Heli

Heli





Überall Gewalt

"Jetzt lernst Du Gott im Land der Verdammten kennen", sagt ein Polizist beiläufig zu einem Mädchen. Estela ist zwölf Jahre alt, sie wird gerade mit ihrem Bruder und ihrem Freund entführt. Von der Polizei. Die Jungs werden in einer Art Folterkammer abgeliefert. Das Mädchen bleibt im Auto. Man weiß genau, was mit ihr passiert, auch wenn es Amat Escalante in seinem bemerkenswerten Film "Heli" nicht zeigt. Der Filmemacher steuert seine wütende Betrachtung des mexikanischen Alltags zwischen brutalen Drogenkartellen und Polizei-Korruption vom ersten Bild in die Unausweichlichkeit. "Heli" ist konsequent, sperrig, aber leider auch geprägt von einem bisweilen allzu manierierten Gestaltungswillen.

Amat Escalante nimmt es bewusst in Kauf, das Publikum zu verstören. Selten hat man so viel Brutalität, so viel Unmenschlichkeit im Kino erlebt. Tod und Gewalt, Verrohung und Sitttenlosigkeit sind Alltag in Mexikos Provinz, den Escalante durch die Augen seines Titelhelden betrachtet: Heli, ein Jugendlicher mit Milchbubigesicht, lebt mit Frau und Baby, mit Vater und Schwester in einem kleinen Haus.

Als sich Estela mit dem Polizeischüler Beto einlässt, wird die Familie in den Drogenkrieg gezogen, der das Land fest im Griff hat. Beto hat sich ein paar Pakete Kokain beiseite geschafft, Heli hat sie vernichtet, um seine Familie zu schützen. Ein Versuch der misslingt - und zu Folter, Vergewaltigung und Tod führt.

Amat Escalante zeigt ein Leben, das keines ist - mit reduzierten, seltsam distanziert wirkenden Bildern. Seine Einstellungen sind manchmal kunstvoll, oft aber verkopft und überfrachtet mit Symbolik. Das Unbehagen, das sich mit der ersten Szene einstellt, weicht irgendwann einer gewissen Ratlosigkeit ob des fehlenden erzählerischen Zusammenhangs.

Dennoch: "Heli" ist ein Film, der im Kopf bleibt. Weil er die Verrohung einer Gesellschaft zeigt, in der sich die Gewalt als Alleinlösung etabliert hat. Der Drill dafür fängt im Kindesalter an. In der eindrücklichsten Szenen werden Heli und Beto brutal gefoltert - von Jugendlichen und Kindern, die nebenbei Playstation spielen. Einer fragt, was die Opfer eigentlich getan hätten. "Keine Ahnung", sagt ein anderer. Wenig später baumelt eine Leiche von einer Straßenbrücke.

Quelle: teleschau - der mediendienst