Wenn ich bleibe

Wenn ich bleibe





Die Liebe als Maß aller Dinge

Wenn der Spruch von den Gegensätzen, die sich anziehen, jemals auf ein Liebespaar gepasst hat, dann wohl auf Mia (Chloë Grace Moretz) und Adam (Jamie Blackley). Hall ist der Prototyp einer Vorzeigeschülerin, fleißig und brav. Anstatt mit ihren Freunden abzuhängen, verbringt sie ihre Nachmittage lieber alleine mit ihrem Cello. Der wenige Jahre ältere Adam hingegen ist Sänger in einer Punkrockband und ist unbekümmert, wo Hall sich stets sorgt. Er hat als Kind die Ramones gehört, sie Ludwig van Beethoven. Dass die beiden zusammenfinden, scheint eigentlich ausgeschlossen, in "Wenn ich bleibe" tun sie es aber doch.

An einem Wintertag aber zerbrechen Leben und Liebe. Mia fährt mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder auf Verwandtenbesuch. Es schneit, die Straßen sind glatt: Nur Mia überlebt den schweren Unfall. Während sie im Koma liegt, angeschlossen an allerlei medizinische Geräte, verlässt Mia ihren Körper und beobachtet nicht nur ihren eigenen Überlebenskampf, sondern blickt auch zurück auf die vergangenen Wochen und Monate und erzählt uns von ihrer Liebe zu Adam.

Der wird von Mia Familie mit offenen Armen willkommen geheißen, nur Mia selbst ist sich nie so sicher, auf wen sie sich da eigentlich eingelassen hat. Ein Mauerblümchen und ein Rockstar in spe - was, so fragt sie sich, findet er nur an mir? Einmal, auf einer Halloween-Party, verkleidet sie sich als Punkikone Debbie Harry, um ihm besser zu gefallen, so unsicher ist sie sich. Dem Zuschauer bleibt das Geheimnis dieser Liebe dabei stets so unerklärlich wie Mia selber.

Als sie dann im Koma liegt, tritt eine Krankenschwester zu Mia an Bett und sagt ihr, es liege nun an ihr, zu entscheiden, ob sie weiter leben wolle oder nicht. Was, wenn ich bleibe, obwohl meine Eltern und mein Bruder gestorben sind? Wofür lohnt es sich, zu leben?

"Wenn ich bleibe" will aus der Gegenüberstellung einer Jugendliebe und dem Drama um den Tod der Familie seine Spannung beziehen, ein Unterfangen, das dem Film nicht gelingt. An Weltschmerz leidende, einsam im Kinderzimmer musizierende Jugendliche mag das vielleicht berühren. Wer aber ein Fünkchen Lebenserfahrung hat, kann nur milde schmunzeln über diese aufgeblasene Romanze, die hier eine Teenie-Liebe zum Maß aller Dinge macht.

Chloë Grace Moretz ("Kick-Ass", "Carrie") spielt gewohnt souverän, scheitert aber am Charakter von Mia, die nie zu einer wirklichen Sympathieträgerin wird. Die Sympathien des Zuschauers gelten vielmehr Adam, auch wenn er zu glatt und einseitig dargestellt wird - richtiger Punk sieht anders aus! Zu allem Überfluss geling es Regisseur R.J. Cutler nicht, die Stellen der Romanvorlage von Gayle Forman, die laut "Kitsch!" schreien, zu umfahren. Im Gegenteil: Er steuert sie sehenden Auges an, bis er den ganzen Film in einer klebrigen Soße aus Rührung und christlicher Licht-am-Ende-des-Tunnels-Symbolik ertränkt hat.

Quelle: teleschau - der mediendienst