Nana Mouskouri

Nana Mouskouri





"Ich war durchaus ein Rebell!"

Mit ihrem Sensationshit "Weiße Rosen aus Athen" wurde Nana Mouskouri 1961 in Deutschland über Nacht zum gefeierten Star. Aber die Griechin konnte immer schon weit mehr als Schlager: Sie tobte sich in Jazz und Chanson aus, sang in fünf Jahrzehnten über 1300 Lieder in elf verschiedenen Sprachen ein und wurde zum Weltstar. Mit mehr als 250 Millionen verkauften Tonträgern ist sie nach Madonna die erfolgreichste Sängerin aller Zeiten. Anlässlich ihres 80. Geburtstags am 13. Oktober kommt Nana Mouskouri mit ihrer "Happy Birthday Tour" für fünf Konzerte nach Deutschland. Am 17. Oktober veröffentlicht die auf Kreta geborenen Künstlerin zudem ihre größten Hits nebst einiger TV-Auftritte auf der CD-DVD-Compilation "Meine Reise - von 1962 bis heute". Aber ihr Weg soll noch lange nicht zu Ende sein: Beim Gespräch in Hamburg wirkt die Musikerin und ehemalige Europa-Abgeordnete unglaublich lebhaft und voller Energie.

teleschau: Frau Mouskouri, was machen Sie eigentlich, um immer noch so gut auszusehen?

Nana Mouskouri: Ich bin diszipliniert. Du brauchst als Sängerin ausreichend Schlaf, das ist gut für die Stimme. Ich rauchte nie, ich hatte immer Angst, meiner Stimme zu schaden. Singen bedeutet mir zu viel, das will ich mir nicht verderben.

teleschau: Wie schafft man es, über fünf Jahrzehnte im Showbusiness durchzuhalten?

Mouskouri: Für mich reichte immer das Wissen, dass ich bald wieder singen werde oder einen Auftritt habe. Manchmal ist das Leben gut zu dir, manchmal weniger. Aber ich sagte mir immer, dass sowohl gute als auch schlechte Zeiten irgendwann ein Ende haben. Das macht Mut in Momenten, wenn es schwer ist. Und es holt dich auf den Boden zurück, wenn du am Liebsten vor Glück abheben möchtest.

teleschau: So einfach ist das?

Mouskouri: Nicht immer. Einen Hit zu haben ist natürlich wundervoll. Aber damit kommt auch eine Verantwortung. Denn die Leute lieben dich aus einem bestimmten Grund. Man fragt sich also vor jedem Auftritt: Werde ich in Form sein? Wenn ich heutzutage auf die Bühne gehe, dann kommt es mir vor, als würde das Leben neu beginnen. Dann denke ich gar nicht an mein Alter. Ich wollte ja immer Sängerin sein. Das war der große Traum! Ich hatte immer Respekt vor der Aufgabe. So sehr, dass ich, wenn ich noch mal von vorne anfangen müsste, alles noch einmal genauso machen würde.

teleschau: Wirklich alles?

Mouskouri: Absolut! Heute hat die Welt viel gesehen. Aber zu der Zeit, als ich jung war, vor 60 Jahren, war die Welt riesig, besonders, wenn man in Griechenland aufwuchs. Mein Vater war Filmvorführer. Ich bewunderte die Stars auf der großen Leinwand und hätte nicht im Traum daran gedacht, dass es mir möglich wäre, überhaupt in ihre Nähe zu kommen. Als ich dann Erfolg hatte, wusste ich gar nicht damit umzugehen.

teleschau: Was denken Sie, wenn Sie Auftritte von damals sehen?

Mouskouri: Dann frage ich mich manchmal: Habe ich das wirklich alles erreicht? Und im selben Moment denke ich dann: Ja, das habe ich geschafft! Es war harte Arbeit. Aber ohne die vielen Leute - Songschreiber, Komponisten und Produzenten -, die mir Chancen eingeräumt haben, wäre mir das nie gelungen. Ich wollte immer auch sie glücklich machen. Und ich bin wohl eine der wenigen Künstlerinnen, die trotz ihres großen Erfolges nie die Plattenfirma wechselte.

teleschau: Heutzutage sind die Zeiten schnelllebiger ...

Mouskouri: Ja, und viele können singen und werden sofort auf ein Podium gehoben, wenn sie bei einer Castingshow mitmachen. Damals musste man Talent noch aufspüren. Heute springt es dich von überall an. Sie geben diesen Talenten dann Unterricht, sie werden alle über einen Kamm geschoren. Sie lernen sogar, wie man ein Mikrofon hält.

teleschau: Das war bei Ihnen anders?

Mouskouri: Oh ja. Als ich meinen ersten Auftritt hatte, verschränkte ich meine Hände hinter meinem Rücken, weil ich nicht wusste, wohin damit. Manchmal ist es besser, einen schüchternen Sänger aus sich selbst herauswachsen und seinen eigenen Stil entwickeln zu lassen. Ich brauchte dafür mindestens zehn Jahre. Und nicht nur ich: Bei Édith Piaf, Jacques Brel und Charles Aznavour war das genauso.

teleschau: Kennen Sie die französische Chanson-Sängerin Zaz? Sie hat ein Album mit Produzent Quincy Jones aufgenommen - so wie Sie im Jahr 1962 mit dem Jazz-Werk "The Girl Form Greece Sings".

Mouskouri: Ich weiß! Quincy erzählte mir von ihr. Als er im Juli für die Aufnahmen in Paris war, traf ich ihn. Aber ich war nicht überrascht, denn Zaz ist toll, singt aus dem Herzen, und sie ist, wie sie ist - ohne sich etwas vorschreiben zu lassen. Sie macht, was sie fühlt. Und sie erinnert mich daran, wie es war, als ich so jung war. Ich musste sogar das Konservatorium in Athen verlassen, weil ich auch noch in einer Jazz-Band spielte. Ich war durchaus ein Rebell!

teleschau: Standen Sie über die vielen Jahre hinweg immer in Kontakt mit Quincy Jones?

Mouskouri: Schon. Und wissen Sie was? Mein Vater nannte mich immer Nanaki anstatt Nana. Als ich Quincy das erste Mal traf, damals in New York, erzählte ich ihm von meinem Spitznamen. Immer, wenn er mich heute sieht, ruft er laut: "Nanaki!" Das ist wirklich schön!

teleschau: Bei welchem Ihrer vielen Kollaborationspartner würden Sie sich denn besonders über einen Glückwunsch zu Ihrem 80. Geburtstag freuen?

Mouskouri: Eigentlich bei allen. Wir rufen uns ja alle hin und wieder an. Als ich 17 war, rief mich Harry Belafonte an und sagte mir: "Welcome to the club!" Das war wohl meine Eintrittskarte ins internationale Geschäft. Ich ging mit ihm auf Tour und war mittendrin.

teleschau: Vielleicht meldet sich ja Bob Dylan an Ihrem Ehrentag?

Mouskouri: Ja, vielleicht. Oder Leonard Cohen? Leonard feierte ja auch dieses Jahr seinen 80. Geburtstag. Ich gratulierte ihm via E-Mail. Ich schreibe ihm nur zu bestimmten Anlässen. Manchmal antwortet er ganz wundervoll mit zwei, drei poetischen Worten. Er ist wie ein Philosoph. Diesmal schrieb er zurück: "Ich lausche ständig deiner Stimme."

teleschau: Sie haben sich entschlossen, Ihren Geburtstag auf der Bühne zu verbringen: Sie geben an dem Tag ein Konzert in Hamburg!

Mouskouri: Dabei waren Geburtstage eigentlich nie eine große Sache für mich! Aber als ich 60 wurde, fingen plötzlich alle an zu fragen, wann ich gedenke aufzuhören. Und ich dachte: Warum soll ich aufhören? Ich hatte dann einen ganz tollen 60. Geburtstag. Ich trat in Atlantic City, dem Las Vegas der Ostküste, auf. Danach wurde noch eine Party für mich veranstaltet, bei der Fans aus aller Welt zugegen waren und "Happy Birthday" für mich sangen. Das war ein wahnsinnig schöner Moment. Ich hatte versucht, das an meinem 70. Geburtstag zu wiederholen. Aber es hat irgendwie nicht geklappt. Diesmal will ich wieder mit meinem Publikum feiern!

teleschau: Haben Sie Pläne oder Wünsche für die Zukunft?

Mouskouri: In meinem Alter plant man nicht mehr so viel - mal abgesehen von den Konzerten. Du nimmst die Tage, wie sie kommen. Zum Glück habe ich keine Zeit, mir über das Alter Gedanken zu machen. Aber den Wunsch, den ich habe und immer haben werde, ist Frieden in der Welt. Frieden für die Kinder. Als Kind, das während des zweiten Weltkrieges und danach den schrecklichen Bürgerkrieg in Griechenland miterlebte, weiß ich, dass Frieden und Liebe das Wichtigste sind.

Nana Mouskouri auf Deutschland-Tournee:

02.10., Leipzig, Gewandhaus

03.10., Chemnitz, Stadthalle

05.10., Berlin, Admiralspalast

11.10., Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle

13.10., Hamburg, Laeiszhalle

Quelle: teleschau - der mediendienst