Jennifer Newrkla

Jennifer Newrkla





Mit Wiener Charme ins deutsche Fernsehen

Noch dürfte die Schauspielerin Jennifer Newrkla dem deutschen Fernsehpublikum weitgehend unbekannt sein. Zwar war sie im vergangenen Jahr bereits mehrfach in der ZDF-Krimiserie "Die Rosenheim-Cops" zu sehen - den großen Coup jedoch landete die 30-Jährige erst jetzt, mit der Hauptrolle in der ARD-Erfolgstelenovela "Sturm der Liebe". Gemeinsam mit Jan Hartmann bildet sie ab 11. September (montags bis freitags, 15.10 Uhr, ARD) das Traumpaar der anlaufenden zehnten Staffel und gerät in der Rolle der Thailand-Aussteigerin Julia Wegener in einen scheinbar unlösbaren Konflikt zwischen Liebe und Vernunft.

teleschau: Frau Newrkla, Ihr Nachname ist ein ein echter Zungenbrecher. Sicher werden Sie oft gefragt, wie man ihn denn nun richtig ausspricht ...

Newrkla: Also, mein Name ist gar nicht so kompliziert, wie man denken mag. Er besteht aus drei Silben: NE-WR-KLA. Man spricht ihn eigentlich genauso, wie man ihn schreibt. Die einzige Hürde ist das R nach dem W, aber mit ein bisschen Übung geht das schon (lacht).

teleschau: Wie spielt man eigentlich Liebe auf den ersten Blick?

Newrkla: Man muss nicht alles erlebt haben, um es glaubhaft zu spielen, aber das Gefühl von Verliebtheit zu kennen, ist auf jeden Fall hilfreich. Diese konkrete Liebe auf den ersten Blick musste ich dann doch ein bisschen anders spielen, als ich es selbst erlebt habe. Aber es wurde mir bei "Sturm der Liebe" auch leicht gemacht: Wenn ich Jan Hartmann in die Augen blicke, da kann man ja nur schwach werden...(lacht)

teleschau: Wie entstand die Chemie zwischen Ihnen beiden?

Newrkla: Wir haben uns tatsächlich erst beim Dreh kennengelernt und sind einfach buchstäblich ins kalte Wasser geworfen worden. Unser tatsächlicher "magic moment" war ja im Wasser (lacht), und da kommen natürlich noch ein paar Schwierigkeiten hinzu wie zum Beispiel Kälte und Wind. Da liegt die Aufmerksamkeit also nicht nur auf dem Verliebtsein. Ich glaube aber, dass wir die Szene gut gemeistert haben.

teleschau: Haben Sie sich zur Vorbereitung auf Ihre Rolle mit Ihren "Sturm der Liebe"-Vorgängerinnen ausgetauscht?

Newrkla: Die einzige, mit der ich mich austauschen konnte, war Liza Tzschirner. Sie war sehr nett zu mir und hat mit mir unter anderem darüber gesprochen, wie ich mit meiner Kraft haushalten soll, um das straffe Drehpensum zu bewältigen: "Vergiss nicht, Spaß zu haben!"

teleschau: Ist es Ihnen eigentlich leicht gefallen, in München eine Wohnung zu finden? Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist ja derzeit sehr angespannt...

Newrkla: Ich war ein bisschen geschockt über die Preise und die Schwierigkeit, da tatsächlich etwas zu finden, aber ich hatte Glück: Lisa Tzschirner hat mir ihre Wohnung überlassen, was ich dankbar annahm.

teleschau: Dann lässt sich also wirklich von einem familiären Gefühl beim Arbeiten sprechen?

Newrkla: Ja, total. Es gibt da Kollegen, die seit acht oder neun Jahren dabei sind, sowohl im Team als auch bei den Schauspielern. Das heißt, man kennt sich schon sehr lange und verbringt mehr Zeit mit dem Arbeitsteam als mit seinem Partner zu Hause. Somit entstehen da auf jeden Fall Freundschaften oder sogar Beziehungen.

teleschau: Haben Sie sich in München bereits genauso gut eingelebt wie am "Sturm der Liebe"-Set? Sie stammen ja ursprünglich aus Wien ...

Newrkla: Ich habe leider noch nicht so viel Zeit gehabt, mir München anzusehen. Ich verbringe die meiste Zeit im Studio, am Set, oder ich bin zu Hause und lerne für den nächsten Tag. Das heißt, es ist ein sehr straffer Alltag. Am Wochenende fahre ich dann auch öfter nach Hause, damit ich auch mal bei meinem Freund und meiner Familie sein kann. Aber ich finde München sehr schön, es ist sogar ein bisschen ähnlich zu Wien von der Atmosphäre her.

teleschau: Wie ist es eigentlich mit Berlin, haben Sie da ebenfalls einen festen Wohnsitz?

Newrkla: Nein, da habe ich keinen Wohnsitz, nur eine Wohnmöglichkeit. Ich war auch immer nur für eine gewisse Zeit in Berlin. Ich mag Berlin, aber mir ist es zum Leben ein bisschen zu aufgeregt. Ich liebe es, eine Woche dort zu sein und alles zu genießen - Kunst, Kultur und Partys. Aber ich lebe in Wien in einem Häuschen mit Garten und fühle mich da sehr wohl.

teleschau: Machen Sie sich Gedanken um den Popularitätsschub, den die Rolle bei "Sturm der Liebe" nun mit sich bringen wird?

Newrkla: Ich nehm's eigentlich gelassen und lasse es auf mich zukommen. Natürlich denke ich darüber nach, wie es sein wird. Ich war erst letztens im Schwimmbad und habe mir überlegt: Hm, was wäre, wenn die mich alle erkennen? Ob man sich dann wohl auch noch so wohlfühlt in der Sauna? (lacht)

teleschau: Bei "Sturm der Liebe" handelt es sich ja tatsächlich auch um ein sehr erfolgreiches Format, das mittlerweile in über 20 Länder verkauft wurde...

Newrkla: Das stimmt! Besonders in Italien läuft unsere Serie sehr erfolgreich.

teleschau: Auch in Südamerika, wo das Telenovela-Format allgemein sehr populär ist. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie es wohl ist, wenn Ihr Gesicht zum Beispiel irgendwann mal in Mexiko über den Bildschirm flimmert?

Newrkla: Dass ich da synchronisiert werde, fühlt sich für mich grade sehr fremd an. Aber es ist auch irgendwie eine schöne Vorstellung.

teleschau: Zum Thema Sprache, Ihre zweite Muttersprache ist Kroatisch.

Newrkla: Ja, mein Vater ist Kroate, meine Mutter Österreicherin. Daher bin ich zweisprachig aufgewachsen.

teleschau: Und auf welcher Sprache können Sie sich besser ausdrücken?

Newrkla: Auf jeden Fall auf Deutsch. Ich lebe ja auch in Österreich und spreche nur mit meinem Vater oder mit Freunden oder Verwandten aus Kroatien Kroatisch. Aber ich habe noch nie auf Kroatisch gedreht oder Theater gespielt.

teleschau: Wie sehr fühlen Sie sich in Kroatien verwurzelt?

Newrkla: Ein Teil von mir fühlt sich Kroatien schon sehr verbunden. Ich mag das Land, die Menschen und ihren Humor und bin auch sehr gerne dort.

teleschau: Hat es auch Einflüsse auf Sie als Person?

Newrkla: Ich denke schon, ja. Mir wird auch öfter gesagt, dass man spürt, dass ein wenig kroatisches Temperament in mir steckt. Die Kroaten haben einen ausgeprägten Familiensinn, und den habe ich von meinem Vater mitbekommen. Ich bin seine Prinzessin, sein Ein und Alles. (lacht) Diese große Verbundenheit mit der eigenen Familie ist schon etwas typisch Südländisches, das im deutschsprachigen Raum, glaube ich, nicht ganz so stark ausgeprägt ist.

teleschau: Haben Ihre Eltern Sie darin bestärkt, Schauspielerin zu werden?

Newrkla: Ja, mir standen alle Türen offen. Meine Großmutter war Schauspielerin (Susi Peter, d. Red.), sie hat damals noch mit Hans Moser gedreht. Dann hat das Schauspielergen quasi eine Generation in unserer Familie übersprungen. Meine Mutter war selbst keine Schauspielerin, aber sie hat mich sehr darin bestärkt, den Beruf zu ergreifen. Ich habe viel getanzt als Kind und bin schon früh in Tanzshows aufgetreten. Ich wollte eigentlich hinter die Kamera, also Regie studieren oder irgendetwas anderes machen im Bereich Theater Film und Medien. Irgendwie bin ich aber dann vor der Kamera gelandet. Ich wurde mit 16 Jahren in einer Tanzschule entdeckt und zum Casting eingeladen. Und dann hab ich gleich einen Kinofilm für den US-amerikanischen Markt gedreht und eine Serie. Nach meinem Abi machte ich eine vierjährige Schauspielausbildung. Damals dachte ich: Warum nicht? Ich schau' mal, was passiert und ob ich davon leben kann. Und nun, zwölf Jahre später, bin ich immer noch dabei.

teleschau: Hatten Sie schon auch im Hinterkopf, dass es ein Wagnis ist, einen solchen Beruf zu ergreifen?

Newrkla: Auf jeden Fall. Man bekommt es ja auch immer wieder gesagt: "Mach was G'scheids, lern etwas, das Zukunft hat!" Es ist ja doch eine unsichere Branche, weil es zu wenige Rollen für zu viele Schauspieler gibt, da ist der Konkurrenzkampf schon sehr groß.

teleschau: Muss man narzisstisch sein, um Schauspieler zu werden?

Newrkla: (lacht) Narzisstisch wäre wahrscheinlich übertrieben, aber man muss ein gutes Selbstbewusstsein haben. Und man muss zu seinem Äußeren und seinem Gefühlsleben stehen. Du musst mit Kritik und Rückschlägen umgehen können und darfst nicht enttäuscht sein, wenn du nach einem Casting nicht genommen wurdest. Ich bin aber gleichzeitig ein sehr selbstkritischer Mensch und versuche, immer an mir zu arbeiten. Zu selbstverliebt zu sein, finde ich nicht gut. Die Balance muss stimmen. Wir üben einen Beruf aus, bei dem wir uns ständig präsentieren und darstellen müssen. Ich sehe das nicht als Narzissmus, sondern wir sind das Sprachrohr, um eine Geschichte zu erzählen, und die ist nicht immer schön. Da muss man auch mal Mut zur Hässlichkeit beweisen oder seine Befindlichkeiten zurückschrauben, wenn es der Rolle dient.

teleschau: War es eine große Umstellung für Sie, in einer großen deutschen Produktion nun akzentfrei zu sprechen?

Newrkla: Ja, aber ich gebe mir Mühe. Es fällt einem natürlich leichter, wenn man schon ein bisschen Zeit in Deutschland verbracht hat, weil man sich dann automatisch etwas anpasst. Aber ich verfalle schon immer noch ab und zu ins Österreichische, vor allem, wenn ich emotionale Szenen spiele. Dann bekomme ich immer eins auf die Finger geklopft von der Regie (lacht).

teleschau: Gerät ein ambitionierter Schauspieler auch selbst mal in die Gefahr einer Identitätskrise, wenn er sich zu sehr auf seine Rolle einlässt?

Newrkla: Das glaube ich nicht. Ich persönlich kann das schon sehr gut trennen. Es sind ja immer noch Geschichten, die man erzählt, das darf man nie vergessen. Es wäre ein bisschen absurd, wenn man nach einem Dreh nach Hause geht und plötzlich nicht mehr weiß, wer man ist. Es passiert aber tatsächlich, dass man die Stimmung der Rolle mitnimmt und viel darüber nachdenkt und gerade kurz vorm Einschlafen noch Szenen Revue passieren lässt.

teleschau: Sicherlich ist auch ein stabiles privates Umfeld wichtig, um diesbezüglich auf dem Teppich zu bleiben ...

Newrkla: Auf jeden Fall, für mich zumindest. Aber es gibt auch Kollegen, die großartigsten Schauspieler, bei denen geht's privat drunter und drüber. Auch finde ich es wichtig, zwischendurch etwas mit Freunden zu unternehmen, die keine Schauspieler sind, um auch mal abschalten zu können.

teleschau: Mit welchen Hobbys kompensieren Sie Ihren stressigen Arbeitsalltag?

Newrkla: Ich bin ein totaler Naturmensch und gehe gerne in die Berge, spiele Tennis und mache gerne Gartenarbeit. Im Moment ist dafür aber nur am Wochenende Platz. Da versuche ich mich zu entspannen, um Kraft für die Woche zu tanken.

teleschau: Sie haben verschiedene Zusatzausbildungen gemacht, etwa im Bereich Radiomoderation. Könnte auch das ein weiteres potenzielles Standbein für Sie werden?

Newrkla: Ja, vieles im Medienbereich wäre denkbar. Aber ich könnte mir nicht vorstellen, etwas zu machen, das gar nichts mit Film oder Theater zu tun hat. Ich habe ja früher sehr viel Theater gespielt, so habe ich eigentlich angefangen als Schauspielerin. Mein Alltag in Wien war es, jeden Tag zur Probe zu gehen und abends eine Vorstellung zu spielen. Das Drehen lief eher so nebenher. Ich war für einen Film auch mal selbst als Casterin tätig, das war sehr interessant. Regie, Drehbuch und Schauspielcoaching sind auch Bereiche, in denen ich gerne mal arbeiten würde. Ich möchte mich nicht nur aufs Schauspiel festlegen, da man doch immer wieder fremdbestimmt ist und die Erwartungen anderer erfüllt.

teleschau: Wie war es, die Esmeralda im Theaterstück "Der Glöckner von Notre Dame" zu spielen?

Newrkla: Das war tatsächlich eine Traumrolle. Esmeralda ist romantisch, hat ein großes Herz, ist, was die Liebe betrifft, leider naiv, und dennoch ist sie eine starke Frau mit sehr klaren Vorstellungen. Da durfte ich - tanzend und mit wilder Mähne - auch mal ein bisschen mein Temperament rauslassen.

teleschau: Gäbe es noch eine Traumrolle, die sie in Zukunft gerne einmal spielen würden?

Newrkla: So auf Anhieb fällt mir da nichts ein... Doch obwohl, eine "Tatort"-Kommissarin wäre schon einmal etwas! (lacht)

Quelle: teleschau - der mediendienst