ChrisTine Urspruch

ChrisTine Urspruch





"Klein sein muss kein Nachteil sein"

Die "Sams"-Filme, in denen sie für Herrn Taschenbier "Wunschpunkte" verteilen durfte, machten sie - trotz Maske - nicht nur unter Kindern berühmt. Im Münsteraner "Tatort" ist sie seit 2002 als aufgeweckte Rechtsmedizinerin den Ermittlern Thiel und Boerne ein verlässlicher Partner, der mit den beiden immer wieder für Rekordquoten sorgt. Ab sofort steigt die 1970 in Remscheid geborene, 1,32 Meter große Schauspielerin ChrisTine Urspruch als "Dr. Klein" in der gleichnamigen ZDF-Freitagsserie (ab 10.10., 19.25 Uhr) zur schlagfertigen Chirurgin und Oberärztin auf, die sich an ihrem Arbeitsplatz in einer Kinderklinik genauso durchzusetzen versteht wie beim eigenen Familienanhang - Mann, zwei Kinder, ein an Demenz erkrankter Vater. Körpergröße allein ist eben nicht alles, wie ChrisTine Urspruch im Interview erklärt. Das große "T" im Namen ist für sie übrigens ein spielerischer Umgang mit den Attributen klein und groß.

teleschau: Frau Urspruch, nun sind Sie von der "Tatort"-Pathologin zur operierenden Oberärztin in einer Stuttgarter Kinderklinik aufgestiegen. Man sieht Ihnen die Freude über diesen Erfolg ja richtig an.

ChrisTine Urspruch: Ein Aufstieg, ja - von der Assistentin zur leitenden Oberärztin. Die Rolle macht mir großen Spaß. Ich freue mich, so viele Facetten zeigen zu können. Es gibt bei "Dr. Klein" einen großen Hintergrund an Privatleben, die tollen Dialoge mit den Kollegen im Krankenhaus - und vor allem gefällt mir, mit Kindern zusammen zu spielen und zu arbeiten.

teleschau: Das Familiäre war Ihnen in der Krankenhausserie besonders wichtig?

Urspruch: Es war mir wichtig, eine komplexe Frau zu zeigen, die einen Beruf hat und Familie, die an ihrer Karriere interessiert ist, aber auch daran, dass die Kinder nicht vom Weg abkommen. Eine Frau, die den ganz alltäglichen Wahnsinn bewältigen muss.

teleschau: Wie kam denn das Projekt zustande?

Urspruch: Es war eine rasante Entwicklung. Torsten Lenkheit kam vor knapp zwei Jahren mit seiner Idee zur Serie sehr früh auf mich zu und fragte mich, ob ich an einer Weiterentwicklung interessiert wäre. Ich fand die Idee toll, denn in der Vergangenheit gab es oft Konzepte, die für mich entwickelt wurden, etwa als Privatdetektivin, und dann doch immer wieder an irgendetwas scheiterten. "Dr. Klein" fand ich von Anfang an vielversprechend für mich.

teleschau: Das mit den 1,32 stimmt?

Urspruch: Sie fasziniert das schon?

teleschau: Zugegeben, ja. Man tritt ja immer wieder in Fettnäpfchen, wenn man von Kleinwüchsigkeit spricht. Welche Rolle spielt denn bei Ihnen der Humor?

Urspruch: Ich habe es immer schon mit Humor genommen, weil mir das in die Wiege gelegt wurde. Ich bin ein Mensch, der gerne lacht.

teleschau: Haben Sie das von Ihren Eltern?

Urspruch: Sicherlich von meinem Vater, der im eigenen Betrieb Bandweber war. Aber vor allem auch von Onkel Werner, einem sehr humorvollen Menschen. Was das Kleinsein betrifft: Es hat natürlich immer etwas mit mir gemacht, dass ich vielleicht nicht so bin wie die anderen. Aber das muss ja kein Nachteil sein. Der große Unterschied ist eigentlich nicht da.

teleschau: Das ist auch das, was die Serie erzählen will.

Urspruch: Genau. Dr. Klein muss sich vielleicht mal mehr anstrengen als andere. Aber es kommt eben auch gleich jemand daher, der sagt: "Ja, ich hab' zu Hause auch einen demenzkranken Vater oder eine kranke Mutter. Ich weiß manchmal auch nicht, wo mir der Kopf steht". Und so jemand ist vielleicht 1,72 Meter groß. Dann denke ich: Genau das ist es. Es gibt letztlich keinen Unterschied. Außer, dass man mir immer wieder die Frage danach stellt und ich dann immer das Gefühl habe, die Antwort müsste sich eigentlich von selbst ergeben.

teleschau: Immerhin, man weiß, dass Sie gerne hohe Schuhe tragen.

Urspruch: Ich trage gerne hohe Schuhe, weil ich hohe Schuhe mag, nicht weil ich damit größer sein will. Hohe Schuhe machen bekanntlich schöne Beine.

teleschau: Gleich noch so eine Frauenfrage: Kleider kaufen, ist das schwierig für Sie?

Urspruch: Kleider kaufe ich manchmal von der Stange und lasse sie dann kürzen, manchmal lasse ich etwas anfertigen, und manche Dinge passen einfach so, auf Anhieb.

teleschau: Welche Laufzeit würden Sie sich für die Serie wünschen. Zehn Jahre? Wenn man nach der Zufriedenheit der Macher und deren Vorschusslorbeeren geht, wäre das glatt drin.

Urspruch: Einige Jahre wären ganz schön. Dann sollte aber wieder Platz für Neues sein.

teleschau: Die Rolle im Münsteraner "Tatort" wollen Sie beibehalten?

Urspruch: Ja, die spiele ich immer noch sehr gerne. Wenn wir mit "Dr. Klein" fertig sind, geht es gleich in die Dreharbeiten zum neuen "Tatort", der meines Erachtens wieder sehr vielversprechend ist. Ich freue mich auf die Kollegen und auch darauf, dass ich mal wieder nicht ganz so volle Drehtage habe wie jetzt.

Quelle: teleschau - der mediendienst