Get On Up

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Dreh's um!

Die großen Persönlichkeiten des Showgeschäfts sind als Privatpersonen nicht selten bemitleidenswerte, einsame Menschen. James Brown bildet da keine Ausnahme, wenngleich er tatsächlich einer der größten, afroamerikanischen Exzentriker der Pophistorie war. Regisseur Tate Taylor ("The Help") wagt sich in seinem von Mick Jagger mitproduzierten Film "Get On Up" an die bemerkenswerte Lebens- und Erfolgsgeschichte dieses widersprüchlichen Showgiganten.

Das schlaglichthafte, von dem Autorenteam John-Henry und Jez Butterworth in nicht chronologischer Reihenfolge aufgebaute Biopic zeigt zum einen die tragische Familiengeschichte des 1933 in South Carolina geborenen James Joseph Brown Jr.: Bereits im Alter von vier Jahren wird er von seiner Mutter mit seinem gewalttätigem Vater sitzengelassen. Der kleine James wächst bei seiner Tante (Oscarpreisträgerin Octavia Spencer) auf, die ein Bordell betreibt.

Zum anderen erzählt "Get On Up" die auch heute noch unglaubliche Erfolgsgeschichte des Mr. Dynamite. Im Gefängnis - er wollte einen schicken Herrenanzug klauen - lernt James seinen späteren musikalischen, kongenialen Lebensbegleiter Bobby Byrd (Nelsan Ellis) kennen, der ihn nicht nur in seiner R&B-Gruppe The Famous Flames aufnimmt, sondern auch dafür sorgt, dass Brown bei seiner Familie wohnen darf. In 138 sehr unterhaltsamen Minuten, gespickt mit furios choreografierten Konzertaufnahmen, wird man Zeuge des rasanten Aufstiegs des "Hardest Working Man In Show Business" - und seines Absturzes.

Der komplexe und widersprüchliche "Godfather of Soul" wird oscarwürdig verkörpert von Chadwick Bosemann ("42 - Die wahre Geschichte einer Sportlegende"): Er ist egomaner Dressman, geht in die Kirche und in den Knast, unterstützt den Vietnamkrieg gleichermaßen, wie er Martin Luther King bewundert. Die Rückblenden in Browns Kindheit, die immer wieder auch ein Amerika der brutalen Rassentrennung zeigen, lassen dem Zuschauer nicht selten den Atem stocken. So zum Beispiel, wenn man mit ansehen muss, wie der kleine James blutige Boxkämpfe zu Ragtime-Musik zum Amüsement des weißen Establishments aufführen muss.

Was der Film zu betonen versucht, ist der bemerkenswerte Sachverhalt, dass James Brown offenbar bei aller Demütigung, die er von Kindesbeinen an erfahren hat, nur immer mehr Selbstvertrauen entwickelt hat. "Ich habe das immer einfach umgedreht", lässt ihn das Drehbuch sagen: "Flip it!".

Der Film spielt immer wieder mit verlangsamten Sequenzen, in denen der Regisseur einen Blick in das Innenleben dieses Jahrhunderttalents mit der Mörderstimme wagt: Emotional ist James Brown immer nur dann sicher, wenn es ums Show-Geschäft geht. Wobei seine Geschäfte tatsächlich nur so lange stabil laufen wie sie von seinem Manager Ben Bart, gespielt von "Blues Brother" Dan Aykroyd, geführt werden. Nach dessen Tod wirft es Brown durch eigenes Fehlmanagement beruflich vollkommen aus der Bahn, schließlich macht die Trauer über den Unfalltod seines Sohnes aus erster Ehe aus Brown einen tragischen heroinabhängigen Popstar, der den Zenit seines Erfolgs längst überschritten hat, ohne es zu bemerken.

Doch sein Überlebenswille scheint so stark, dass einem seine Funk-Musik im Film wie die Marschmusik eines großen Diktators vorkommt, der trotz unzähliger Niederlagen einfach nicht von dem Gedanken ablassen kann, die Welt zu erobern. Dass er dabei sowohl in Sachen Liebe und Freundschaft ein wahrer Unsympath gewesen sein muss, verzeiht ihm jeder, der seine Lebensgeschichte kennt.

Der Verdienst der Lebensverfilmung "Get On Up" ist es, diesen verrückten, rasenden, weltbewegenden Schreihals und sein großartiges Werk wieder ins Bewusstsein zu rufen. Dass der Film sich dabei nicht zwischen einem dramatisch und einem komödiantisch zugespitzem Biopic entscheiden kann, passt tatsächlich letztlich sehr gut zum Leben des Mr. Brown.

Quelle: teleschau - der mediendienst