Daniel Hartwich

Daniel Hartwich





"Berühmt zu sein, war nie mein Anspruch"

Er ist für seinen ungezwungenen, ironisch-frechen Moderationsstil bekannt und inzwischen so etwas wie die Allzweckwaffe von RTL: 2008 moderierte Daniel Hartwich beim Kölner Privatsender seine erste eigene Late-Night-Show "Achtung! Hartwich" und wurde prompt für den Deutschen Fernsehpreis und den Deutschen Comedypreis nominiert. Heute führt der schlagfertige 36-Jährige mit "Let's Dance", "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" und "Das Supertalent" gleich durch mehrere große Unterhaltungsshows bei RTL. Bei der Castingshow "Das Supertalent", die am Samstag, 27. September, 20.15 Uhr in die achte Staffel geht, meistert der gebürtige Frankfurter seit 2008 überaus erfolgreich den Balanceakt zwischen Empathie gegenüber den Kandidaten und Entertainment vor dem Publikum.

teleschau: Herr Hartwich, warum geben Sie nicht gerne Interviews?

Daniel Hartwich: Was soll ich da erzählen? Ich habe genügend Sendungen, in denen ich alles kundtun kann, was ich möchte. Und ansonsten halte ich mich und Meinung nicht für so spannend, dass ich mich zu jedem Thema äußern müsste. Aber momentan läuft die Promotion für "Das Supertalent", da gehört das natürlich dazu.

teleschau: Sie moderieren "Das Supertalent" seit 2008. Was reizt Sie an der Show?

Hartwich: Beim "Supertalent" sind wir ein eingeschworenes Team, ein bunter Zirkus, der jedes Jahr auf Wanderschaft geht, wenn wir die Castings aufzeichnen. Die Stimmung am Set ist toll, und die Show macht Spaß, weil ich selbst nicht weiß, was für Kandidaten mich erwarten. Ich werde genauso überrascht wie die Zuschauer - im positiven wie im negativen Sinne.

teleschau: Sie haben Germanistik und Politik studiert. Wann haben Sie gemerkt, dass Ihnen Moderation liegt?

Hartwich: Ich habe nicht zu Ende studiert, möchte mich also diesbezüglich nicht mit Lorbeeren schmücken, die mir nicht zustehen. Ich wollte immer schon zum Radio, das hat mich seit jeher fasziniert. Und weil ein Studium dafür hilfreich ist, hab ich mich für die Fächerkombination Germanistik und Politikwissenschaft entschieden, die man auch gut so nebenbei studieren kann. Zumindest war das damals noch so. Währenddessen habe ich viel beim Radio gearbeitet. Zum Fernsehen ging es eher durch Zufälle.

teleschau: Welche Fähigkeiten sollte ein guter Moderator besitzen?

Hartwich: Auf jeden Fall sollte man sich eine gewisse Souveränität behalten und wissen, was in seiner Sendung passiert. Als Moderator ist man der Gastgeber; Man sollte gut zuhören und wahrnehmen, wie die Stimmung einer Sendung und ihrer Protagonisten ist - und dann darauf reagieren können. Und man sollte das Zepter in der Hand halten, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen.

teleschau: Das klingt so, als wäre es für Sie nie darum gegangen, reich und berühmt zu werden ...

Hartwich: Das war und ist auch nicht mein Anspruch. Berühmt sind andere. Ich bin nicht Robbie Williams oder Jack Nicholson. Dass man ein bisschen bekannt wird, passiert automatisch, wenn man eine Sendung vor so vielen Zuschauern moderiert.

teleschau: Wie groß sind die Vorgaben, die Ihnen für eine Moderation gesetzt werden? Spielen Sie eine Rolle oder können Sie ganz frei agieren?

Hartwich: Ich agiere so, dass es mir entspricht. So, dass ich mich selbst wiedererkenne, wenn ich die Sendung sehe. Wobei die Haltung dabei von Show zu Show unterschiedlich sein kann. Beim "Dschungelcamp" wird vom Moderator erwartet, dass er sich über die Kandidaten lustig macht. Bei anderen Sendungen ist das wieder anders. Und man entwickelt sich als Moderator auch. Beim "Supertalent" zum Beispiel hat sich mein Verhalten gegenüber den Kandidaten in den letzten Jahren geändert.

teleschau: Weshalb?

Hartwich: Weil ich erkannt habe, dass es sich nicht gehört, Leute aufs Korn zu nehmen, die damit in der Situation überfordert sind. In meinen ersten Jahren war ich diesbezüglich noch naiver, unsicherer und unerfahrener. Da ist mir das ein oder andere Interview durchgerutscht, das ich heute so nicht mehr führen würde. Aber im Grunde bin ich frei, so zu sein, wie ich bin. Auf Dauer würde es sowieso nicht funktionieren, eine Rolle zu spielen. Das würde mir auch keinen Spaß machen.

teleschau: Sie sind für Ihren humorvollen, aber oft auch spitzen Moderationsstil bekannt. Mit Ihrer Co-Moderatorin Sylvie Meis bei "Let's Dance" gab es schon mal herbere Wortwechsel ...

Hartwich: Sylvie Meis und ich arbeiten seit 2008 hervorragend und sehr harmonisch zusammen. Wir kennen uns und kennen auch unseren Humor. Dass zwei Moderatoren mal einen Witz übereinander machen, gehört bei einer Unterhaltungssendung dazu - genauso machen Dieter Bohlen beim "Supertalent" oder Joachim Llambi bei "Let's Dance" Witze über mich. Sylvie ist so weit Profi, dass sie weiß, wie sie das einzuordnen hat.

teleschau: Also gab es hinter den Kulissen noch keine Notwendigkeit zur Aussprache?

Hartwich: Nein. Sylvie ist herzlich dazu eingeladen, Witze über mich zu machen. Das ist ganz normal - wie es auch normal ist, dass ich seit 2008, also von Anfang an, immer mal wieder einen Witz über sie gemacht habe. Von außen wurde das gerne hochstilisiert in dem Sinn, dass wir uns mobben würden. Oder dass wir ein echtes Problem miteinander hätten. Aber darüber können wir beide herzlich lachen. Die Scherze, die wir miteinander machen, machen wir gerade deswegen, weil wir uns so gut verstehen. Jeder, der da mehr rein interpretiert, der irrt.

teleschau: Kamen später schon mal Kollegen an, die nicht so einverstanden mit Aussagen von Ihnen waren?

Hartwich: Es mag sein, dass der eine oder andere Spruch daneben ging, wobei ich mich an kein konkretes Beispiel erinnere. Aber ich glaube ehrlich gesagt auch, dass ich ganz gut abschätzen kann, wer was ab kann. Ich weiß auch, dass es Themen gibt, die ich nicht in einer Sendung ansprechen sollte, weil es den Leuten unangenehm ist. Es geht auch nicht darum, Kollegen in Sendungen in unangenehme Situationen zu bringen. Beim "Dschungel" ist das etwas anderes: Da ist natürlich viel Häme dabei. Da gehört es dazu, sich über die Kandidaten lustig zu machen. Aber das ist eben eine spezielle Sendung.

teleschau: Werden Sie die nächste Staffel des "Dschungelcamps" wieder moderieren?

Hartwich: Wenn Sonja Zietlow mich nicht rausgemobbt hat, bin ich wohl dabei. Und freue mich sehr drauf!

teleschau: Wie schwer war es, als Moderator beim "Dschungelcamp" in Dirk Bachs Fußstapfen zu treten? Hatten Sie Angst, dass das nach hinten losgehen könnte?

Hartwich: Natürlich, das hatte ich! Damals hätte ich nicht erwartet, dass es so gut für mich laufen würde. Das "Dschungelcamp" ist die Sendung, die ich selbst immer sehr gerne geguckt hab und zu der ich durch den traurigen Anlass von Dirk Bachs Tod gekommen bin. Umso dankbarer bin ich dafür, dass ich vom Großteil des Publikums gut angenommen wurde und kommendes Jahr zum dritten Mal mit dabei bin.

teleschau: Wo wollen Sie noch hin?

Hartwich: Es läuft seit einigen Jahren so gut bei mir, dass ich ehrlich gesagt in vollkommener Demut keine Wünsche äußern möchte. Sendungen und Formate, die ich unbedingt machen möchte, habe ich nicht. Ich persönlich wäre dankbar und froh, wenn es so gut weiterlaufen würde wie aktuell - wobei man die Uhr danach stellen könnte: Das wird es nicht!

teleschau: Und selbst mal in einer Jury zu sitzen, reizt Sie nicht?

Hartwich: Ich weiß nicht, was mich dazu befähigen sollte, das Talent anderer Leute zu beurteilen. Ich bin Moderator, und das ist der Beruf, den ich ganz gerne mag. Aber wenn ich dann in vier Jahren irgendwo in einer Jury sitze, sage ich auch: "Was interessiert mich mein Geschwätz von damals?"

Quelle: teleschau - der mediendienst