Simon Böer

Simon Böer





Die Sympathie des Scheiterns

Liebe und Vergebung sind für Simon Böer die wichtigsten Elemente im Leben. Aber auch dem Scheitern kann der 39-Jährige einiges abgewinnen. Dass er in der Serie "Herzensbrecher - Vater von vier Söhnen" einen Pfarrer spielen darf, der keineswegs unfehlbar ist und im emotionalen Überschwang schon mal mit der Bibel nach seinen Mitmenschen wirft, findet der gebürtige Bonner deswegen besonders reizvoll. Nun geht die beliebte ZDF-Vorabendserie rund um den alleinerziehenden Pfarrer Tabarius und seine vier halbstarken Söhne in die zweite Staffel (ab. 4.10., immer samstags, 19.25 Uhr, ZDF). Wieder dreht sich das Liebeskarussell, und erneut schütteln kleine und große Sünden den Alltag der Männerclique gehörig durcheinander. Im Familien- und Berufschaos balanciert Böer als geistlicher Freigeist sympathisch herzgesteuert auf dem schmalen Grad zwischen Pflichtbewusstsein und Menschlichkeit.

teleschau: Herr Böer, Sie feiern im Oktober Ihren 40. Geburtstag ...

Simon Böer: Genau, ich steuere auf eine runde Zahl zu, aber ich freue mich darauf. Ich fühle mich zum Glück sehr gut. Schließlich bin ich jetzt quasi im Kreise der Männer im besten Alter.

teleschau: Wie werden Sie feiern?

Böer: Ich feiere meine Geburtstage nicht groß - das wäre schwierig in dem Beruf. Aber dieses Mal möchte ich es am Wochenende nach meinem Geburtstag krachen lassen. Zuletzt habe ich meinen 30. groß gefeiert, da muss ich es zum 40. schon auch krachen lassen.

teleschau: Ist ein runder Geburtstag Anlass für Sie, schon einmal einen Blick zurückzuwerfen?

Böer: So viel Zeit zum Reflektieren werde ich gar nicht haben, weil ich an meinem Geburtstag selbst arbeite. Morgens bin ich beim Frühstücksfernsehen, und danach fahre ich zum Set von den "Herzensbrechern". Aber gegen Ende des Jahres, in der Adventszeit, lasse ich generell Revue passieren, was im vergangenen Jahr los war. Da habe ich die nötige Ruhe, bin bei der Familie - das ist ein guter Zeitpunkt, um zu überlegen, was ich in meinem Leben manifestiert haben möchte und was nicht, und wo ich Fehler gemacht habe und daraus lernen kann.

teleschau: Was war für Sie beruflich bislang am beeindruckendsten, wenn Sie zurückblicken?

Böer: Das sind schon die "Herzensbrecher". Die Serie ist einfach ein Riesenspaß, ein echtes Herzensprojekt. Wir haben ein tolles Team, einen tollen Cast - die Kollegen sind für mich wie eine kleine Familie geworden. Da freut es mich natürlich umso mehr, dass die Serie jetzt in die zweite Staffel geht und dass die Leute darauf anspringen.

teleschau: Sind Sie gespannt, wie die zweite Staffel angenommen wird?

Böer: Natürlich, das bin ich. Denn es geht jetzt ein wenig heftiger zur Sache. Es ist nicht mehr alles so heile Welt, Happy End. Sondern wir erzählen horizontaler, und die Konflikte sind lebensnäher.

teleschau: Gleich zum Auftakt der neuen Staffel wünscht sich einer der Söhne von Pfarrer Tabarius den Tod des Unfallfahrers, der das Leben seiner Mutter auf dem Gewissen hat ...

Böer: Es ist interessant, dass Sie genau diese Szene nennen, denn die ist mir auch ganz besonders im Kopf geblieben. Ich finde es wundervoll, wie Tom Hoßbach sich hat fallen lassen können. Das hat auch etwas mit Vertrauen mir gegenüber zu tun. Das zu sehen, ist schön. Ich habe zu ihm gesagt "Komm, wir reißen uns jetzt das Herz auf und geben Vollgas!" Dieser Moment war sehr berührend. Und das tat sicherlich auch weh. Da ist plötzlich jemand, der sagt: "Ich will, dass dieser Mensch leidet. Dass er stirbt!" Ich finde das sehr nachvollziehbar, auch wenn es eben nicht christlich ist. Für mich sind Liebe und Vergebung die beiden wichtigsten Elemente im Leben, die Schlüsselmomente. Deswegen ist es interessant, dass der Pfarrer in dieser ersten Folge nicht vergeben kann.

teleschau: Er ist eben ein Mensch.

Böer: Genau, er ist ein Mensch und bleibt ein Mensch. Das macht die Serie erfolgreich: dass man sieht, dass der Pfarrer wie jeder andere Mensch auch fehlbar ist.

teleschau: Tabarius geht es wie seinem Sohn: Auch er wünscht sich den Tod des Unfallfahrers. Im Grunde ist das nach christlichen Gesichtspunkten eine Todsünde.

Böer: Tabarius kann seinen Sohn in diesem Punkt verstehen, es geht ihm genauso. Dieses Menschsein, und das Scheiterndürfen als Mensch, obwohl man Pfarrer ist, finde ich sehr interessant und prägnant in der zweiten Staffel.

teleschau: Wie positioniert sich die Kirche zur Umsetzung dieser Thematik in der Serie?

Böer: Wir haben einen Pfarrer als Experten dabei, der mich berät: Mathias Bonhoeffer. Ihn kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit befragen, wenn ich mit meinem Kirchenlatein am Ende bin - und mein Kirchenlatein ist nicht sehr ausgeprägt, weil ich privat nicht in die Kirche eingebunden bin. Mathias Bonhoeffer ist ein sehr cooler Pfarrer. Ein Familienvater, ein Mensch mit viel Humor und schönem Schalk im Nacken.

teleschau: Letztes Jahr wurden Sie von ihm sogar zum Predigen eingeladen ...

Böer: Er hat mich darum gebeten: "Kannst du dir vorstellen, zu predigen?", hat er gefragt. Und lustigerweise habe ich es dann in der Adventszeit wirklich getan.

teleschau: Und, wie war es?

Böer: Es war sehr interessant! Inhaltlich hat meine Predigt das Thema Advent berührt, die innere Einkehr und Chance zur Inventur im eigenen Leben. Es war toll, dass Pfarrer Bonhoeffer mir das Vertrauen geschenkt hat. Ich wollte zuerst nicht, dachte, dass das zu weit geht. Schließlich bin ich kein Pfarrer, sondern Schauspieler. Aber er meinte nur: "Mach mal." Dann habe ich ihm meinen Entwurf geschickt und er sagte: "Ist doch toll, das bist du!" Und er empfahl mir auch, einfach zu reden, wenn mir während der Predigt noch etwas anderes einfällt. "Es passieren enorme Sachen da oben", sagte er.

teleschau: Was war das denn für ein Gefühl "da oben"?

Böer: Wenn man da steht und über Liebe und Vergebung spricht und durch die Anwesenden einen Spiegel vor sich hat, ist das doch sehr rührend und ergreifend. Auch über das Familienpapier der evangelischen Kirche zu reden, war ein besonderer Moment. Mit Papst Franziskus werden gerade auch in der katholischen Kirche Impulse gegeben, die ich toll finde.

teleschau: Welche Rolle spielt die Kirche in Ihrem Leben?

Böer: Ich bin katholisch getauft, aber ich lebe das nicht. Ich habe mein ganz eigenes Gottesbild und habe auch hie und da meine Probleme mit der Kirche und ihrer Machtideologie. Auf der anderen Seite finde ich viele Dinge toll, beispielsweise wie sich die Kirche im sozialen Bereich engagiert. Ich bin nicht dazu berufen, Kritik an der Kirche zu äußern. Kritik kann man nur äußern, wenn man es selbst besser macht und wirklich drin steckt - wie damals Drewermann, der versucht hat innerhalb des Apparates Kirche etwas zu bewegen und zu ändern und sich nonkonform fortzubewegen. Das ist auch die Parallele zu Tabarius: Der hat seinen eigenen Kopf, vergaloppiert sich und geht auch mal zu weit - aber eigentlich immer im christlichen Sinne.

teleschau: Sind die "Herzensbrecher" eine Art Imagefilm für die Kirche? Schließlich wird mit lebhafter Hintergrundmusik und witzigen Dialogen gearbeitet ...

Böer: Keine Ahnung. Das Image der Kirche wird in jedem Fall aufpoliert. Bei Staffel eins habe ich auch darüber nachgedacht. In der Serie haben wir wirklich moderne Musik, nicht diesen ewigen Geigenteppich. Hier ist das ZDF bestimmt neue Wege gegangen, das finde ich ganz toll. Wir haben auch einen tollen Komponisten. Das ganze Sound Design ist sehr gelungen. Die Musik ist gut pointiert, nimmt nichts vorweg.

teleschau: Wie war bisher das Feedback der Kirche zur Serie?

Böer: Das war gut. Ich habe von vielen sehr positives Feedback bekommen. Konfessionsübergreifend.

Quelle: teleschau - der mediendienst