lieblingsguru macht.

Der Gedanke an eine "schöne Reise" wird dem Zuschauer gleich zu Beginn des Films ausgetrieben. Im Direct-Cinema-Stil, also mit nur beobachtender Kamera, was im Film in voller Länge durchgehalten wird, wird Jutta am Straßenrand im lärmenden Großstadttrubel gefilmt. Es gibt ein Gespräch im Vorübergehen: Sie befinde sich "auf einer Pilgerreise", erklärt sie in ihrem immer etwas sperrigen Ton, sie versuche, "sich selbst zu finden". "Good Luck Finding Yourself", verabschiedet sich alsbald das Gegenüber. Die Skepsis, die mitschwingt in seinem Gruß, wird sich im Verlauf des Films als begründet erweisen - auch wenn es immer wieder Momente von großer Nähe und Liebe gibt.

Nein, Jutta Winkelmann, die Schwester der 68er-Ikone Gisela Getty und Vertreterin der antiautoritären Generation, die sich von der überkommenen Gesellschaft lossagen wollte, wird nicht erlöst auf ihrer Reise. Was da abläuft, ist eine lange Auseinandersetzung mit dem Tod und der Versuch, ihm den Schrecken zu nehmen. Langhans, der in weißen Hosen und beigem Linnensakko hier immer ein wenig zu adrett gekleidet ist und dem Gedanken ans Surfen im Internet und an fehlende WLAN-Verbindungen erstaunlich viel Zeit einräumt, wirkt wie ein Mutmacher und stoischer Freund zugleich. Irgendwie hat er die Weisheit gepachtet, und manchmal erinnern sich nicht nur die Begleiterinnen an die Situation des "Dschungelcamps". Durchfall gibt es hier auch.

Langhans' Meister Kirpal Singh, der kurz vor der Reise verstorben war, lehrte seine Anhänger, das Körperliche zu "transzendieren", mithin zu überwinden. Lässt sich denken, dass daraus so leicht nichts wird, zumal ein lebender Nachfolger des Meisters fehlt. Immer wieder greifen Selbstzweifel und gegenseitige Vorwürfe Platz. Die Blumenkinder von einst gleichen jetzt mitunter, wie Jutta es sarkastisch definiert, einer "Altentruppe, die langsam zerbröselt". Dennoch gehen die Freunde aus ihrer verzweifelten und sehr deutschen Reise am Ende gestärkt hervor. Auch Jutta Winkelmann fühlt sich zuletzt wieder besser und fordert, wie man liest, daher sogar eine Fortsetzung des Films.

Quelle: teleschau - der mediendienst