Northmen - A Viking Saga

Northmen - A Viking Saga





Kämpfen und sterben

Meterhohe Wellen, Gischt und inmitten der fürchterlichen Fluten ein Wikingerboot, das wild auf und nieder schaukelt. Darin eine Horde stramme Kerle, denen der Regen heftig ins Gesicht peitscht. Schon der Einstieg in den martialischen Actioner "Northmen - A Viking Saga" verdeutlicht: Hier soll es richtig zur Sache gehen. Klar, dass dabei auch ein paar Männer auf der Strecke bleiben. Als das Schiff am Ende der Anfangssequenz schließlich untergeht, stirbt bereits ein Großteil der Besatzung - womit dieser Teil des Casts seine primäre Aufgabe schon nach wenigen Minuten erfüllt hätte.

Als die Überlebenden an eine Küste gespült werden, heißt es: erst einmal orientieren. Wo sind wir? Wer sind wir? Und was wollen wir? Die Führung der Truppe obliegt Asbjörn (Tom Hopper), einem Schrank von Mann. Weitestgehend charismabefreit, aber ziemlich gutaussehend. Und was für kräftige Arme er hat! Im Jahr 873 nach Christus ist er mit einigen unerschrockenen Wikingern ausgezogen, um das schottische Kloster Lindisfarne zu überfallen. Mit der Beute möchten die Krieger sich von einem Bann freikaufen, nachdem sie bei ihrem König - warum auch immer - in Ungnade gefallen sind.

Aus der Sache mit Lindisfarne wird nach dem großen Sturm zwar nichts, dafür tun sich bald neue Möglichkeiten auf: Die Wikinger treffen nur wenige Meter vom Strand entfernt auf Lady Inghean (Charlie Murphy), die Tochter des schottischen Königs Dunchaid (Danny Keogh). Die Leibwache wird erschlagen, die gar nicht so feine Dame gefangengenommen. Mit ihr, ahnen die Nordmänner, lässt sich gewiss ein stattliches Lösegeld erpressen. Dunchaid aber will nicht groß handeln: Er hetzt den Wikingern sein "Wolfsrudel" auf den Hals - ein paar richtig böse Typen, die sich mit Totenschädeln schmücken und alles niedermetzeln, was ihnen in den Weg kommt.

Ab diesem Punkt - der Film ist gefühlte zehn Minuten alt - bewegt sich Claudio Fähs ("Sniper: Reloaded", "Hollow Man 2") Schlag-auf-Schlag-Inszenierung nur noch in eine Richtung: Die Wikinger streifen samt Geisel durch die Highlands, und das Wolfsrudel jagt unter Geschrei und lautem Pferdegetrampel hinterher. Zwischendurch wird munter gekämpft und gestorben, die Wikinger ziehen davon, dann wieder Pferdegetrampel. Der Eindruck, Asbjörn und seine Truppe seien feige, wäre jedoch ein falscher. Die "Northmen" sind geborene Krieger, mutig und verdammt stark. Gegner zerschmettern, bis sie im Kampf sterben und auffahren nach Walhalla - etwas Schöneres können sie sich nicht vorstelllen.

Dass solche Klischees seit Jahrzehnten überholt sind, dass die Wikingerkultur weit mehr zu bieten hatte als grölende Schlächter, dass man die Geschichte ebenso gut mit Cowboys und Indianern statt mit Schotten und Wikingern erzählen könnte - sei's drum. "Northmen" möchte in erster Linie kein historisch akurater Lehrfilm sein, sondern ein knallhartes Action-Epos. Nur haut das eben auch nicht recht hin. Die vielen, mäßig choreografierten Kampfszenen und die seelenlosen Figuren reißen das Publikum ebensowenig aus dem Kinosessel wie die dünne, überraschungsarme Erzählung. Den vorangestellten Hinweis, dass diese frei erfunden ist, hätte man sich jedenfalls sparen können. Ehe man zu Hause ankommt, um irgendwelche Fakten zu überprüfen, hat man den Film ohnehin fast wieder vergessen.

Quelle: teleschau - der mediendienst