Hans Clarin

Hans Clarin





Der Mann, der Pumuckl seine Stimme gab

Ein krächzendes "Hurra, hurra" läutete jahrzehntelang die Abenteuer des kleinen Kobolds Pumuckl ein. Die Stimme machte unheimlich viel des Charmes aus, der den lustigen Frechdachs auszeichnete. Hans Clarin sprach den Klabauter-Nachfahren sowohl bei den Hörspielen als auch in der späteren Serie und den nachfolgenden Filmen und Sendungen. Einzig der letzte Kinofilm "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" (2003) bildet eine Ausnahme - der Schauspieler konnte den stimmbandbelastenden Part nicht mehr übernehmen, dafür war er aber als Meister Eders Verwandter Ferdinand zu sehen. Bis kurz vor seinem Tod übernahm Hans Clarin Fernseh- und Kinorollen. Am 14. September hätte der im August 2005 verstorbene Schauspieler seinen 85. Geburtstag gefeiert.

Beinahe als unfair möchte man die Tatsache bezeichnen, dass der in Wilhelmshaven geborene Künstler hauptsächlich durch seine krächzende Koboldstimme so richtig berühmt wurde. Dabei übernahm Hans Clarin in seiner mehr als 50 Jahre langen Karriere um die 100 TV- und Kinoparts.

Sein Leinwanddebüt gab Clarin, der als Sohn eines Marinesoldaten in Frankfurt am Main aufwuchs, 1952 in "Zwerg Nase". 1962 ging der Schauspieler dann eine Beziehung ein, die ihn über 40 Jahre - länger als seine drei Ehen - begleiten sollte. Er sprach zum ersten Mal für ein Radiohörspiel die Rolle des Pumuckls. An den verschiedenen Inkarnationen, die dann folgten - zwei Fernsehserien, eine neue Hörspielreihe, die Sendung "Pumuckl TV" und drei Spielfilme - , war er stets als Sprecher oder Schauspieler beteiligt.

Der Schauspieler sagte einmal im Interview über den Kobold, der lange Zeit nur im Radioformat zu hören war und erst seit 1981 auch sichtbar über die Fernsehschirme und Kino-Leinwände geisterte: "Das Beste an der Rolle ist, dass ich sie 28 Jahre spielen konnte, ohne dass sich mein Gesicht oder meine normale Stimme durch solche Inflation abgenutzt hätte. Außerdem spiele ich fast lieber für Kinder als für Erwachsene. Kinder sind ernsthaftere Zuhörer oder Zuschauer. Sie haben eine ganz natürliche Kritik, eine ganz natürliche Distanz und ein ganz natürliches Sichhingezogenfühlen. Deshalb erfährt man von Kindern treffende Urteile."

Hans Clarin deckte im Laufe seiner Karriere jedoch ein breites Spektrum an Rollen ab. Er wirkte in Edgar-Wallace-Filmen ("Das indische Tuch", 1963) ebenso mit wie in leichten Komödien ("Pepe, der Paukerschreck", 1969). Hin und wieder zeigte er sich auch von seiner ernsten Seite und trat in Dramen wie "Der Spatzenmörder" (1988) auf. Dennoch zogen ihn hauptsächlich die humorvollen Parts an. So lieferte er sich in der Serie "Peter und Paul" (1993 bis 1994) mit Helmut Fischer unterhaltsame Duelle. Für die "Hochwürden"-Reihe der ARD schlüpfte Clarin in die Rolle des patenten Geistlichen, der sich gerne in höchst weltliche Geschäfte einmischt.

Kurz vor seinem Tod übernahm Hans Clarin, der sein Leben lang gerne Unterhaltung für Kinder machte, einen Part in dem Kinofilm "Hui Buh, das Schlossgespenst" (2005), dessen Stimme er schon in den 60er-Jahren für die Hörspielaufnahmen sprach. Am 28. August 2005 verstarb der damals 75-Jährige in seiner Wahlheimat Aschau im Chiemgau an akutem Herzversagen.

Heimatkanal und GoldStar TV (beide exklusiv auf Sky) gedenken dem unvergessenen Schauspieler von 10. bis 14. September mit einem großen Sonderprogramm. Höhepunkt ist am Sonntag, 14. September, um 21.55 Uhr, die eigens neu zusammengestellte, 115-minütige Episode "Weiß-blaue Geschichten - Spezial: Hans Clarin" auf dem Heimatkanal.

GoldStar TV zeigt ein bewegendes Interview mit Hans Clarins Witwe, Christa Maria Gräfin von Hardenberg, und seiner Tochter Anna ("Alles Liebe V.I.P.: Christa und Anna Clarin" am Mittwoch, 10. September, 23.00 Uhr). Christa Maria Gräfin von Hardenberg erinnert sich in dem Gespräch an die letzte Zeit im Leben ihres Mannes: "Er hatte überhaupt keine Angst vor dem Sterben. Er war gut vorbereitet, und er hat auch gesagt: Ich habe so viel Glück in meinem Leben gehabt und alles mitbekommen, das Schöne und Gute. Er hat sich selbst immer als Hans im Glück betitelt."

Quelle: teleschau - der mediendienst