Wish I Was Here

Wish I Was Here





Zelebrierte Melancholie

Zehn Jahre mussten sich die Fans gedulden. Mit "Garden State" schuf der "Scrubs"-Star und Kritikerliebling Zach Braff 2004 eine Aufsehen erregende Indie-Filmperle. Nun ist der mittlerweile 39-Jährige mit der Tragikomödie "Wish I Was Here" zurück - erneut als Hauptdarsteller und Regisseur. Nur dass er diesmal auch als Produzent, Studiochef und Medienmensch fungierte: Weil Braff den Film über Crowdfunding finanzierte, wuchs nicht nur die Verantwortung, sondern auch die künstlerische Freiheit. Das merkt man "Wish I Was Here" an: Es ist ein empathisches Kleinod geworden, eine persönliche Familienstudie und komische Groteske zugleich, die aber ein wenig zu viele Themen anschneidet.

Zach Braff sagt, dass man ihm bei der Kickstarter-Kampagne zu "Wish I Was Here" zunächst wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht habe - schließlich hätte er kein "Garden State 2" angekündigt. Beide Mutmaßungen waren falsch: Zum einen erreichte das Projekt innerhalb von 48 Stunden die Zielsumme, kam letztlich gar auf drei Millionen Dollar und fast 47.000 Unterstützer. Zum zweiten hat Braff definitiv eine Art Fortsetzung von "Garden State" geschaffen: in emotionaler, philosophischer und stilistischer Sicht.

Wieder spielt Braff einen erfolglosen, sentimentalen Schauspieler. Nur dass Aidan, wie die Figur diesmal heißt, in seinen Dreißigern und Familienvater ist: Gemeinsam mit Ehefrau Sarah (Kate Hudson) zieht er die gemeinsamen Kinder Grace (Joey King) und Tucker (Pierce Gagnon) groß. Es geht nicht mehr um die große Liebe, sondern um Fragen der Kindererziehung, die Finanzierung der Privatschule oder den drohenden Tod seines Vaters. Letzterer, von "Homeland"-Star Mandy Patinkin wundervoll grantig verkörpert, zahlt die Schulgebühren, damit die Kinder eine angemessene jüdische Ausbildung erhalten. Überhaupt legt Braff mit jeder Menge satirischer Anspielungen einen überraschend großen Fokus auf die religiöse Herkunft und Fragen des Jüdisch-Seins heute.

Während die junge Familie mit Geldsorgen kämpft und Sarah das Geld reinholt, aber am Arbeitsplatz mit sexueller Belästigung zu kämpfen hat, sucht Aidan noch der Midlife-Crisis gemäß eine Aufgabe in der Welt. Hinzu kommen eine Menge Nebenstränge, die Braff anschneidet, um die tragisch-komische Wirklichkeit in vielerlei Facetten zu zeigen. Bisweilen gelingt das wundervoll, wenn Aidan sich beispielsweise in schön fotografierten Traumsequenzen in die Science-Fiction-Fantasien seiner Kindheit zurückzieht - als Raumfahrer mit Schwert im Wald.

Doch schafft Braff nur im Ansatz eine ästhetisch-erzählerische Einheit, spricht viele Probleme lediglich oberflächlich und anscheinend aus Pflicht an. Sicher: Die groteske Ambivalenz zwischen Sinnsuche und Lebensbewältigung ist nun mal chaotisch, krisenhaft, umherspringend. Nur scheint das an einigen Stellen zu gewollt - so wirkt der erneut grandios ausgewählte, rührige Indiesoundtrack teilweise übergestülpt, um leidenschaftslosen Sequenzen eine Art schwermütige Aura zu verleihen. Grund dafür ist aber keinesfalls fehlende Hingabe, sondern eine schiere emotionale Überladung eines Dramas, das ansonsten voller melancholischer Empathie zum Weinen wie Lachen verleitet - und es schafft, die Tragik und Schönheit des Leben zu zelebrieren.

Quelle: teleschau - der mediendienst