Bembers

Bembers





Immer voll auf die Zwölf!

Wofür ist Nürnberg bundesweit bekannt? Christkindlesmarkt, Lebkuchen, Rostbratwürste, den Club (1.FCN) und Albrecht Dürer. Sicher, wenn es um TV-Quoten geht, ist auch schon der neue "Franken-Tatort", der hier gedreht wird, in aller Munde. Und dann ist da noch der Bembers. Ein Franke, der mit seinen Anarcho-Comedy-Programmen "Voll in die Fresse!" und "Alles muss raus!" gerade durch Deutschland tourt. Ganz Deutschland.

Der "Dübb", das ist fränkischer Dialekt für "Typ", was man am Verzicht auf hart ausgesprochene Konsonanten wie T, P oder K, aber den verstärkten Einsatz des rollenden Rs auch bundesweit erkennt, verströmt einen eigenwilligen Charme - einen Heavy Metal Charme. Er sieht aus wie der (etwas) jüngere Bruder von Mr. Motörhead - Lemmy Kilmister. Unbändige schwarze Lockenpracht, dazu Wusselbart inklusive "Rotzbremse" (Oberlippenbart). Gut 120 Kilo verteilt auf rund 1,90 Meter Körpergröße.

Und dann halt dieser Dialekt. Allmächd!

Bembers sieht aus und tritt auf wie eine Kunstfigur. Aber er ist keine. "Mindesdens 60 Prozent vo dem Bembers auf der Bühne bin i scho selber!" Anders als Comedy-Kollegen. Atze Schröder wird bei Wikipedia per definitionem als "Kunstfigur" geführt, dessen Darsteller seine wahre bürgerliche Identität sogar per Gerichtsklagen verbergen will. Cindy aus Marzahn wurde von Ilka Bessin als Bühnenfigur erfunden und konzipiert. Bembers dagegen IST einfach. Er war schon immer da. Nur dass er jetzt auf den Comedy-Bühnen Deutschlands und in einschlägigen Fernsehsendungen wie TV-Total, Quatsch Comedy Club, Nightwash (demnächst am 12.12., 00.00 Uhr, im "HR Comedy Tower" im HR-Fernsehen) für Furore sorgt.

Man hätte diesen Hardrock- und Hardcore-Komiker am Reißbrett auch gar nicht besser erfinden können. Es ist alles wahr. Er ist wirklich Heavy-Metal-Fan. "Ich bin ein Vier-Viertel-Rocker - Immer voll auf die Zwölf!" Ja, er weinte, als Bon Scott von AC/DC starb! Er stammt wirklich aus der schattenseitenreichen Südstadt von "Nämberch" (Fränkisch für Nürnberg), wo er sich behaupten musste. Und er war damals schon hardcore-mäßig unterwegs: "Wie irgendwann die Bolizei kumma is, homm meine Eldern dann scho aufgmergd."

Von früher Jugend an war er der Bembers. Das hat wirklich mit der Windel (bzw. der fränkischen Aussprache derselben) zu tun. Wenn es drum ging, "irgendan Scheiß" zu bauen, wollten die anderen den Bembers schon mal bremsen. Aber er stand (und steht) nicht aufs Bremsen: "Scheißd aich ned ei!" (Fränkisch für: "Macht euch vor Angst nicht in die Hose!"). Bingo. Bembers. Kompromisse sind nicht so sein Ding. "Entweder ich mach wos, oder ned - verschdelln dud sich der Bembers ned!" Das gilt auch für die Bühne. Er ist Franke - die sind sowieso ziemlich direkt - also "labert" er Fränkisch. Auch in Norderstedt oder Hamm.

Er ist Metaller, also will er "Meddl" (Heavy Metal). Damit begann die Comedy-Karriere des studierten Kommunikations-Designers. Aus einer kopfschmerzigen Laune nach einem dreitägigen, alkohollastigen "spontanen Ausflug mit Freunden" stellte er im Februar 2011 den Clip "Bembers will Meddl" ins Netz. Ein minimalistisches Filmchen, das nur sein Gesicht in leicht verzerrter Fisheye-Optik zeigt. Darin schildert er die hanebüchene Eskalation in einer Disko, die entsteht, weil sich der DJ weigert, "an Meddl" zu spielen. Dann ging er zum Skifahren. Mit Kumpels, Wochenende in einer Hütte in Österreich mit viel "Schbass", Würfelspielen, Alkohol und Handyverbot.

Als er zurückkehrte, hatte er 1.300 Mails. Vier für ihn privat. 1.296 für Bembers. Unter anderem vom Metal Hammer Magazin, dem Bayerischen Fernsehen und der Nürnberger Zeitung. Und "Bembers will Meddl" hatte 300.000 Clicks bei YouTube. Und - ey, horch amol - das Ding ging durch die Decke.

Die Bembers-Clips, es folgten fünf weitere bis Mai 2011, machten ihn im Frankenland zur Kultfigur. "Bembers und der Neger" - Bembers verhindert, dass der farbige Mitbürger Kain Schwarzer von zwei Neonazis aufgemischt wird - hält den Click-Rekord: bisher 1,2 Millionen Zugriffe. Ein Teil des Witzes ist die Audendizidäd (Fränkisch für Authentizität). Denn die Kumpels aus dem Bühnenprogramm sind echt. Den Baddex, den Strudl, selbst den Scheißn gibt's wirklich. Den Terror auch, wobei eigentlich nur dessen Hund so hieß, aber ... Dafür lebt seine Freundin Priscilla, wenn auch unter anderem Namen. Und sie fährt wirklich diese Mercedes-Limousine, die ursprünglich gold war und vom Bembers ("Mit der Rolle!") mattschwarz lackiert wurde. Auch die Diskoprügelei gab es in leicht abgewandelter Form. Aber: "Gschworn: Die Polizeikontrolle ist eins zu eins!" Dass der Programmpunkt "Kacken in Wacken - Spiderman und die dampfende Wurst" nur unwesentlich komödiantisch frisiert ist, kann jeder bestätigen, der mal bei einem Rock-Festival Bekanntschaft mit der 25-Meter-Schlange aus anstehenden "Bedürftigen" gemacht hat, die sich vor einem Dixie-Klo drängelt. Nur seine Stammkneipe, das "Burn Out", gibt's in Nürnberg nicht - was Bembers-Fans auf der Durchreise nicht glauben können. Aber: "Des ist so a Konglomerad (Deutsch: Konglomerat, eine Mischung aus mehreren Bestandteilen, d. Red.) von den Gneibm, wo ich so rumhäng."

Bembers ist als Comedian ein Quereinsteiger, eigentlich war er 2011 selbstständiger Grafiker mit solidem Kundenstamm ("Es hodd eigendli alles bassd!"). Da reagiert sogar die "Szene" mit Misstrauen auf diesen ungeschönten Brachial-Typen mit dem Homepage-Slogan "Ist er zu hart bist du zu weich!". Als er 2013 zur Quatsch-Comedy-Gala in Füssen geladen war, ging er in die Geschichte ein, weil er als Erster das strikte Bier- und Rauchverbot im Backstagebereich des Theaters brach ("Vor meim Aufdrid brauch ich a Bier und muss anne raung!").

Aber Bembers ist nicht nur schlagfertig und von Natur aus mit einem deftigen Humor gesegnet, sondern auch nicht blöd. Deshalb feilt er natürlich an seinen Ideen und seinem Programm. Es ist erstaunlich, wie er die Sparsamkeit seiner Bembers-Clips, die ihn bekannt machten, zu einem echten Ereignis für die Bühne umgestaltete und weiterentwickelte. Er spielt mit Klischees, vor allem den ob seiner Erscheinung naheliegenden, und Vorurteilen. Er bestätigt sie genießerisch und führt sie dann hinterlistig ad absurdum. Der Dialekt hilft. Den setzt er als Tabubrecher-Brecher ein. Wer so redet, dem kann man doch nicht böse sein, oder?

Das Fränkische schleift die ganz scharfen Kanten von derben oder geschmacklosen Gags und Themen ab, nicht anders als das Sächseln des "Betroffenheitslyrikers Olaf Schubert" (Kunstfigur!). Oder das Berlinerische der marzahnesken Cindy. Bembers nimmt alles und jeden aus dem alltäglichen Wahnsinn des Lebens aufs Korn und sich selbst ironisch auf die Schippe ("Ich bin ja edz so waaaaaaaahnsinnig bobbulär!"), er macht sich zum Opfer ("Pickel am Arsch"), er erzählt mit Gestik, Mimik und Geschrei. Und meist drei Stunden lang! Bembers ist ein Unikat, aber kein künstlich angelegtes.

Weil er aus dem Leben schöpft, kommt da noch einiges auf uns zu. Denn er machte schon eine 13-monatige Weltreise, fuhr für die Bundesmarine mit einem Zerstörer über den großen Teich. Er liebt das Außergewöhnliche, und er lebt den Rock'n'Roll. Er ist eine natural born Rampensau, ein homemade Comedian und seit seiner frühen Jugend auch noch Musiker. Mit seiner Band "Bembers and the Masserfaggers" bringt er demnächst das erste Album raus. Die DVD seines ersten Bühnenprogramms "Voll in die Fresse!" steht schon in den Läden, und die DVD seines zweiten Bühnenprogramm "Alles muss raus!" kommt noch vor Weihnachten auf den Markt. Er hat inzwischen seine eigene Radiokolumne "Bembers checkt die Lage! - Der unzensierte Wochenrückblick" und bei Rock-Festivals wie "Wacken" oder "Summerbreeze" ist er mit seiner Hardcore-Comedy Stammgast. Der Mann ist nicht aufzuhalten, und man kann gespannt sein auf das, was noch kommt. "Bembers der Film? - des wär' der Brüller", sagt er. Warum auch nicht! Auf jeden Fall immer im Bembers-Style: Voll auf die Zwölf!

Quelle: teleschau - der mediendienst