Denzel Washington

Denzel Washington





"Ich bin so analog"

"Im Adlon ist der Washington Denzel" sang Rainald Grebe einmal in seinem Lied "Brandenburg". Nun sitzt der Superstar, der im Dezember 60 wird, tatsächlich wieder in dem Berliner Nobelhotel und wirkt immer noch 15 Jahre jünger, als er eigentlich ist. Dauerlächelnd und zu Scherzen aufgelegt erzählt er von der Arbeit an seinem neuen Film "The Equalizer". Darin spielt er einen eher zurückhaltenden Baumarkt-Mitarbeiter - der schließlich zum killenden Rächer gerät. Das Drehbuch für die Adaption der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie wurde extra auf Denzel Washington zugeschnitten: Wie das Projekt mit Regisseur Antoine Fuqua zustande kam, warum er nun James Bond spielen soll und was es mit diesem eigenartigen "Reddit" auf sich hat, berichtet er im Interview.

teleschau: "The Equalizer" ist ein wirklich brutaler Film.

Denzel Washington: Was sehr interessant ist: In drei oder vier der gewaltvollen Szenen gibt es gar keine Gewalt zu sehen. Man sieht nicht wirklich, was passiert, es wird ja nur angedeutet. Als meine Frau den Film sah, hielt sie sich die Augen zu. Aber in Wirklichkeit hört man die Dinge nur. Man sieht lediglich das Ergebnis. Beispielsweise, wie der Hauptcharakter einen Hammer wieder hinhängt - nicht das, was vorher passiert ist. Das ist Suspense, das ist Hitchcock. Es macht einen glauben, man hätte die Gewalt wirklich gesehen.

teleschau: Wie haben Sie sich auf diese unglaublichen Kampfszenen vorbereitet?

Washington: Wir hatten einen großartigen Stunt-Koordinator, einen Navy-Seal. Sein Assistent war ein Martial-Arts-Profi, mit dem ich fünf oder sechs Monate trainierte. Dabei begannen wir ganz langsam. Das Problem war: Ich boxe seit 20 Jahren, die Bewegungsabläufe sind völlig andere. Das musste ich sozusagen erst wieder verlernen - wir haben geübt und geübt. Vor allem sollte ich lernen zu entspannen. Im Grunde ist es fast wie ein Tanz.

teleschau: Bei den richtig gefährlichen Szenen müssen in der Regel trotzdem Stuntmen ran? Wäre es nicht manchmal cooler, mittendrin zu sein?

Washington: Ich war weit genug weg, wir drehten mit einer Kombination aus Green Screen und realen Szenen. Es ist cool, sicher zu sein und uncool, tollkühn zu werden. Wenn ich am Abgrund eines 80-stöckigen Hauses hänge, hätte ich lieber einen Green Screen. Früher hätten sie dich dort wirklich hängen lassen.

teleschau: Apropos früher: Wie war es, nach ihrem Oscarerfolg "Training Day" wieder mit Antoine Fuqua zusammenzuarbeiten? Es heißt, Sie hätten ihn gefragt, ob er mit Ihnen "The Equalizer" drehen wolle.

Washington: Manchmal sucht sich der Regisseur den Schauspieler, manchmal ist es umgekehrt. Das ist normal. Im nächsten Jahr werden wir gemeinsam einen Western drehen - er rief mich an und zeigte mir das Skript. Es kommt darauf an, wer das Drehbuch hat. Im Fall von "The Equalizer" schrieb es der Produzent für mich. Es war auf mich zugeschnitten, ich sagte ja und dann mussten wir einen Regisseur finden. Am allerwichtigsten für mich ist das, was auf dem Papier steht, nicht wer anruft oder wer wichtig ist. Ich sage immer: Schick mir das Drehbuch, und wenn es etwas ist, an das ich glaube, denke ich drüber nach. Mir wurden zehn Varianten von "The Equalizer" angeboten - ich habe sie alle abgelehnt, an diesen Fassungen war ich nicht interessiert.

teleschau: Sie erwähnten den geplanten Western, ein Remake der "Glorreichen Sieben". Gibt es dazu schon Details?

Washington: Einer der größten Einflüsse Antoines waren die "Sieben Samurai", ein japanischer Film, auf dem die "Glorreichen Sieben" basieren. Ich habe ihn noch nicht gesehen und werde deshalb von dem Original nicht beeinflusst sein, ebenso wie ich die Serie "The Equalizer" vorher nicht gesehen habe, weil ich meine eigenen Ideen einbringen wollte.

teleschau: Sie können ohnehin aus vielen Angeboten wählen. Wie treffen Sie so eine Entscheidung?

Washington: Jeder neue Film sollte sich zunächst von dem unterscheiden, was ich vorher gemacht habe. Es ist jedes Mal anders. Sagen wir, Martin Scorsese ruft morgen mit einem tollen Vorschlag an. Dann beginnt die Entscheidung natürlich mit dem, der Regie führt ... Ich merke gerade, ich sollte aufpassen, was ich sage, sonst heißt es morgen im Internet: "Denzel bettelt darum, mit Scorsese zu arbeiten" - was ich, davon abgesehen, wahrscheinlich sogar tun würde ...

teleschau: Wo Sie gerade davon sprechen: Was ist aus dem Twitter-Hashtag "Denzel ist James Bond" geworden, der kürzlich kursierte? Hat das schon Auswirkungen gehabt?

Washington: Ach ja, das Internet. Ich gab ein Interview für diese eine Seite ...

teleschau: ... die Internetplattform Reddit, auf der auch schon Barack Obama alle möglichen Fragen der Nutzer beantwortet hat.

Washington: Genau, "Ask me Anything" hieß das. Ich sprach mit einer Frau am Telefon, von der ich gar nicht wusste, wo sie sich befand. Vielleicht in einem anderen Bundesstaat oder Land. Auf jeden Fall schrieb sie Wort für Wort auf, was ich ihr sagte. Eine der Fragen war: Würden Sie James Bond spielen? Ich entgegnete: "Ja klar, lasst uns eine Kampagne starten." Die ironische Art, in der ich das sagte, ging dabei verloren. Ich habe wirklich nie darüber nachgedacht, James Bond zu spielen - es hat mich eben nur jemand gefragt.

teleschau: Sie wussten nicht, wie diese Art Interview abläuft?

Washington: Nein, das hat alles mein Agent organisiert. Ich machte nichts weiter, als die Fragen zu beantworten, die die Leser der Frau tweeteten. Oder wie sagt man? Ich bin so analog ...

teleschau: ... sendeten, vielleicht auch WhatsAppten ... ?

Washington: Bitte was?

teleschau: Das ist ein Programm, mit dem man Mitteilungen verschickt.

Washington: Ah, okay. Man sieht ja, das in jedem Fall auf diese Weise alles verloren geht. Und dann starteten die bei Twitter tatsächlich diese James-Bond-Kampagne.

teleschau: Wären Sie vielleicht lieber der Bond-Bösewicht?

Washington: Moment. Stop, stop, stop. Fangen Sie nicht mit so was an - ich sehe die Internet-Aufrufe schon vor mir!

Quelle: teleschau - der mediendienst