Teenage Mutant Ninja Turtles

Teenage Mutant Ninja Turtles





Zurückerinnern und genießen

Schildkröten, anthropomorph mutiert, benannt nach den großen Renaissance-Künstlern Italiens. Ausgebildet im japanischen Kampfstil Ninjutsu, angeführt von einer ebenfalls "menschgewordenen" Ratte: Die Story der "Teenage Mutant Ninja Turtles" war eh und je gewagt abgefahren. Doch gerade heranwachsende Jungs ließen sich davon nie beirren. Denn egal mit welcher der verschiedenen Comic-Serien oder Realverfilmungen der letzten 30 Jahre man aufgewachsen ist - die Herzen schlugen höher, wenn die Turtles alles kurz und klein hauten. Nun schickt sich eine neue Realverfilmung in 3D und mit jeder Menge CGI-Schnickschnack an, die nächste Generation in den Schildkröten-Bann zu ziehen.

Was bleibt hängen, wenn über die alte Turtles-Liebe schon längst wieder Moos gewachsen ist? Statt Inhalte eher die Erinnerung daran, die "Teenage Mutant Ninja Turtles" verehrt und die dazugehörigen Actionfiguren in jeden Sandkasten getaucht zu haben. Was die vier grünen Brüder ausmachte, waren nicht nur ihre Kampfkünste, sondern vor allem das lose Mundwerk und die jugendliche Sprache, die sie an den Tag legten. Leonardo, Raphael, Donatello und Michelangelo (gerade Letzterer) hatten stets nur Flausen im Kopf, aßen für ihr Leben gerne Pizza und trieben ihren Ratten-Sensei Splinter in den Wahnsinn.

2014 ist das nicht anders. Splinter will seine flippigen Teenager noch nicht ziehen lassen. Sie seien noch nicht bereit, sich den bösen Fuß-Soldaten zu stellen. Die schießwütigen, schwarzgekleideten Gang-Mitglieder machen seit Monaten New York unsicher, haben im Untergrund längst die Macht übernommen. Doch wie Teenies nun mal so sind: Die vier büchsen nachts aus und stören die Fuß-Soldaten bei ihren Machenschaften.

Das Ganze wird zu einem Problem, als die ehrgeizige Journalistin April O'Neil (Megan Fox) die Turtles auf frischer Tat ertappt. Das bringt nicht nur die humanoiden Reptilien in Gefahr, sondern auch sie selbst. Der klingenbepackte Anführer der Fuß-Soldaten, Super-Ninja Shredder (Tohoru Masamune), lauert auf die Chance, den Turtles den Garaus machen zu können.

So steht das Story-Grundgerüst. Wie in so vielen CGI-getränkten Filmen der letzten Jahre dominiert die Technik ohnehin über weite Strecken das Geschehen. Und das nicht immer gelungen: Gerade in den Kampfszenen lassen die weichen und schnellen Bewegungen der animierten Hauptfiguren nur noch erahnen, was gerade passiert. Hinzu kommen all die umherfliegenden Fuß-Soldaten, Splitter, Baumstämme oder Autos, die dem 3D-Erlebnis dienen sollen.

Natürlich gehören Action und Kampfszenen zu den Turtles. Und wenn "Transformers"-Spezi Michael Bay die produktionstechnische Aufsicht über eine Verfilmung des Stoffes hat, sollte man auch nicht weniger erwarten. Ob es die überlangen, oft fahrigen Rutschpartien im Kugelhagel gebraucht hätte? Zum Glück - und das ist für Fans wohl die wichtigste Nachricht - wissen die Turtles an sich zu gefallen. Zuvor nie dagewesene Nasenlöcher und ein Übermaß an Muskelmasse hin oder her: Die einzelnen Figuren erinnern an ihre Comic-Vorbilder. Sie sind sympathisch und gerade, wenn Regisseur Jonathan Liebesman in Sachen Action mal auf den Pausenknopf drückt, richtig witzig.

Umso ärgerlicher ist es, dass sich die Autoren Josh Appelbaum, André Nemec und Evan Daugherty dem Action-Gewitter haben beugen müssen. Die menschlichen Figuren, etwa der Industrielle Eric Sacks (William Fichtner), lassen nicht viel Raum für Interpretationen. Shredder bekommt kaum charakterliche Züge geschenkt, und wer kann dem ewigen Eye-Candy Megan Fox schon die umtriebige Journalistin April abnehmen? Da hilft nur die beinahe vergessene Liebe zu den Mensch-Reptilien, die aus "Teenage Mutant Ninja Turtles" dann doch unterhaltsames und vor allem familienfreundliches Kino macht.

Quelle: teleschau - der mediendienst