Claudia Michelsen

Claudia Michelsen





"Es wird neue Träume geben ..."

Klar gibt es das ab und an: diesen Wunsch, einfach von heute auf morgen auszusteigen. Die Welt umsegeln zu wollen. "Aber wenn auch nicht viel wirklich Verrücktes dabei war - ich habe schon viel erlebt", lächelt Claudia Michelsen und meint damit sicher auch die Zeit, als sie Deutschland verließ, um mit ihrem damaligen Partner, dem Regisseur Josef Ruznak, in Los Angeles ein neues Leben anzufangen. Auch wenn die Beziehung nicht hielt, die heute 44-Jährige, die damals gerade mal 26 war, schwärmt noch immer von dieser Stadt, von diesen Jahren. Seit Anfang des Jahrtausends ist sie nun zurück und lebt heute in Berlin. Claudia Michelsen gehört zu den gefragtesten Darstellern des Landes. Vor allem, wenn es um die wirklich schwierigen Rollen geht. Um Frauen, für die das Leben eine besondere Prüfung bereithält.

Sie antwortet kontrolliert, aber nicht wortkarg. Klar ist: Claudia Michelsen schätzt ein natürliche Distanz zur Presse. "Wenn du die Türe einmal aufmachst, kriegst du sie nicht wieder zu", sagt sie und meint ihr Privatleben, das sie verborgen hält vor der Öffentlichkeit. Nur 2013, als die Beziehung zu dem Schauspieler Anatole Taubman in die Brüche ging, mit dem sie ihre zweite Tochter bekam, musste sie einmal Privates öffentlich machen. Die Frage, ob inzwischen ein neuer Mann an ihrer Seite ist, lässt sie unkommentiert. Indes genießt sie die Zeit als Mutter. "Das ist mein Geschenk."

Drei bis fünf Filme dreht die gebürtige Dresdnerin im Jahr, die meisten davon ernsthafte TV-Dramen wie "12 heißt: ich liebe dich" (2008), "Der Turm" (2012) oder "Sprinter - Haltlos in die Nacht" (2012). Viele davon wurden mit Preisen belohnt. Um so glücklicher war sie nun, als wieder einmal das Angebot für eine gute Komödie kam. In "Seitensprung" (Fr., 19.09., 20.15 Uhr, ARD) spielt sie eine Marketingspezialistin, die von ihrem Mann folgenreich (die Nachbarin ist schwanger) betrogen wurde und einen ungewöhnlichen Plan entwirft, wie die Familie diese Herausforderung bewältigen könnte. Nach vielen ernsten Rollen mal wieder etwas Leichteres. Vor allem aber nennt sie die neue Herausforderung als "Polizeiruf 110"-Ermittlerin als willkommene Abwechslung in ihrem Schauspielerleben.

Zwei Krimis mit ihr als Hauptkommissarin Doreen Brasch wurden bisher gezeigt, ein dritter Fall (Arbeitstitel: "Eine mörderische Idee") ist abgedreht. "Wir müssen uns noch finden", sagt sie durchaus selbstkritisch. Aber die Freude, diese Rolle angeboten bekommen zu haben, ist ihr anzumerken. Zum einen, weil sie mit Sylvester Groth einen Partner an ihrer Seite hat, den sie besonders schätzt. Zum anderen aber auch, weil es eben der "Polizeiruf" ist und nicht die andere, die größere Reihe. "Es ist tatsächlich wie eine kleine Familie", lächelt sie. Sie zählt einige Ermittler auf: "Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau, Matthias Brandt, Maria Simon - wenn ich darüber nachdenke, sind wir sogar eine ziemlich coole Familie." Und, das verschweigt sie nicht: Ein regelmäßiges Engagement wie dieses gibt auch einer gefragten Schauspielerin wie ihr eine "Portion Sicherheit".

Dabei besteht derzeit kein Mangel an Angeboten. Erste Regel: "Ich will mich nicht wiederholen." Darüber hinaus biete das deutsche Fernsehen aber eine Vielzahl von grandiosen Rollen. Gerade auch für Frauen um die 40, was früher anders war. "Und auch für dunkelhaarige Frauen, was früher auch anders war", ergänzt Claudia Michelsen lachend und erinnert sich zurück an eine Zeit, als junge Frauen im Fernsehen "entweder blond waren oder Barbara Auer hießen". "Ich bin sicher kein TV-Junkie, aber ich merke sehr wohl, dass das Fernsehen derzeit unglaublich viele tolle Möglichkeiten für mich bietet. Wir sind in Deutschland auf einem hohen Level", sagt sie.

Nur mit echten Serien hat die Schauspielerin nicht immer gute Erfahrungen gemacht. 2005 gab es "Das Kanzleramt", der forsche Versuch des ZDF, eine Serie im Umfeld der Regierung anzusiedeln. "Leider fehlte damals der Mut, das fortzuführen", erinnert sie sich. Besser lief es mit der ZDF-Serie "Flemming", für die sie von 2009 bis 2012 an der Seite von Samuel Finzi vor der Kamera stand.

Dass die ganz großen Serien fehlen, mag ein Grund dafür sein, dass Claudia Michelsen bis heute noch recht unerkannt durch die Straßen gehen kann. "Klar bleiben die Menschen immer mal wieder an meinem Gesicht hängen, aber das war es dann auch." Sie habe aber, sagt sie, ganz bewusst nichts dafür getan, über ihre Arbeit hinaus im Mittelpunkt des Interesses der Öffentlichkeit zu stehen. Kaum Talkshows, keine Stippvisiten bei Promi-Quizsendungen oder Ähnlichem, die die Popularität steigern. "Es ist gut so, wie es ist", sagt sie und genießt diese besondere Form des Daseins als beinah schon anonymer Star.

Mit "In der Falle" hat Claudia Michelsen zuletzt wieder einmal einen besonderen TV-Film abgedreht, der in diesem Sommer beim Münchner Filmfest Premiere hatte. Regisseurin und Autorin Nina Grosse schuf ihr die dankbare Rolle einer beruflich erfolgreichen Frau, die sich auf ein amouröses Abenteuer einlässt und danach mit expliziten Fotos erpresst wird. Midlife-Crises also - diesen Begriff kennt man nur von Männern. Aber: "Es geht vielmehr um die immerwährende Suche einer Frau danach, sich selbst zu spüren. Das Bewusstsein zu erweitern. Die Träume zu leben." Sie selbst, lächelt sie, habe bislang alles wahrmachen können, was sie sich irgendwann wünschte. Und fügt beruhigt hinzu: "Aber ich weiß auch: Es wird immer neue Träume geben ..."

Quelle: teleschau - der mediendienst