Planet Deutschland - 300 Millionen Jahre

Planet Deutschland - 300 Millionen Jahre





Unterwegs mit Deutschland

Vor lauter Alltag mit seinem Freud und Leid verliert man schon mal das große Ganze aus dem Blick. Als spät entwickelte Spezies in den letzten Sekunden des Evolutionskalenders auf die Welt gekommen, ist uns meist nicht bewusst, dass wir möglicherweise doch keine ganz so eminente Bedeutung haben. Der Dokumentarfilm "Planet Deutschland - 300 Milionen Jahre" zeigt das allein schon an der Reise, die der Flecken Erde, den wir Deutschland nennen, in Äonen über die Erdkugel zurückgelegt hat. Mit beeindruckenden tricktechnischen Mitteln, aber auch etwas unbeholfenem Laienspiel und Neigung zur Beliebigkeit.

Ja, das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland lag nach wissenschaftlicher Erkenntnis in grauer Vorzeit einmal am Äquator. Fossilen exotischer Pflanzen und Insekten im Gestein zeugen noch von dem langen tropischen Aufenthalt. Dank mannigfacher geologischer Verschiebungen, Klimaumbrüche und kosmischer Interferenzen ging's dann zunächst nach Italien, etwa auf die Höhe von Mailand. Da, möchte man nach manchem verregneten Sommer meinen, hätte man doch bleiben können! Nur gab es eben "man" noch nicht - nicht einmal Vögel in den Wäldern.

Doch was noch nicht ist, man weiß es, wird noch. Wie freundlich herbeigebeten von der sonoren Stimme des TV-Moderators ("ttt - titel, thesen, temperamente") Schauspielers ("Männerherzen") und Autors ("Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht") Max Moor, der den Kommentar spricht, beginnen im Film Dinos zu fliegen, zu hüpfen und auch einander zu beißen. Und das nicht nur computeranimiert, denn das Filmteam ließ auch Plastik-Exemplare des Compsognathus durch den Wald stapfen. Nur bei den Amateuren, die Verwandte des ersten Menschen mit ihren merkwürdigen Lauten darzubieten hatten, scheute man ein bisschen die Kosten.

Wir rasen nicht nur auf einer verbeulten Kugel durchs Weltall - wir stehen, über schwindelerregende Zeiträume gesehen, auch hier und jetzt auf schwankendem, ja wanderndem Boden: Dieses erhaben-unheimliche Gefühl zu vermitteln, ist die eigentliche Leistung von "Planet Deutschland - 300 Millionen Jahre". Wobei der Titel wohl nicht ganz zutreffend ist, zeigt der Film doch, dass Deutschland geschobene Scholle statt "Planet" ist.

Jeder Griff ins Erdreich, der einen vorzeitlichen Fund zutage fördert, beweist das. Solche großen archäologischen Momente werden nachgestellt, aber für das Verhältnis zwischen Mensch und Evolution nicht spannend inszeniert. Stattdessen verlieren sich Regisseur Stefan Schneider und sein Team, die von viel wissenschaftlicher Kompetenz unterstützt wurden, in der zweiten Hälfte in etwas orientierungslose Streifzügen durch die Jahreszeiten im "schönen Deutschland". Anregend ist der Film trotzdem.

Quelle: teleschau - der mediendienst