Mark Forster

Mark Forster





Immer auf Wanderschaft

Mark Forster hat es geschafft. Mit seinem Debüt "Karton" (2012) gelang dem gebürtigen Pfälzer und Wahlberliner bereits ein Achtungserfolg, mit "Bauch und Kopf", seinem im Mai veröffentlichten zweiten Album, hat sich der Sänger und Songschreiber endgültig im deutschen Pop-Geschäft etabliert. Die Single "Au Revoir" mit Gaststar Sido kletterte bis auf Platz zwei der Charts und wurde jüngst mit Gold ausgezeichnet. Zeit, den Erfolg zu reflektieren, bleibt dem 30-Jährigen aber momentan nicht, für den Herbst steht bereits eine ausgedehnte Deutschland-Tournee an. Wie er mit dem Stress und dem Ruhm umgeht, welche Entspannungsmethoden er kennt und was er von Sido gelernt hat, erzählt Forster im Interview.

teleschau: Wenn Sie auf einer Stressskala von eins bis zehn Ihre aktuelle Gefühlslage abstecken müssten, wo würden Sie landen?

Mark Forster: Wenn Stress bedeutet, wenig Freizeit zu haben und viel unterwegs zu sein, dann bei neun, vielleicht auch zehn. Allerdings ist das für mich eher positiver Stress.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Forster: Ich empfinde das, was ich mache, einfach nicht wirklich als Arbeit. Ich fahre viel durch die Gegend und schaue, wie die Leute auf meine Songs reagieren. Das ist eher spannend als stressig.

teleschau: Vor einigen Monaten sagten Sie, Sie seien ständig "an" und müssten das auch sein. Entsteht dabei nicht automatisch auch mal unangenehmer Stress?

Forster: Ja, das stimmt schon. Manchmal überdrehe ich tatsächlich etwas und werde zu einer nervigen Person für alle, die dann mit mir abhängen müssen. Wenn es mal wieder soweit ist, nehme ich mir aber auch Tagesauszeiten.

teleschau: Was heißt das?

Forster: Auch ich brauche zwischendurch mal einen Sonntag - auch wenn der vielleicht auf einen Mittwoch fällt. Ich brauche einen Tag in der Woche, an dem ich mal gar nichts mache.

teleschau: Wie verbringen Sie einen solchen Tag?

Forster: Mit Schlafen. Schlafen für die Seele. Viele Leute fahren an einem freien Tag vielleicht in die Therme, gehen in die Sauna und so. Das habe ich auch alles schon ausprobiert. Hat aber nicht geklappt. Ich war danach einfach nicht entspannter. Voll und ganz erholen kann ich mich nur über einen längeren Zeitraum.

teleschau: Wann waren Sie denn zum letzten Mal so richtig "aus"? Als Sie vor ein paar Jahren den Jakobsweg gingen?

Forster: Ja, wahrscheinlich liegt das so weit zurück. Wobei der Jakobsweg dabei gar nicht so entscheidend für das "Aus"-Sein war. Ich hätte auch in Bayern wandern gehen können. Viel wichtiger war, dass ich einfach mal zwei Monate am Stück weg war und nichts zu tun hatte, außer spazieren zu gehen. So was macht bei mir den Geist wieder frisch und hält lange vor.

teleschau: Was passiert mit Ihnen, wenn Sie eine Zeitlang gegangen sind?

Forster: Ich grübele dann viel herum. Es kommen plötzlich die Sachen hoch, die ich im Alltag in meinem Bauch geparkt habe. Die gelangen beim Wandern in den Kopf - und verpuffen. Das wirkt geradezu reinigend.

teleschau: Gehen Sie seitdem regelmäßig auf dem Jakobsweg wandern?

Forster: Ja, die Zeit dafür versuche ich mir immer wieder zu nehmen. Demnächst fahre ich zum Beispiel nach Dublin und gehe von dort eine Woche lang den Wicklow Way entlang.

teleschau: Neben den Auszeiten vom Stress: Brauchen Sie vielleicht auch manchmal Auszeiten vom Erfolg?

Forster: Ich weiß tatsächlich immer noch nicht so genau, wie ich mit dem Erfolg umgehen soll. Im Augenblick stelle ich fest - was zum Beispiel den großen Erfolg von "Au revoir" angeht - dass ich dazu eine gewisse Distanz habe, auch weil dieser Erfolg mehr ist als nur das Resultat meiner Arbeit. Der Ursprung liegt vielleicht bei mir, aber es gehören viel mehr Menschen dazu, um einen Song so erfolgreich zu machen wie dieser es geworden ist.

teleschau: Was bedeutet für Sie eigentlich Erfolg?

Forster: Erfolg an sich ist ein Geist. Das sind die Momente, die sich anfühlen wie kleine und große Tornados. Über diese Momente denke ich gar nicht so viel nach, auch generell nicht darüber, wie erfolgreich ich bin, war oder sein werde. Das wäre sicher auch nicht immer gesund. Ich versuche einfach, mich auf die Erfolgsmomente einzulassen und sie zu genießen.

teleschau: Was genießen Sie denn derzeit am meisten?

Forster: Ich bin ja sehr spät in diese Position gekommen, dass ich Lieder schreiben und aufnehmen darf und dafür Geld bekomme. Allein das ist ein unfassbares Glück für mich, und ich bin sehr dankbar, dass ich dieses schöne Leben leben darf.

teleschau: Und wie ist es mit Ihrem Bühnengefühl? Ihre Bühnen werden schließlich immer größer, Ihr Publikum damit auch. Bewirkt das, dass auch Sie sich immer größer fühlen?

Forster: Man ist ja im Leben immer ein Teil von Gruppen. Es gibt die Schulklasse, den Fußballverein und so weiter. Und in jeder Gruppe hat man eine bestimmte Position. Wenn man sich in der Gruppe verbessern kann, bekommt man ein bestimmtes Gefühl, oftmals ist das Stolz. Und in der Gruppe Live-Konzerte-spielen bin ich stolz, jetzt da zu stehen, wo ich stehe, denn das ist tatsächlich das Resultat von viel Arbeit.

teleschau: Wie viel von Ihrem Erfolg verdanken Sie Sido?

Forster: Man muss schon sagen, dass ich meine zwei erfolgreichsten Songs - "Einer dieser Steine" und "Au revoir" - zusammen mit Sido gemacht habe. Als er mich fragte, ob ich nicht bei einem Lied von ihm mitmachen möchte, hatte ich "Au revoir" allerdings schon fertig. Erst später fragte ich ihn, ob er nicht eine zweite Strophe darin rappen möchte. Dass diese zwei Songs Singles und zudem noch erfolgreiche Singles werden würden, konnten wir am Anfang nicht ahnen. Es ist aber natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass Sido mich durch seine Bekanntheit an ein großes Publikum herangeführt hat. Dafür bin ich ihm auch sehr dankbar.

teleschau: Sie waren auch sechs Wochen lang mit Sido auf Tour. Was lernten Sie in dieser Zeit von ihm?

Forster: Sehr viel - als Musiker und als Mensch. Ich konnte mir einiges abgucken von dem, wie er mit bestimmten Dingen umgeht, wie er manches handhabt, auch, wie er Songs schreibt.

teleschau: Dieses Album war von Anfang an groß gedacht - allein durch den Orchestereinsatz. Der kommerzielle Erfolg bestätigt Ihre Idee. Aber wie geht es jetzt für Sie weiter? Müssen Sie noch größer denken?

Forster: Viel größer als jetzt geht es ja fast nicht. Und dass ich ein Orchester aufnahm, war kohle- wie publikumsmäßig ein großes Risiko. Wenn man seiner Plattenfirma davon erzählt, sagen die Leute dort einem auch erst einmal, dass man das nicht machen und stattdessen besser ein Pop-Album aufnehmen sollte. Ich machte es trotzdem. Weil ich zeigen wollte, was für ein Typ ich bin.

teleschau: Was für ein Typ sind Sie denn?

Forster: Einer, der sich verändern möchte. Ein Orchester werde ich deshalb auch sicher nicht noch mal aufnehmen. Ich werde mir auch nichts suchen, was irgendwie noch größer ist. Wahrscheinlich werde ich einfach mal wandern gehen und dabei überlegen, was als Nächstes kommen sollte.

teleschau: Sie sind nun 30. Haben Sie ein Wunschbild von sich mit 40?

Forster: Ich glaube, dass es schön wäre, bis dahin eine Familie zu gründen, Kinder zu kriegen, vielleicht auch ein Haus zu bauen und einen Baum zu pflanzen. Die Klassiker eben. Das Jahrzehnt zwischen 30 und 40 bietet sich dafür ja an.

Mark Forster auf Deutschland-Tournee:

24.09., Hamburg, Docks

25.09., Münster, Sputnikhalle

26.09., Hannover, Kulturzentrum Pavillon

27.09., Die Kantine

28.09., Mannheim, Alte Seilerei

30.09., Marburg, KFZ

01.10., Bochum, Zeche

02.10., Frankfurt, Das Bett

04.10., Karlsruhe, Tollhaus

05.10., Stuttgart, clubCANN

06.10., Augsburg, Kantine

08.10., Dresden, Beatpol

09.10., Berlin, Postbahnhof

Quelle: teleschau - der mediendienst