Männerhort

Männerhort





Vertreibung aus dem Paradies

So grundverschieden Programmierer Eroll (Elyas M'Barek), Vertreter Lars (Christoph Maria Herbst) und Pilot Helmut (Detlev Buck) auch sind: Die drei Hauptfiguren der Komödie "Männerhort" eint, dass ihre besseren Hälften die Hosen anhaben. Alle drei bewohnen eine Neubau-Siedlung in der Frankfurter Peripherie und leiden unter ihrem Leben im Schatten der Partner. Die ewigen Einkaufsbummel und endlosen Gespräche wollen kein Ende nehmen, aber das schlimmste Ritual, dem sich die drei unterwerfen müssen, sind die Retouren-Sendungen bei der Post, dem Online-Versandhandel sei Dank.

Unter diesen Herren der Schöpfung, die mit bis unters Kinn gestapelten, bunten Päckchen in der Schlange stehen, entdeckt Pilot Helmut seine beiden offenkundigen Leidensgenossen. Er macht ihnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können: Er offenbart ihnen einen Ort, an den sich keine Frau jemals verirren würde, einen Ort einfachster Schönheit, einen Ort unterhalb der Wahrnehmungsgrenze für jeden Nicht-Eingeweihten: den Keller der zentralen Heizungsanlage der Siedlung. Schnell erschaffen die drei ein kleines Refugium, wo das Bier im Kühlschrank nie ausgeht, sie Chips und Pizza zur Fußball Bundesliga verputzen, Tittenbildchen aufhängen, flippern und am Boxsack trainieren können: einen Männerhort.

Doch der Traum vom kleinen Paradies droht zu platzen, als der eifrige Facility Manager Aykut (Serkan Çetinkaya), der einen kleinen Handwerkertrupp mit harter Hand führt, die drei Freunde entdeckt. Als Zuständiger für das Haus und damit auch den Keller, kann er diese unsachgemäße Nutzung nicht durchgehen lassen! Obwohl er doch eine gewisse Sympathie für den Männerhort verspürt, muss der preußische Türke die Eindringlinge vertreiben. Dumm nur, dass sich ausgerechnet jetzt die Beziehungsprobleme der Freunde zuspitzen.

Die Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks von Kristof Magnusson durch Regisseurin Franziska Meyer Price hat zwar gleich drei Stars und einen Web-Newcomer in den Hauptrollen zu bieten, bleibt aber in zu vielen Momenten zu platt und vorhersehbar. Die an sich interessanten Figuren wirken in den Episoden, die sie entstehen lassen sollen, nicht zu Ende gedacht und inszeniert. Deshalb erschließt sich der Kern der Komödie, der Männerhort, der als Ort die Freundschaft der Herren symbolisiert, nicht wirklich. Es fehlt an einer funktionierenden Chemie zwischen den vier Protagonisten, weil leider auch an mancher Stelle das Spiel der Darsteller nicht recht funktionieren will. So bleibt nicht viel mehr als eine episodische Aneinanderreihung der Szenen, die aber immerhin einige lichte, wirklich komische Momente hervorbringt.

Dem scheinbar ewig jungen Kampf der Geschlechter, diesem Mann versus Frau, fügt dieser "Männerhort" leider nur wenig Neues hinzu. Die Komödie bleibt seicht und verschenkt einiges an vorhandenem Potenzial. Jenes offenbart vor allem Christoph Maria Herbst, dessen triebgesteuerter Dixie-Klo-Vertreter Lars jedem sexuellen Abenteuer entgegenfiebert, aber als fast schon strombergischer Soziopath durchs Leben irrlichtert. Dagegen bleibt den grob umrissenen weiblichen Rollen - besetzt unter anderem mit Cosma Shiva Hagen, Jasmin Schwiers und Lisa Maria Potthoff - nur die Aufgabe als Stichwortgeberinnen. Chips-Kino, dem die Würze oft abgeht.

Quelle: teleschau - der mediendienst