Ana Ortiz

Ana Ortiz





"Lieber auf dem Lande als in Beverly Hills"

Die New Yorkerin Ana Ortiz (43) lebt nach eigener Aussage recht gemütlich auf dem Lande im Osten der Staaten. Die Fernseher laufen dort: Sport für den Mann, Serien für sie. Und draußen spielen die Kinder. Und dennoch muss die Schauspielerin (unter anderem "Alles Betty!") ihr Idyll auch immer wieder verlassen. Die Arbeit ruft! In der neuen ProSieben-Serie "Devious Maids" (ab Mittwoch, 15. Oktober, 21.15 Uhr) spielt sie ein Hausmädchen, das sich von den arroganten Superreichen von Beverly Hills massiv drangsalieren lassen muss. Die Rolle macht ihr sogar Spaß. nicht zuletzt, weil sie vor jedem Drehtag ein wunderbares Frühstück serviert bekommt. Ins hyperaufgesetzte Los Angeles würde die Schauspielerin dennoch niemals ziehen. Lieber bleibt sie auf ihrem Lande im Osten, wo Hauptsache der Fernseher läuft.

teleschau: In "Devious Maids" spielen Sie ein Hausmädchen bei den Superreichen von Los Angeles. Können Sie sich von Ihren Gagen als Schauspielerin auch schon eine hübsche Villa in den Hügeln von Beverly Hills leisten?

Ana Ortiz: Dann müsste ich vom ländlichen Osten der Staaten erst ins hektische Los Angeles ziehen. Nein, noch wohne ich in einem ganz normalen Haus mit ganz normalen Nachbarn. Und so gefällt mir das auch. Ich glaube, das Leben in Los Angeles wäre mir zu stressig. Vieles dort wirkt sehr aufgesetzt, vielleicht auch oberflächlich. Dagegen schätze ich mein ruhiges Leben auf dem Lande doch sehr.

teleschau: Wie passt Ihr Beruf denn zur beschriebenen Häuslichkeit?

Ortiz: Nicht so gut. Das ist das Schicksal des Schauspielers. In gewisser Weise sind wir Zigeuner und reisen von Ort zu Ort. Nur schade ist, dass ich meine Familie und Freunde oftmals lange nicht sehe. Andererseits lerne ich gerade bei den Dreharbeiten immer wieder neue und interessante Menschen kennen. Vieles allerdings ist auch ein ständiges Kommen und Gehen. Das bringt mein Job eben mit sich.

teleschau: Muss man gerade als Schauspieler immer offen und aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen sein?

Ortiz: Nicht unbedingt. Ich kenne viele Schauspieler, die zurückgezogen leben. Sie sind fast schon übertrieben schüchtern. Aber wenn sie auf die Bühne kommen oder vor der Kamera stehen, ändern sie sich komplett. Sie öffnen sich und kehren in ihrer Rolle ein Inneres nach Außen. Ich glaube sogar, jeder kann ein guter Schauspieler sein, wenn er nur den Mut aufbringt, etwas von sich preiszugeben. Das bedeutet aber nicht, dass man privat nicht auch sehr zurückhaltend sein kann.

teleschau: Was hat Sie an Ihrer Rolle der Marisol gereizt?

Ortiz: Zuerst fand ich es vor allem spannend, das fünf Latino-Frauen im Mittelpunkt stehen. Die Rolle der Marisol tat ihr Übriges. Für einen vergleichbaren Charakter wurde ich zuvor nicht gecastet. Bisher hatte ich eher freche Figuren gespielt. Die Marisol dagegen ist sehr kontrolliert und stoisch.

teleschau: Wie darf man sich einen typischen Drehtag bei den "Devious Maids" vorstellen?

Ortiz: Wir beginnen sehr früh am Tag. Er beginnt in der Garderobe mit Haar-Styling und Make-up. Nach einem zumeist guten Frühstück geht es los, und wir beginnen mit der Arbeit.

teleschau: Das klingt aber nicht nach Spannung pur.

Ortiz: Bekommen Sie ein Frühstück in Ihrer Arbeit serviert (lacht)? Im Ernst: Wir haben einige dramatische, sehr ernste Szenen zu spielen. Und wenn sie im Kasten sind, lachen wir am Set auch wieder gemeinsam. Dieser vermeintliche Gegensatz macht Spaß.

teleschau: Finden Sie auch, dass die TV-Serien in der letzten Zeit immer wichtiger geworden sind?

Ortiz: Oh ja. Die spannenden Dinge passieren gerade im Fernsehen. Anders als im Kino, wo ein Film nach 120, höchstens 150 Minuten endet, lässt sich eine Geschichte in Serienlänge intensiver erzählen. Als Zuschauer hat man die Möglichkeit, die unterschiedlichen Charaktere richtig kennenzulernen und bestenfalls auch mit ihnen zu leben.

teleschau: Aber Voraussetzung ist, dass der Zuschauer die Helden leiden kann, oder?

Ortiz: Nicht unbedingt. "Breaking Bad" ist doch das beste Gegenbeispiel. Gab es in der Serie einen Charakter, den man wirklich gern haben konnte? Vor allem aber brauchen die Serien keine großen Stars wie Tom Cruise oder Brad Pitt als Zugpferde. Mit denen kann sich der Zuschauer doch ohnehin nur noch schwer identifizieren. In den Serien können auch sogenannte No-Name-Schauspieler eine Geschichte erzählen. Gerade im TV muss diese nur gut sein, damit die Zuschauer dabei bleiben.

teleschau: Das Kino erzählt keine guten Geschichten mehr?

Ortiz: Es scheut vor allem das Risiko - bei den immensen Kosten, die ein Movie heute kostet. Deshalb setzen die Studios nur noch auf Blockbuster. Und einen nächsten "Spider-Man"-Film, weil sie wissen, er kommt an.

teleschau: Besteht für den Boom der Serien nicht auch eine Gefahr darin, dass jede eine nächste noch abgedrehtere Story erzählen will?

Ortiz: Gleichzeitig entstehen immer mehr Kanäle. Auch durch das Internet ist der Zuschauer nicht mehr nur auf das vorgegebene Programm und den Fernseher an sich festgelegt. Wer eher einfachere Unterhaltung sehen möchte, wählt diese aus. Andere schauen sich dagegen eine anspruchsvolle Serie an. Diese Auswahl bietet viele Möglichkeiten und Freiräume. Auch für die Serien selbst. Ob nun pure Unterhaltung oder anspruchsvoll, so lange die Serie kreativ ist, wird sie sich durchsetzen.

teleschau: Wo ordnen Sie Ihre "Devious Maids" ein?

Ortiz: Die Serie richtet sich an ein breites Publikum. Sie bietet etwas für jedermann. Sie hat eine abgefahrene Story um einen Mord, in ihr ist Sex, der Zuschauer kann lachen, es gibt dramatische Entwicklungen, und sie bietet einen Blick hinter die dicken Mauern, hinter denen sich die Reichen und Schönen verschanzen. Dazwischen bleiben die Hausmädchen ("Maids", d. Red.) so etwas wie ein moralischer Kompass für die Zuschauer. Da sie eben nur für die Superreichen arbeiten, können sich viele mit ihnen identifizieren.

teleschau: Bei dieser immensen Auswahl an Programmen, welche Sendungen verfolgt Ana Ortiz persönlich?

Ortiz: Ich gebe es zu, ich bin ein TV-Junkie. Anders als mein Mann, der von Tennis bis Football jegliches Sportprogramm verfolgt, schaue ich mir von "Game of Thrones" über "Grey's Anatomy" bis "House of Cards" so gut wie alles an.

teleschau: Dann müssen Sie ja bestimmt drei oder mehr Fernseher daheim in ihrem gemütlichen Haus auf dem Lande haben?

Ortiz: Ja, das stimmt, es ist wirklich so. Er guckt seinen Sport, ich meine Serien. Und die beiden Kinder schicken wir nach draußen, damit wir unsere Ruhe haben (lacht).

(Während sich das Free-TV noch um die erste Staffel kümmert, sind die Folgen der zweiten Staffel bereits ab 8. Oktober im Pay-TV zu sehen. Universal Channel zeigt die zweite Staffel von Marc Cherrys Dramedy "Devious Maids" mittwochs, um 21 Uhr, in Doppelfolge mit Originalton-Option als exklusive deutsche Erstausstrahlung.)

Quelle: teleschau - der mediendienst