Der Richter: Recht oder Ehre

Der Richter: Recht oder Ehre





Herrlich süße Honigbonbons

Ein Regisseur hat durchaus das Recht, sein Publikum zu manipulieren. Und der bislang eher auf Komödien wie "Die Hochzeits-Crasher" abonnierte David Dobkin bedient sich bei seinem Justiz-Familiendrama "Der Richter: Recht oder Ehre" aus einigen Trickkisten - mal mehr, mal weniger effektiv. Wahrlich gelungen ist ihm allerdings die Besetzung des Films: Zum einen gibt Robert Downey Jr. ("Iron Man") als smarter Staranwalt Hank dem Drama den ein wenig manierierten, unwiderstehlichen Downey-Touch. Zum anderen zieht der 83-jährige Robert Duvall ("Apocalypse Now") in seiner Rolle als knorriger Richter und enttäuschter Vater noch einmal alle Register seines Könnens.

Auch viele der Nebenrollen wurden mit erstklassigen Schauspielern besetzt, ihnen kommen in dem über weite Teile relativ absehbaren Drehbuch aber leider nur Sidekickrollen zu: Etwa Vera Farmiga ("Up In The Air") als die Geliebte aus Jugendzeiten, Jeremy Strong ("Lincoln") als Hanks autistischer, ständig filmender Bruder Dale, oder Vincent D'Onofrio ("Men in Black") als älterer, vergrämter Bruder Glen.

Letztgenanntem stand einst eine großartige Baseball-Karriere bevor, doch der 17-jährige Hank machte diesen Traum zunichte, als er unter Drogeneinfluss mit seinem Bruder einen Autounfall baute. Damals brach sein Vater Joseph mit ihm und steckte ihn in die Jugendstrafanstalt. Erst zur Beerdigung seiner Mutter kehrt das schwarze Schaf, das mittlerweile in Chicago ein überaus erfolgreicher Winkeladvokat ist, in das Provinznest in Indiana zurück. Sein Vater Joseph (Duvall) hat ihm noch lange nicht verziehen. Doch als der ehemalige Richter unter Verdacht gerät, einen Straftäter absichtlich überfahren zu haben, übernimmt Hank schließlich seine Verteidigung. Eine Gelegenheit, auf die der recht überambitionierte Staatsanwalt Dwight Dickham (Billy Bob Thornton) regelrecht gewartet zu haben scheint.

Statt den Film nun mehr und mehr in einem öde-absehbaren Justizdrama münden zu lassen, konzentriert sich David Dobkin zunehmend auf die Dramen innerhalb der dysfunktionalen Familie. Kalkulierte, altmodisch anmutende Zuschauermanipulation - inklusive rührseliger Filmscore - hin und her: Dobkins Taschenspielerticks funktionieren prächtig, man ist berührt und wischt sich die ein oder andere verstohlene Träne aus den Augen. Besonders die Momente gehen zu Herzen, in denen Hank und seinem Vater bewusst wird, dass Joseph bald sterben wird. Doch noch haben die beiden klugen Dickköpfe, die sich ähnlicher sind, als ihnen lieb ist, so manchen Kampf miteinander auszufechten.

Sicher wäre es ratsam gewesen, gelegentlich vom Gaspedal zu gehen und einen entscheidenden Streit der beiden nicht ausgerechnet in ein Tornado-Setting zu verlegen. Selbstverständlich wirkt es unglaubwürdig, dass Hanks kleine Tochter Lauren (Emma Tremblay), die gerade den Scheidungskrieg ihrer Eltern zu verarbeiten hat, immer so ausgesprochen süß, reif und verständnisvoll ist. Doch am Ende verlangt sie immer von ihrem Dad herrlich süße Honigbonbons, die der in seiner oberen Hemdtasche aufbewahrt - wie einst sein Vater. Auch der Zuschauer, dem die Manipulation vollkommen bewusst und der Ausgang des Gerichtsverfahrens inzwischen völlig schnuppe ist, möchte wenigstens noch eins davon. Und bekommt es auch.

Quelle: teleschau - der mediendienst