Dwayne Johnson

Dwayne Johnson





"Ich oder Daniel Radcliffe ..."

Der Begriff Quereinsteiger scheint für Dwayne Douglas Johnson erfunden worden zu sein: Eigentlich wollte der gebürtige Kalifornier, der auf Hawaii aufwuchs, Football-Profi werden, doch eine Knie-Verletzung bremste ihn aus. Kriminologe wurde er - trotz entsprechendem Studienabschluss - aber auch nicht. Stattdessen eiferte er seinem Vater und seinem Großvater nach und machte als Wrestler Karriere. Doch auch die hängte "The Rock", so sein Kampfname, schließlich an den Nagel, um seiner eigentlichen Leidenschaft zu folgen: Seit "The Scorpion King" (2002) hat sich der heute 42-Jährige zum erfolgreichen Action-Darsteller gemausert. Mit der Titelrolle des griechischen Helden "Hercules" (Start: 04.09.) erfüllt sich Johnson nun einen Traum.

teleschau: Mr. Johnson, wie hat Sie Berlin empfangen?

Dwayne Johnson: Es ist toll, wieder in Deutschland zu sein. Wir kamen direkt aus Mexiko City, hatten also einen wirklich langen Flug in den Knochen, da stand am Flughafen eine ganze Flotte Cadillacs mit "Hercules"-Schriftzügen. Das war so cool! Cadillacs sind meine Lieblingsautos.

teleschau: Wieso das?

Johnson: Cadillacs müssen meine Lieblingsautos sein, denn - und da nimmt die Geschichte einen unvorhersehbaren Verlauf - meine Mutter und mein Cousin waren in einen Unfall mit einem Truck verwickelt. Die beiden saßen in einem Cadillac, den ich meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt hatte. Er war so robust, dass er diesen Aufprall ausgehalten hat. Deshalb mag ich diese Autos. Ich selbst fahre aber einen Ford Pick-Up-Truck mit einem großen Motor drin.

teleschau: In "Hercules" stehen Ihnen in der Regel nur zwei Pferdestärken zur Verfügung. Haben Sie Ihren Ausflug in die Antike genossen?

Johnson: Ich habe es geliebt! Schon bei unserem ersten Treffen sagte ich zu Regisseur Brett Ratner: Das mag verrückt klingen, und du wirst das schon oft von anderen Schauspielern gehört haben, aber ich spüre tief in mir, dass ich für diese Rolle geboren wurde. Ich wollte schon immer Hercules sein. Ich werde für dich und die Rolle alles tun, wie noch nie ein Schauspieler zuvor. Dabei wusste ich, mit welch tollen Kollegen er schon gearbeitet hat.

teleschau: Sie wollten schon immer Hercules sein?

Johnson: Als ich sechs, sieben Jahre alt war, sah ich ein Gemälde von Steve Reeves als "Hercules". Reeves hatte diesen unglaublichen Körper, er zerbrach Säulen auf dem Bild. Das habe ich nie vergessen. Jahre später lernte ich die griechische Mythologie in der Schule genauer kennen. Als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal nach Hollywood kam und mich mit den Studiobossen unterhalten habe, fragten die mich, was ich mal machen will. Hercules war eine der Figuren, die ich nannte. Natürlich hatte ich damals keine Chance so etwas zu machen. Ich kann mir gut vorstellen, was in deren Kopf damals vorging: "Hercules? Big-Budget-Movie? Nein! Was willst du sonst machen?"

teleschau: Und nun hat es geklappt. Aber wer außer Ihnen hätte Hercules auch sonst spielen sollen?

Johnson: Es war ganz eng zwischen mir und Daniel Radcliffe. Glücklicherweise bin ich es geworden. (lacht)

teleschau: Worin bestand bei "Hercules" Ihre größte Herausforderung?

Johnson: Zum einen musste ich meinen Körper in Topform bringen. Es gab ungefähr 40 "Hercules"-Versionen in der Vergangenheit. Ich wollte einen Hercules geben, dem man das Erlebte ansieht. Die andere Herausforderung bestand darin, einen Hercules zu erschaffen, an den sich die Zuschauer gerne erinnern. Ich denke, das ist geglückt.

teleschau: Was unterscheidet diesen Hercules von anderen Helden?

Johnson: Wir wollten den Mythos dekonstruieren. Wir leben in einer Zeit, in der jede Woche ein Superhelden-Film in die Kinos kommt. Nebenbei bemerkt, die sind toll! Aber das Faszinierende an diesem Superhelden und seiner Geschichte ist, dass er keine Superkräfte hat. Ist er der Sohn von Zeus? Vielleicht. Wir zeigen ihn als Mann, der durch die Welt geht und blutet, weint, wütend wird, Vater und Ehemann ist. Aber eben auch Menschen inspiriert.

teleschau: Es heißt, dass Sie demnächst entweder den Comic-Helden Shazam oder seinen Erzfeind Black Adam spielen werden ...

Johnson: Es gab in den letzten Wochen Gerüchte, dass wir uns noch nicht entschieden hätten. Aber DC, Warner Brothers und ich sind uns einig. Ein Tipp: Es geht um den gleichen Charakter, über den wir schon 2007 gesprochen haben. Ich freue mich sehr, Teil des DC-Universums zu werden. Es war ein langer Weg dorthin. Es dauerte ewig, den richtigen Autor zu finden, ewig, bis das Drehbuch passte, die richtige Geschichte für Shazam zu finden, und wie er mit Black Adam verbunden ist. Das dauert, weil das einfach sitzen muss.

teleschau: Sie haben Ihre Karriere im Wrestling begonnen. Wann war für Sie der Punkt gekommen, ins Schauspielfach zu wechseln?

Johnson: Dass ich mit 29 Jahren mehr oder weniger aus dem Wrestling zurücktrat, hatte mehrere Gründe. Einer war sicher die Chance, nach Hollywood zu gehen. Meine Wrestling-Karriere war eine tolle Vorbereitung, schließlich war ich es gewohnt, jede Nacht vor vielen Menschen zu performen. Aber irgendwann stand ich in der Umkleide und dachte mir: Du hast alle Ziele erreicht, die du erreichen kannst und die du erreichen wolltest. Es gab für mich damals niemanden mehr, gegen den ich hätte kämpfen können.

teleschau: Aufgrund Ihrer sportlichen Vergangenheit werden Sie gern als Muskelprotz besetzt. Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft weniger physische Rollen zu spielen?

Johnson: Unbedingt! Gewichte stemmen ist nämlich ziemlich anstrengend. Für "Hercules" habe ich 22 Pfund Muskeln zugelegt. Das ist harte Arbeit! Ab- und zunehmen ist aber vor allem Stress. Du musst den Look erhalten, den die von dir erwarten - und das für 95 Tage. Und doch würde ich körperlich jede Anforderung über mich ergehen lassen, wenn das Drehbuch gut ist und mich überzeugt. Ich brenne für all meine Rollen.

teleschau: Woher beziehen Sie Ihre Stärke?

Johnson: Ich persönlich von meiner Familie. In meinem Beruf tue ich, was ich liebe, und meine Familie muss dafür Opfer bringen. Etwa, wenn ich für sechs Monate für Dreharbeiten nach Budapest gehe, wenn ich auf Promo-Tour bin und in vielen anderen Momenten. Ich gehe durch Höhen und Tiefen. Meine Eltern und Großeltern geben mir Kraft mit ihrer Lebenserfahrung.

teleschau: Sie sind in Zukunft in einigen Sequels wie "Fast & Furious 7" zu sehen. Sind auch weitere "Hercules"-Abenteuer geplant?

Johnson: Möglicherweise schon. Mit Fortsetzungen lassen sich in unserem Geschäft - und es ist ein Geschäft - die Dollars leichter verdienen. Bei "Hercules" wollen wir einfach mal abwarten, wie er beim Publikum ankommt. "Hercules" ist kein Milliarden-Projekt und auch kein 750-Millionen-Dollar-Ding wie "Fast & Furious". Er wird einspielen, was er einspielt. Bisher mag ihn das Publikum, von daher wird vielleicht auch ein zweiter Teil folgen.

teleschau: Als Hercules mussten Sie im Film zwölf Heldentaten verrichten. Im wahren Leben haben Sie sich jüngst der "Ice Bucket Challenge" ausgesetzt ...

Johnson: Ja, das war so etwas wie die 13. Herausforderung. Eine gute Freundin, MMA-Champion Ronda Rousey, hat mich herausgefordert - und ich habe es getan. Meinerseits habe ich Mark Wahlberg, Channing Tatum und meinen Agenten nominiert.

teleschau: Eigentlich soll die Eiswasserdusche die Aufmerksamkeit auf die unheilbare Krankheit ALS richten. Einige Promis scheinen sie mit der Aktion jedoch lieber auf sich lenken zu wollen. Wie denken Sie darüber?

Johnson: Vielleicht macht es nicht jeder aus der richtigen Motivation heraus. Das ist eine große Welle, die durch das Internet schwappt, die jeder erwischen will. Aber am Ende ist es für einen guten Zweck! Es war sehr kalt, aber es hat Spaß gemacht.

teleschau: Wellenartig verbreitete sich vor einiger Zeit im Internet auch die Falschmeldung, sie wären bei einem missglückten Stunt verstorben. Wie geht man damit um?

Johnson: Ich habe gelacht. Aber diese Death-Hoax-Geschichten sind ein interessantes Phänomen. Die Absicht dahinter ist mir ein wenig unklar, genau wie das Ziel der Menschen, die so etwas verbreiten. Aber ich kann versichern: Ich bin am Leben!

Quelle: teleschau - der mediendienst