Walking On Sunshine

Walking On Sunshine





And I feel good?

Bei "Mamma Mia!" sah das alles so einfach aus: eine traumhafte, sommerliche Kulisse, Songs, die jeder mitsingen kann, ein charmant überdrehtes Ensemble - fertig war der perfekte Gute-Laune-Sommerfilm. Mit dem gleichen Konzept, mit dem Regisseurin Phyllida Lloyd 2008 die Herzen der Zuschauer(innen) eroberte, versuchen nun die "Streetdance"-Macher Max Giwa und Dania Pasquini ihr Glück. Gut, die Darsteller mögen nicht so prominent sein wie damals Meryl Streep und Co. und statt Abba-Songs werden nun eben 80er-Jahre-Hits geträllert. Aber sonst ist das doch alles genauso nett. Oder?

Drei Jahre ist es her, dass Taylor (Hannah Arterton) schweren Herzens ihren Urlaubsflirt Raf (Giulio Berruti) im italienischen Sand zurückließ, um zu Hause in England mit dem Studium zu beginnen. Umso mehr freut sie sich nun darauf, ihre quirlige Schwester Maddie (Annabel Scholey) zu besuchen, die ihren Urlaub just in dem Örtchen in Apulien verbringt, in dem sie einst so glücklich war. Vielleicht lässt sich das Feuer von einst ja neu entfachen?

Doch erst einmal hat das Schwesterherz große Neuigkeiten zu verkünden, gleich nach spontanen Darbietung von Bananaramas "Venus" inklusive Aperol Spritz, Rosenblattregen und Wasserballetteinlage: Sie wird in zwei Tagen heiraten, und zwar einen Einheimischen, den sie vor fünf Wochen kennenlernte ... Raf, wie Taylor kurz darauf zu ihrem Entsetzen feststellen muss.

Viel Mühe geben sich Bräutigam und Trauzeugin fortan, um ihre gemeinsame Vergangenheit zum Wohle der Braut geheim zu halten - mehr Mühe zumindest als sich Joshua St Johnston mit seinem ersten Kinodrehbuch gab: Sind sie nicht gerade mit Singen und Tanzen beschäftigt, dürfen sich die weiblichen Figuren ausschließlich über Männer unterhalten, die Hauptaufgabe der männlichen Figuren besteht hingegen darin, Gesprächsthema für die Damen zu sein. Und hin und wieder die Dialoge zu vervollständigen, die auch aus einer schlechteren Daily Soap entliehen sein könnten. Gute Laune kommt da beim Zuschauen eher selten auf.

Aber dafür sollen ja auch vorrangig die 80er-Jahre-Hits sorgen, auf die die einzelnen, manchmal eher dürftig verknüpften Szenen zwangsläufig hinauslaufen. Von Madonnas "Holiday" über Cyndi Laupers "Girls Just Want To Have Fun" bis zum Titeltrack von Katrina and the Waves sind alle Songs dabei, die auf einer Retroparty genauso wenig fehlen dürfen wie Stirnbänder und Karottenhosen. Als alte Tanzfilm-Hasen sind Max Giwa und Dania Pasquini um poppige, knallbunt bebilderte Choreografien natürlich nicht verlegen. Doch eine Frage muss sich das Regieduo wohl oder übel gefallen lassen: Wenn man für eine Musical-Komödie schon nicht auf Topstars wie Meryl Streep, Pierce Brosnan und Colin Firth zurückgreifen kann, warum engagiert man dann nicht gleich Darsteller, die richtig singen können?

So hübsch anzusehen Gemma Artertons Schwester Hannah, Theaterdarstellerin Annabel Scholey und der italienische Schönling Giulio Berruti auch sein mögen, mehr als passabel ist ihr Gesang nicht. Für etwas Star- und Stimmpower sollte wohl die britischen R&B-Sängerin Leona Lewis sorgen. Doch die darf im Film erstaunlicherweise noch weniger singen als sagen.

Trotz allem kann man natürlich versuchen, mit "Walking On Sunshine" das herbstliche Wetter draußen für eineinhalb Stunden zu vergessen. Das Geld für die Kinokarte ließe sich allerdings auch nachhaltiger in eine 80er-Pop-Kompilation und eine Fototapete von Apulien investieren.

Quelle: teleschau - der mediendienst