Gottfried John

Gottfried John





"Einer der profiliertesten deutschen Schauspieler"

Die Filmbranche trauert um eines der markantesten Gesichter des neuen deutschen Kinos. Der Schauspieler Gottfried John ist am Montag im Alter von 72 Jahren verstorben. Er erlag den Folgen seines langjährigen Krebsleidens, hieß es in einer Mitteilung des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Die erst am Dienstagabend verbreitete Nachricht vom Tod Johns löste vielfach tiefe Bestürzung aus. "Wir werden Gottfried John in Erinnerung behalten als einen großen Charakterdarsteller - und als einen ebenso bescheidenen wie warmherzigen Menschen", erklärte etwa WDR-Intendant Tom Buhrow. Mit Betroffenheit habe er vom Tod Gottfried Johns erfahren. "Seine Zusammenarbeit mit dem WDR war sowohl für Film und Fernsehen als auch für das Radio fruchtbar und erfolgreich. Unvergessen bleibt seine wunderbare Darstellung in Fassbinders 'Berlin Alexanderplatz."

Doch Gottfried John steht bei Weitem nicht nur für die Aufbruchzeit der Fassbinder-Jahre. Man könnte so viele weitere Rollen aufzählen, mit denen John, der die 70er- und 80er-Jahre mitprägte und in den 90-ern gar zu Weltruhm kam, für immer im Gedächtnis bleiben wird. Im James-Bond-Film "Goldeneye" (1995) war Gottfried John der Widersacher des von Pierce Brosnan verkörperten Helden, in der Asterix-Verfilmung "Asterix & Obelix gegen Cäsar" gab der Mann mit der mächtigen Nase eine der eindringlichsten Cäsar-Interpretationen aller Zeiten - im Jahr 2000 wurde er dafür als bester Nebendarsteller mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Zuletzt trat John in "Rubinrot" (2013) und "Saphirblau" (2014), den Kino-Verfilmungen nach Kerstin Gier, auf. Eine Vita, die vor allem eines belegt: dass Gottfried John sich nie wirklich festlegen ließ.

Zwar spielte er überwiegend die Rolle des Bösewichts, aber diese Figuren waren weit von der Eindimensionalität entfernt. "Ich habe den Vorteil, dass ich an diese Schwarz-Weiß-Moral nicht glaube. Wenn ich einen Verbrecher oder Mörder spiele, dann fördere ich die Eigenschaften in mir zutage, die jeder Mensch in sich hat. Dann lebe ich diese Figur und versuche ihr viele Gesichter zu geben, die verschiedenen Facetten der Persönlichkeit und ihre Beweggründe herauszuarbeiten", erklärte der in der Öffentlichkeit weitgehend wortkarge Charakterdarsteller einst in einem Interview. "Klischees haben mich schon immer genervt - in der Schauspielerei, wie im richtigen Leben. Sie verkleistern den Blick und verhindern eine vielseitige Betrachtungsweise der Dinge."

Auch wenn er ob seines eigenwilligen Gesichts und der spröden Ausstrahlung häufig als Bösewicht besetzt wurde, ließ John sich von gängigen Klischees niemals blenden. Der Darsteller mit dem struppigen, grauen Haar und der gebrochenen Nase wurde selbst oft genug in eine Schublade gesteckt und bereits während seiner Kindheit im Erziehungsheim als "schwerer Fall" abgestempelt. Doch an diese Zeit dachte der einstige Kettenraucher Gottfried John nicht so gern zurück. "Ich richte meinen Blick lieber in die Zukunft und konzentriere mich auf das, was kommt", erklärte er auf Nachfrage lächelnd.

Auch WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke würdigte am Dienstag Gottfried John: Mit ihm sei "einer der profiliertesten deutschen Schauspieler gestorben. Wie kein anderer wird er mit der Ära des neuen deutschen Films und der Fassbinder-Zeit verbunden. Der WDR verdankt ihm viel, und wir verlieren einen großartigen Menschen und einen Freund." John starb zu Hause am Ammersee, wo er nach langen Jahren in Belgien seit 2008 mit seiner Frau lebte.

Quelle: teleschau - der mediendienst