Praia do Futuro

Praia do Futuro





Mundfaule Männer auf ihren tollkühnen Kisten

Es soll ja durchaus Kinogänger geben, die auf einen erkennbaren Plot und eine nachvollziehbare Charakterentwicklung bestehen. Jenen sei von dem Melodram "Praia de Futuro" des brasilianischen Installationskünstlers, gelernten Architekten und Filmschaffenden Karim Aïnouz dringend abgeraten. Statt zu den Seelenlandschaften der Protagonisten verschafft der Regisseur und Drehbuchautor dem Zuschauer lediglich Zugang zu dem farbenfroh-verführerischen, aber nicht ungefährlichen "Strand der Zukunft" im brasilianischen Fortaleza und einigen recht tristen Berliner Schauplätzen in der kalten Jahreszeit. Später darf man mit den unzugänglichen Helden, die im Laufe des Films so gut wie nichts über ihren Gefühlszustand oder ihre Motivation verraten, noch auf dem Motorrad zum winterlichen Wattenmeer düsen. Ausgang ungewiss.

Der in drei Kapitel gegliederte Film beginnt, nach einem auffällig langen Vorspann in dem etliche Fördertöpfe der deutsch-brasilianischen Koproduktion aufgelistet werden, am titelgebenden "Praia de Futuro" in Brasilien. Um die farbenfrohe Landschaft dort angemessen einzufangen, entschied sich Aïnouz, diesen Part auf 35mm zu drehen.

Im warmen Fortaleza ist der Rettungsschwimmer Donato (Wagner Moura, bekannt aus "Tropa de Elite") zu Hause, der von seinem zehnjährigen Bruder Ayrton (Savio Ygor Ramos) bewundernd als "Aquaman" bezeichnet wird. Als Donato versucht, den deutschen Touristen Konrad (Clemens Schick) und seinen Freund Heiko (Fred Lima) aus der tückischen Strömung zu retten, versagt er dabei zum ersten Mal in seinem Leben. Während er Konrad wohlbehalten an Land bringt, ertrinkt dessen Gefährte in den Fluten. Bei der Suche nach dem Leichnam des Ertrunkenen kommen sich die beiden Homosexuellen stillschweigend näher.

Was zu Beginn des Films noch recht interessant und verheißungsvoll wirkt, nämlich der Versuch, in nach Meersalz schmeckenden, stillen Bildern von Kameramann Ali Gözkaya von der sich anbahnenden Beziehung zu erzählen, fängt bald an, zermürbend mühevoll zu werde: Ständig muss sich der Zuschauer seinen Reim auf die kaum nachvollziehbare Gefühlslage der Protagonisten machen.

Donato wird Konrad ins kalte Berlin folgen, wo er seine Homosexualität offen leben kann, jedoch mit der Sprachbarriere und den ungemütlichen Temperaturen zu kämpfen hat. Das gemeinsame Leben findet hier mehr in beengend wirkenden Innenräumen statt. Letztlich findet Donato Arbeit als tauchender Putzmann im Salzwasseraquarium Aquadom, während Konrad ein wenig klischeehaft männlich in einer Motorradreperaturwerkstatt arbeitet. Einmal überfällt Donato anscheinend die Sehnsucht nach seiner warmen Heimat, er sitzt bereits in der Straßenbahn zum Flughafen, kehrt aber wieder um. Warum, bleibt absolut im Dunkeln. Wie so vieles in diesem Film.

Quelle: teleschau - der mediendienst