Der 7bte Zwerg

Der 7bte Zwerg





Im Dämmerschlaf der bösen Eisfee

Otto ist zurück. Nach "7 Zwerge - Männer allein im Wald" (2004) - mit fast sieben Millionen Zuschauern immerhin einer der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten - und einer ersten Fortsetzung folgt jetzt der wohl unvermeidliche dritte Teil: "Der 7bte Zwerg". Doch anstelle von Otto Waalkes, Ralf Schmitz, Martin "Maddin" Schneider und den anderen obskuren Gestalten aus der Parallelwelt der TV-Comedy tummeln sich nun deren computeranimierte Alter Egos im kunterbunten Märchenland. Herausgekommen sind dabei niedlich animierte Figuren wie aus einem Buch für Kleinkinder, mit süßen Zipfelmützen und Manga-großen Augen, unterlegt mit den putzig-enervierenden Stimmen ihrer Realvorbilder.

Es herrscht Aufregung im Königreich Fantabularasa, denn der 18. Geburtstag der schönen Prinzessin Rose steht unmittelbar bevor. Vor Jahren hatte die böse Eisfee Dellamorta (gesprochen von Nina Hagen) Rose mit einem Fluch belegt: Sollte sie sich vor Erreichen ihrer Volljährigkeit an einem Dorn stechen, dann würde das ganze Königreich in einen 100-jährigen Schlaf verfallen.

Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Mitten in den Trubel der Geburtstagsparty platzt die alte Spielverderberin Dellamorta, Rose wird gestochen, und die versammelten Partygäste fallen in einen tiefen Schlaf. Nur die sieben Zwerge können entkommen und machen sich auf die gefährliche Suche nach Jack, dem Geliebten von Rose, denn nur er kann mit seinem Kuss den Fluch brechen.

Douglas Welbat, auch schon Produzent der ersten beiden Zwerge-Filme, wollte mit "Der 7bte Zwerg" die Abenteuer von Zwerg Bubi und Co. "einem internationalen Publikum schmackhaft" machen, wie er sagt. Und so verwundert es nicht, dass "Der 7bte Zwerg" sich geradezu zwanghaft an internationalen Erfolgen orientiert. Doch während Filme wie "Shrek" mit einem ursympathischen Helden auftrumpfen konnten, nervt Bubi, der infantile Otto-Charakter, noch mehr als sein lebendes Vorbild es jemals tat. Da hilft es auch nichts, dass "Der 7bte Zwerg" Erfolgsrezepte aus "Shrek" - wie die wunderbar Melange aus den verschiedensten Märchenvorlagen - nachzuahmen versucht: Der ganze Film will einfach nicht zünden. Das liegt vor allem daran, dass sich die Macher offenbar nicht sicher waren, für wen dieser Film überhaupt gedacht ist, wer dieses "internationale Publikum" ist, das da angesprochen werden soll.

Sind es die archetypischen RTL-Zuschauer, die noch herzlich über die Anzüglichkeiten der ersten beiden Teile lachen konnten (und die man wohl weltweit vorfindet), oder richten sich die Animations-Zwerge jetzt ausschließlich an Kinder, wird "Der 7bte Zwerg" doch als Familienfilm angepriesen? Die kaum vorhandene Handlung spricht gegen beide Thesen, langweilen sich doch beide vermeintlichen Zielgruppen wohl gleichermaßen vor der fast schon dreisten Simplizität dessen, was da auf der Leinwand geschieht. Und der Humor? Leider sind echte Witze in "Der 7bte Zwerg" so rar wie Berge in Ostfriesland - und die ewig gleiche doof-treue Tapsigkeit eines computeranimierten Otto Waalkes rettet nun einmal auch keinen abendfüllenden Film.

Die obszönen Witzchen der ersten Teile wurden ganz aus dem Skript gestrichen - und ersetzt durch eine gähnende Leere. Kindgerechter ist das nicht, denn auch und vor allem gerade Kinder wollen unterhalten werden. Doch leider versetzt "Der 7bte Zwerg" sein Publikum nur in einen komatösen Dämmerschlaf, immerhin nicht für 100 Jahre, aber doch für fast 100 Minuten. Und auch diese können unglaublich lang werden - die böse Eisfee Dellamorta hätte es nicht besser gekonnt.

Quelle: teleschau - der mediendienst