Joachim Fuchsberger

Joachim Fuchsberger





Ein Mensch mit Herz und Haltung

Deutschland trauert um seine letzte große Fernsehlegende. Joachim "Blacky" Fuchsberger ist am Donnerstag im Alter von 87 Jahren zu Hause in München-Grünwald verstorben. Wie seine Frau Gundel (84) am Donnerstag mitteilte, sei ihr Mann in den vergangenen Monaten in mehreren Kliniken behandelt worden und danach wieder nach Hause gekommen. Doch "die Organe haben nicht mehr mitgemacht". Das Paar hätte nach sechs Jahrzehnten Ehe am 2. Dezember Diamantene Hochzeit gefeiert.

"Wenn ich das Zeitliche segne, den Löffel abgebe, ist es vorbei - aus, Schluss, das war's, danke! Wovor sollte ich Angst haben?" - Joachim Fuchsberger sprach im vergangenen Jahr in einem Interview mit der Agentur teleschau sehr offen über seine ganz persönliche Sicht auf das Lebensende. Er habe ihn schließlich schon öfter getroffen, den Tod. Er sei "ein alter Vertrauter. Für mich ist er wie der Boandlkramer aus dem 'Brandner Kaspar' - das macht es leichter. Es ist eine Gaudi", sagte der Star, der 2011 das autobiografische Buch "Altwerden ist nichts für Feiglinge" (erschienen im Gütersloher Verlagshaus) herausbrachte.

Offen und geradeheraus - das war immer Blackys Art. Er habe "nie das Maul gehalten", wenn seine Meinung gefragt war, sagte der Mann, der mit den Edgar-Wallace-Filmen ebenso TV-Geschichte schrieb wie später als Show- und Talkmaster. Er moderierte die Talkshow "Heut' abend", die von 1980 bis 1991 im Ersten lief, und die ARD-Quizshow "Auf Los geht's los". Fuchsberger war Stadionsprecher bei Olympia 1972 in München, 2011 erhielt er den Fernsehpreis für sein Lebenswerk: Seine natürliche Art kam an. Die Deutschen schlossen "Blacky" in ihr Herz, weil er ihnen ehrlich und nahbar erschien. Und weil er so souverän und stets verlässlich war: Als Deutschland zu einer Fernseh-Nation wurde, in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren, war Fuchsberger immer dabei - sowohl als TV-Star, der für Unterhaltung sorgte, als auch als engagierter Mitbürger, der es als prominente Persönlichkeit mit Attitüde stets verstand, die Dinge beim Namen zu nennen.

Er war kein klassischer Intellektueller, sondern einer, der das Herz auf der Zunge trug und seine Meinung sagte. So sei es schon in seiner Jugend gewesen. "Ich kam um das Militär und den Krieg nicht herum, aber ich ging meinen Weg, habe immer gesagt: Ich bin ich! Wenn ich etwas für grundfalsch hielt, machte ich es nicht - wie der Gefreite Asch in meiner ersten großen Filmrolle." In "08/15", einem deutschen Spielfilm aus dem Jahr 1954, hatte Fuchsberger die Gelegenheit, einiges aufzuarbeiten. An der Front hatte er "unvorstellbare Grausamkeiten erlebt, Nahkampf, Stalinorgeln, Bomben, alles", so Fuchsberger. "Aber den Glauben verlor ich erst bei einem Feldgottesdienst an der Ostfront, als die Soldaten für den nächsten Angriff gesegnet wurden und ich mir bewusst machte, dass genau das gleiche auf der anderen Seite auch passiert. Ich dachte mir: Da werden Soldaten sich bekämpfender Armeen von ein und demselben Gott gesegnet, sich abzuschlachten - da stimmt was nicht."

An der Front, erinnerte sich Fuchsberger, hätten viele aus dem Glauben die Kraft gezogen, um durchzuhalten. "Also musste ich mir eine Alternative suchen. Das war die Familie, daran konnte ich glauben. Die Familie habe ich später auch immer über den Beruf gestellt. Wenn ich irgendwo auf der Welt drehte, war immer Bedingung, dass ich die Familie mitnehmen kann - am Amazonas oder im tiefsten Afrika. Wenn das nicht ging, sagte ich ab. Entweder meine Familie geht mit, oder ich bleibe da - der Satz war berühmt."

Das letzte große Thema des bekennenden Agnostikers: der Umgang mit dem Alter. Es werde "isoliert, es wird in Anstalten weggeschoben, aus der Gesellschaft herausgehalten", schimpfte Blacky im teleschau-Interview. Und wenn auch die Stimme brüchig war, seine Worte strotzten noch vor Energie.

In Wolfgang Murnbergers erstaunlich aggressiver Komödienfortsetzung "Die Spätzünder 2 - Der Himmel soll warten", die im Oktober 2013 im Ersten ausgestrahlt wurde, spielte er noch einmal eine große Rolle, ein Auftritt, der gut zu diesen Worten passte. "Die Alten leben im Heim und werden dort übertherapiert, bis hin zum pürierten Essen. Sie fühlen sich wie Kinder, denen man keine eigene Entscheidung mehr zutraut." Er vermisste hierzulande den Respekt, mit dem man in südlichen Ländern den Älteren begegne. "Dort sind die Alten noch Teil der Familien. Aber bei uns reden wir darüber nicht mehr, wenn wir über Familienpolitik reden, da geht es nur noch um Krippenplätze und wie alles finanziert werden soll. Im südlichen Europa passen die Großeltern auf die Kleinen auf, wenn die Eltern nicht zu Hause sein können."

Allzu politisch wollte er im hohen Alter jedoch nicht mehr werden. "Ich bin dabei, die Welt von heute zu beenden, was will ich da mit morgen?", lachte Fuchsberger 2013 in seiner typischen, humorvollen Art. "Meinen noch relativ kurzen Lebensabend lasse ich mir durch solche Dinge nicht verderben. Bange muss denen sein, die in der Position sind, etwas zu ändern. Früher wollte ich über alles mögliche mitdiskutieren, aber in meinem Alter muss ich das nicht mehr machen."

Blacky konzentrierte sich lieber auf sein Zuhause, auf die Ehe mit seiner, wie er es stets sagte, "wunderbaren Frau" Gundel. 2010 musste das Ehepaar Fuchsberger einen harten Schicksalsschlag verkraften: Ihr Sohn Thomas starb mit 53 Jahren bei einem Unfall. Er war in Kulmbach (Oberfranken) aufgrund seiner Diabetes-Erkrankung in einen Bach gestürzt und ertrunken. Blacky baute danach gesundheitlich ab, auch wenn er sich dem Alter gegenüber trotzig zeigte und sich in der Öffentlichkeit zu keinerlei Klagen hinreißen ließ. "Das Allerwichtigste ist, dass man nicht ständig darüber nachdenkt, was man alles nicht mehr kann, sondern lernt, dankbar zu sein, für all das, was man noch kann. Und das muss man dann aktivieren, benutzen und trainieren", sagte er noch im Jahr 2013, das für ihn durch lange Krankenhausaufenthalte, einen zweiten Schlaganfall sowie eine schweren Virusinfektion geprägt war.

Trotz seines gesundheitlichen Zustandes schrieb Fuchsberger sein Buch "Zielgerade", das er seiner Frau widmete, fertig. "Sie hat mich gehalten, wenn ich in letzter Zeit verzweifelt aufgeben wollte." In dem Buch habe er alles aufgeschrieben, was ihn bewegt. Er habe überrascht festgestellt, wie viel "nach fast 90 Jahren noch im Kopf ist". "Zielgerade" erschien am 21. April ebenfalls im Gütersloher Verlagshaus.

Seine Ehe - sie stellte Joachim Fuchsberger immer in den Vordergrund, wenn er über sich und sein Leben sprach. Er habe nur noch eine große Sorge, so Fuchsberger im Herbst 2013: "Wer verlässt in unserer wunderbaren, fast 60-jährigen Ehe wen zuerst? Alleine zurückzubleiben, wenn der andere gegangen ist - das ist die Angst, die uns beide sehr beschäftigt. Sie ist kaum auszuhalten. Manchmal stelle ich mir vor, wir zwei sitzen auf der Bank wie Philemon und Baucis und warten auf den Tod." Er wünsche sich nur noch eines. "Dass wir Hand in Hand den letzten Atemzug tun dürften - das wäre schön." Worte, die direkt aus dem Herzen kamen. Mit Joachim Fuchsberger starb ein Mann mit Haltung und Charakter, dem das Wort "Star" ebenso wenig gefiel wie so manche Entwicklung in der heutigen Gesellschaft.

Quelle: teleschau - der mediendienst