Lenny Kravitz

Lenny Kravitz





"Liebe ist eine komplexe Emotion"

Er verkaufte fast 40 Millionen Alben, gewann zwischen 1998 und 2001 vier Grammys in Folge und füllt im November die größten deutschen Hallen - Lenny Kravitz ist und bleibt einer der letzten großen Rockstars. Nachdem er in der Romanverfilmung "Die Tribute von Panem" zuletzt auf der Kinoleinwand zu sehen war, veröffentlicht er nun sein zehntes Studioalbum "Strut". Und während er auf dem Vorgänger "Black And White America" (2011) noch Kritik am Rassismus in Amerika übte, widmet Kravitz sich dieses Mal ganz dem Thema Liebe. Wie es um sein eigenes Liebesleben bestellt ist, was sich in Amerika seit seinem letzten Album verändert hat und warum er die Schauspielerei so sehr genießt, verrät der 50-Jährige im Interview.

teleschau: Auf Ihrem neuen Album "Strut" geht es primär um genau ein Thema: die Liebe. Wurden darüber in der Geschichte der Musik nicht schon genug Lieder geschrieben?

Lenny Kravitz: Nein, denn die Dynamik der Liebe ist endlos. Wir verbringen unser ganzes Leben damit zu lieben, geliebt werden zu wollen, Liebe geben zu wollen, abgelehnt zu werden, missverstanden zu werden - und so weiter und so fort. Liebe ist eine so komplexe Emotion und genau deshalb wird sie nie langweilig.

teleschau: Wie sieht es bei Ihnen aus, haben Sie sich zuletzt verliebt oder entliebt?

Kravitz: Alles zusammen! (lacht) In den letzten zwei Jahren ist viel passiert. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, ein Album zu machen, denn ich war ziemlich ausgelastet damit, den zweiten Teil von "Die Tribute von Panem" zu drehen. Ich hing ständig am Filmset herum und musste morgens um fünf aufstehen, um ab sechs zu arbeiten. Verrückt, diese Schauspieler! Auf jeden Fall begannen die Songs während der Dreharbeiten irgendwann plötzlich in meinen Kopf zu entstehen und ich fand es interessant, all diese unterschiedlichen Formen der Liebe zu beschreiben. Es gibt auf dem Album sogar einen Liebessong an New York, die Stadt, in der ich aufgewachsen bin.

teleschau: Und ein Geburtstagslied namens "Happy Birthday". Im Mai sind Sie 50 geworden. War der Song ein Geburtstagsgeschenk an Sie selbst?

Kravitz: Nein, ich weiß auch nicht, warum ich ihn geschrieben habe. Während ich an dem Song arbeitete, dachte ich noch, das wird entweder richtig albern oder es funktioniert - und für eine Weile war ich mir nicht sicher, in welche der beiden Richtungen es geht. Aber ich mag den Song! Er reiht sich neben all den Geburtstagsliedern von Künstlern wie Stevie Wonder und The Beatles ein.

teleschau: Früher haben Sie Lieder für Barack Obama und gegen den Irak-Krieg gesungen, auf Ihrem letzten Album "Black And White America" übten Sie Kritik am Rassismus in Amerika. Dagegen wirkt "Strut" nun verhältnismäßig seicht ...

Kravitz: Mich beschäftigten dieses Mal eben andere Dinge. Als ich die Songs schrieb, setzte ich mich mit Beziehungen aller Art auseinander. Jeder Mensch hat doch unterschiedliche Emotionen, für jede gibt es einen Ort und eine Zeit. Und dieses Mal geht es um die Liebe, das muss auch mal sein. Die Platte soll Spaß machen und das ist gut so.

teleschau: Haben Sie das Gefühl, dass sich seit Ihrem letzten Album an der Situation in Amerika etwas geändert hat?

Kravitz: Die Dinge verändern sich ständig, aber zu welchem Grad und wie schnell? Wenn Sie meine Meinung wissen wollen, sind wir im Moment schlechter dran als damals, global betrachtet. Unser Planet ist ein einziges Durcheinander, überall haben die Menschen zu kämpfen. Wenn man sich die Nachrichten anschaut, ist das wie ein Katastrophenfilm. Es ist einfach nur schade, dass die Menschen immer noch nicht wissen, wie man einen Konflikt ohne Gewalt löst, und dass wir füreinander da sein müssen. Wir leben schließlich alle auf dem gleichen Planeten. Aber für mich ist es natürlich leicht das zu sagen. Viele dieser Konflikte gibt es seit Jahrtausenden und die Leute können einfach nicht loslassen.

teleschau: Zu einem aktuellen Konflikt haben Sie gewissermaßen eine persönliche Verbindung: Ihr Vater hat ukrainische Wurzeln.

Kravitz: Ja, er stammt aus Kiew. Ich selbst war vor fünf oder sechs Jahren das erste Mal dort, als ich ein Konzert gab. Damals versuchte ich, Informationen über meinen Großvater zu bekommen. Ich traf einen Gentleman, der Historiker war und mir dabei helfen wollte, etwas herauszufinden. Er notierte sich seinen Namen - aber ich hörte nie wieder von ihm. Ich weiß nicht viel über das Leben meines Großvaters und seine Eltern, aber ich weiß, dass er von dort kam. Er verließ die Ukraine als kleiner Junge und ging nach New York.

teleschau: Gehen die Bilder aus der Ukraine Ihnen noch näher, eben weil Sie diesen persönlichen Bezug haben?

Kravitz: All diese Bilder, egal, ob aus Gaza, Israel, Syrien, der Ukraine oder von Cops, die in Amerika Kinder erschießen, fallen bei mir unter dieselbe Kategorie: sinnlose Gewalt. Aber klar fühle ich eine Verbindung zur Ukraine. Genauso wie ich zu den Bahamas wegen der Familie meiner Mutter eine Verbindung spüre oder zu der Kultur der Ureinwohner Amerikas, weil meine Urgroßmutter zum Volk der Cherokee gehört. Man wächst mit den Geschichten auf, und spürt, dass das ein Teil von einem ist.

teleschau: Mittlerweile leben Sie in Paris und auf den Bahamas. Eigentlich könnten Sie es sich dort richtig gut gehen zu lassen. Was treibt Sie noch an?

Kravitz: Ich liebe es, Musik zu machen, kreativ zu sein. Das ist es, was mich antreibt. Es geht mir nicht um das Geld. Glauben Sie mir, ich könnte ein viel einfacheres Leben haben, wenn ich bloß relaxen würde. Ich versuche auch regelmäßig mir Zeit freizuschaufeln, in der ich einfach mit meiner Familie rumhänge und das Leben genieße. Aber irgendwann spüre ich wieder den Drang, eine Platte zu veröffentlichen und auf Tour zu gehen. Das ist zwar eine Menge Arbeit, aber meine Liebe zur Kunst ist einfach größer.

teleschau: Zuletzt waren Sie vermehrt auch auf der Kinoleinwand zu sehen, etwa in der Romanverfilmung "Die Tribute von Panem". Was reizt Sie an der Schauspielerei?

Kravitz: Das Schöne daran ist, dass es von meiner Person völlig losgelöst ist. Es geht nicht um mich, sondern um die Vision eines Regisseurs, um einen Charakter. Das genieße ich sehr. Außerdem kann ich mit vielen Menschen kollaborieren. Das tue ich bei meinen Platten nicht. Im kommenden Jahr will ich meine eigenen Filme machen, daran arbeite ich im Moment.

teleschau: Klingt, als seien Sie schwer beschäftigt. "We've got to live today cause life is moving fast" singen Sie passend dazu in dem Song "I'm A Believer". Gelingt es Ihnen, diesem Vorsatz stets zu folgen?

Kravitz: Ich muss mich tatsächlich immer wieder daran erinnern, wirklich im Moment zu leben. Es ist einfach, das zu vergessen. Wir verbringen eine Menge Zeit damit, über die Vergangenheit zu reden, über das, was wir getan haben oder noch vorhaben. Deswegen ist es manchmal schwer, sich wirklich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Aber ich versuche mein Bestes, den Moment zu genießen, denn er ist wertvoll und geht so schnell vorbei.

Lenny Kravitz auf Deutschland-Tournee:

05.11., Berlin, O2 World

07.11., Frankfurt, Festhalle

08.11., Stuttgart, Schleyerhalle

15.11., München, Olympiahalle

18.11., Oberhausen, König-Pilsener-Arena

Quelle: teleschau - der mediendienst