Max Hegewald

Max Hegewald





Ein Glücksfall für die Filmbranche

Von so einem Karrierestart träumen viele: 14 Jahre alt war Max Hegewald, als er mit dem Theaterspielen begann. Sieben Jahre später bekam der junge Berliner mit der Goldenen Kamera 2011 einen der wichtigsten deutschen Fernsehpreise, und für seine Verkörperung des verstörten Waisenkindes Arne im Fernsehfilm "Arnes Nachlass" wurde er 2014 mit dem "Günter Strack Fernsehpreis" geehrt. Ruhig und souverän spielt Max Hegewald seine psychologisch meist äußerst anspruchsvollen Rollen. Auf den heranwachsenden Melancholiker, der nicht so richtig aus seiner Haut kann und unter den Untiefen seines sozialen Umfelds leidet, scheint der 23-Jährige gebucht zu sein. Einen verloren gegangenen Sohn, der sich seinem Vater nach Jahren der Funkstille zaghaft wieder annähert, spielt er in der ZDF-Produktion "Wenn es am schönsten ist" (Montag, 15.09., 20.15 Uhr, ZDF) - mit niemand geringerem an seiner Seite als Heino Ferch (51), der die schwächelnde Vaterfigur gibt.

"Ich hatte einfach wahnsinniges Glück." Eine andere Erklärung, als zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen und von "korrekten, ehrlichen Leuten" beraten gewesen zu sein, fällt Max Hegewald für seine steile Schauspielkarriere nicht ein. Und ein Glücksfall für die deutsche Filmszene ist der gebürtige Berliner im wahrsten Sinne des Wortes, denn er kam im zarten Alter von 14 Jahren mehr zufällig zum Theater, wie er im Interview verrät. "In die Proben bin ich nur gegangen, weil ich in ein Mädchen verliebt war, das da mitgespielt hat." Mit dem Mädel wurde es letztendlich nichts, dafür aber umso mehr mit der Schauspielerei. "Eigentlich war ich ja zu schüchtern, aber ich hab schnell gemerkt, dass ich beim Theaterspielen aufgehen kann, dass das voll mein Ding ist."

"Voll sein Ding" seien vor allem Rollen, an denen er sich reiben kann. "Meiner Meinung nach sind solche Rollen das Reizvolle an der Arbeit als Schauspieler", erklärt er und fügt hinzu: "Ich fand es von Anfang an faszinierend, jemand anderes sein zu können und Facetten an mir zu entdecken und auszuleben, die mir sonst gar nicht bewusst geworden wären". Ein Problem hat der 23-Jährige deswegen auch nicht mit der Tatsache, besonders für melancholische Parts besetzt zu werden, obwohl er, wie im Kinostreifen "Vatertage" (2012), auch Komödien spielt.

Hegewalds Fernsehkarriere begann 2008 an der Seite von Iris Berben in der Kriminalreihe "Rosa Roth", ein Jahr später spielte er im Teenager-Drama "Keine Angst" die Hauptrolle des "Bente" neben Michelle Barthel. Ob im Fernsehfilm "Der Mauerschütze" (2010) mit Benno Fürmann, für den er mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde, im Drama "Arnes Nachlass" (2012) oder der Romanverfilmung "Scherbenpark" (2013) - immer verkörpert Hegewald innerlich zerrissene Charaktere. Die Hoffnungslosigkeit ihres jungen Daseins offenbart sich meist schonungslos an den zerrütteten sozialen Verhältnissen, in denen sie aufwachsen. Familienidylle? - Fehlanzeige. Und auch Happy Ends sind Mangelware.

Neben Größen der deutschen Schauspielzunft vor der Kamera zu stehen, ist nichts Neues für Hegewald. Den Fernsehfilm "Wenn es am schönsten ist" drehte das Nachwuchstalent mit Heino Ferch ("Der Wagner-Clan"). Hegewald spielt wieder einen verstörten Teenager, der unter dem Scheidungskampf seiner Eltern leidet und nach Jahren der Trennung versucht, wieder ein Verhältnis zu seinem krebskranken Vater aufzubauen. Die Ruhe und Professionalität, die erfahrene Schauspieler wie Ferch am Set ausstrahlen, wirken sich auf Hegewald, der sich selbst als hibbelig bezeichnet, beim Dreh nach eigener Aussage positiv aus. Konkrete Vorbilder, denen er nacheifere, habe er allerdings keine. Vielmehr vertraue er beim Schauspielern ganz auf sein "inneres Kind". Das einzige, was er sich von anderen abschaue, seien "weitere Spielräume und Freiräume, die man noch nicht genutzt hat".

Seine Spielräume nutzt der 23-Jährige tatsächlich äußerst erfolgreich. In Potsdam studiert er gegenwärtig Drehbuchschreiben, und mit den Coming-of-Age-Werken "Goldfische fliegen nicht" (2010) und "Die Angsthasen" (2011) hat er auch schon eigene Drehbuchideen und Regieprojekte rund um das Erwachsenwerden verwirklicht. Ein Thema, das ihn besonders reizt: "Erwachsenwerden ist wahnsinnig faszinierend. Viele Leute werden nie erwachsen, viele sind zu früh erwachsen geworden, und manche brauchen ihr ganzes Leben lang. Ich bin in der Pubertät, und ich glaube, ich werde auch nie rauskommen." Aber das mache nichts, sagt er lachend, schließlich sei er ja ein Coming-of-Age-Fan.

Momentan befindet sich Hegewald zu Theaterproben für das Stück "Fünf Freunde" (AT) in Brandenburg nahe der polnischen Grenze. Drei Fernsehfilme hat er dieses Jahr bereits abgedreht, der Dreh für den Kriminalfilm "Mordkommission Istanbul" mit Erol Sander in der Hauptrolle steht für September an. Und für nächstes Jahr hofft der Berliner, wieder mehr Kinofilme machen zu können. Aufregende Zeiten für den sympathisch-bodenständigen Schauspieler.

Zukunftsängste muss Max Hegewald bei seinem vollen Terminplan zumindest nicht haben. Aber der Sohn zweier freiberuflicher Künstler nimmt die vielzitierte Krise der Filmbranche und die damit verbundenen Gefahren ohnehin gelassen. "Ich habe eher Angst davor, diesen Job nicht mehr machen zu können als an sich davor, keine Arbeit zu haben", sagt er überzeugt und fügt hinzu: "Ich möchte einfach schauspielern und in meinen Drehbüchern frei meine Geschichten erzählen können, das wäre mein Traum. Ich werde einfach weitermachen - egal was kommt."

Quelle: teleschau - der mediendienst