Detlef D! Soost

Detlef D! Soost





"Wenn ich mich vor den Spiegel stelle, bin ich sehr zufrieden"

Tänzer und Choreograf Detlef D! Soost hat es geschafft: Vor fünf Jahren nahm er mit Hilfe eines radikalen Fitnessprogramms 32 Kilogramm ab. Sein Gewicht hält er bis heute. Der 44-Jährige Berliner, der einst als Coach in der Castingshow "Popstars" bekannt wurde, schwört unter anderem auf ein Erfolgsrezept: Kalendersprüche. Die gängigen Lebensweisheiten, die Soost streng beherzigt, will er nun auch anderen vermitteln: In "The Biggest Loser - Teens" (ab 14. September immer sonntags, 17.00 Uhr, SAT.1) will er in einem sechswöchigen Camp in Andalusien Jugendlichen zum Abnehmerfolg verhelfen. Ein Gespräch über eine gezielte Lebensumstellung, Zufriedenheit als Vorstufe von Trägheit und die Erkenntnis, dass die Brechstange nicht immer die beste Lösung ist.

teleschau: "Das Leben ist ein einmaliges Angebot", "Du kannst es, wenn du es wirklich willst", "Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden", "Lass dich nicht gehen, gehe selbst" ... - Alles Sätze, die Sie, Herr Soost, zuletzt auf Ihrer Facebook-Seite gepostet haben. Wann haben Sie denn Ihren Sinn für Kalendersprüche entdeckt?

Detlef D! Soost: Mein persönlicher Weg war ja lange Zeit ein relativ steiniger - nicht nur privat in meiner Kindheit und Jugend, sondern auch in meiner Karriere. Ich musste immer schauen, dass ich mich irgendwie durchbeiße. Das habe ich zum Beispiel dadurch geschafft, dass ich zusammen mit meiner Frau eine bestimmte Spiritualität gelebt habe. Außerdem habe ich unterschiedliche Coachings mitgemacht und spezielle Bücher gelesen. Und irgendwann habe ich auch diesen Bereich für mich entdeckt: die kurzen, knackigen Lebensweisheiten. Die gebe ich jetzt gerne an meine Facebook-Freunde weiter.

teleschau: Wie sind die Reaktionen?

Soost: Ich weiß, dass sich viele von ihnen jeden Morgen, bevor sie zur Schule oder zur Arbeit gehen, meinen Spruch des Tages durchlesen und sich daraus einiges mit in ihren Tag nehmen. Den starten sie dann hoffentlich mit einem guten Gefühl. Klar, ich weiß auch, dass diese Sprüche nicht bei jedem gut ankommen, aber ich schreibe sie trotzdem auf. Das ist immer noch besser, als wenn ich nichts aufschreiben würde.

teleschau: Sie selbst sagten einmal, Sie würden streng nach diesen Weisheiten leben. Ganz schön anstrengend, oder?

Soost: Niemand hat gesagt, dass unser Leben einfach ist. Ich meine: Ich habe mehrere Firmen, die ich leite, bin Familienoberhaupt, habe drei wundervolle Kinder und eine genauso tolle Ehefrau, und gleichzeitig bin ich noch TV-Gesicht. Dass es nicht immer leicht ist, das alles unter einen Hut zu bringen, versteht sich von selbst. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass ich mit einer positiven Einstellung die Chancen, dass meine Vorhaben klappen, auf jeden Fall erhöhe.

teleschau: Kürzlich hielten Sie außerdem fest: "Ich werde mein Leben und meinen Körper für immer verändern." Das bedeutet, dass Sie sich nie erlauben, zufrieden zu sein - oder?

Soost: Eine Frage, die extrem schwer zu beantworten ist. Das Gefühl, zufrieden zu sein, brauchen wir als Menschen einerseits natürlich sehr. Andererseits ist Zufriedenheit auch die Vorstufe von Trägheit. Und wer träge ist, wer also aufhört, sich weiterzuentwickeln, läuft Gefahr, unglücklich zu werden.

teleschau: Klingt, als wären Sie ziemlich streng zu sich.

Soost: Ab und zu darf man sich natürlich auch mal auf die Schulter klopfen und sagen: Hast du gut gemacht! Das ist auch wichtig. In den ersten Jahren meiner Fernsehkarriere habe ich das zum Beispiel nicht gemacht und war stattdessen ständig getrieben, immer höher, schneller und weiter zu kommen. Mittlerweile schaffe ich es, die Dinge gesünder anzugehen. Aber: Ich versuche schon immer zu überlegen, was das nächste Ziel sein könnte, und zwar beruflich wie privat.

teleschau: Immerhin: Einmal in der Wochen, heißt es, gäbe es bei Ihnen einen sogenannten "Load"-Day, an dem Sie sich ausnahmsweise etwas erlauben. Wie muss man sich so einen Tag bei Ihnen vorstellen?

Soost: Ich finde ja: Wenn man sechs Tage in der Woche sehr darauf achtet, wie man sich ernährt, darf man auch einen Tag lang nur das essen und trinken, was man möchte. Eine solche Regelung kann man natürlich auf alles übertragen: Wenn ich bei etwas immer Vollgas gebe, habe ich auch das Recht, zwischendurch mal alle Viere von mir zu strecken.

teleschau: Diese Radikalität in Sachen Ernährung und Fitness ist bemerkenswert. Von außen betrachtet scheint es, als hätte Ihnen etwas im Leben gefehlt, was Sie dann einfach mit einem krassen Körperprogramm ersetzt haben.

Soost: Bevor ich angefangen habe, dieses sehr figurbetonte Programm durchzuziehen, habe ich ja schon viele andere Dinge durchgezogen: Ich bin zum Beispiel Vater und ein Familienmensch geworden. Irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem ich überlegt habe, was ich von mir selbst noch erwarte.

teleschau: Was war Ihr Fazit?

Soost: Mir wurde klar: Wenn ich öffentlich kritisch mit anderen umgehe, muss ich auch kritisch mit mir selbst sein - zum Beispiel, was meine Figur angeht. Und dann, das war 2009, habe ich mich entscheiden, ernsthaft etwas zu verändern.

teleschau: Sie hätten ja auch eine normale Diät machen können, anstatt so rigoros zu agieren.

Soost: Wir alle wissen, dass eine normale Diät meistens einen Jojo-Effekt nach sich zieht und deshalb nicht bedeutet, dass man auf Dauer schlank bleibt. Wenn man wirklich einen Figurwechsel bewirken will, bedarf es auch einer echten Lebensumstellung.

teleschau: Vielleicht ist es bei Ihnen auch ein Streben nach Perfektionismus.

Soost: Perfektionismus klingt so negativ. In meinen Augen bedeutet Perfektionismus auch die Bereitschaft, mal nicht perfekt zu sein. Da kommt dann auch wieder das zum Tragen, was ich vorhin gesagt habe: Wer immer den Weg Richtung höchstmöglichem Ziel geht, braucht auch Pausen, damit er nicht verbrennt.

teleschau: Sie haben einst gesagt, vor Ihrer Lebensumstellung konnten Sie nicht mehr in den Spiegel schauen. Wie finden Sie sich denn heute, wenn Sie sich darin betrachten?

Soost: Gut! Das klingt arrogant, ist aber so. Wenn ich morgens aufstehe und mich vor den Spiegel stelle, bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich sehe.

teleschau: Nun wollen Sie auch anderen helfen, sich in mit ihrem Körper wieder wohler zu fühlen: Als Coach und Motivator sind Sie in den neuen Folgen von "The Biggest Loser" zu sehen. Sie bringen übergewichtigen Teenagern bei, wie Sie ihr Leben ein Stückweit verändern können. Dabei erneut auffällig: Ihr dominantes Auftreten. Egal, wo Sie sind und mit wem sie sprechen: Die Hierarchien sind immer klar, wenn Sie in der Nähe sind. Ist es Ihnen wichtig, immer der Chef zu sein?

Soost: Ich will ja positive Ergebnisse erzielen, also versuche ich, dass meine große Motivation, den Jugendlichen zu helfen, auch auf sie abfärbt. Das Ziel ist es, mit diesen jungen Menschen in der kurzen Zeit, die wir zusammen haben, möglichst viel zu erreichen. Und mal ehrlich: Wenn Jogi Löw seinen Jungs den Kopf wäscht, wenn sie mal nicht den anvisierten Weg gehen, meckert doch auch keiner, sondern alle sagen nur: richtig so! Bei mir heißt es dann immer gleich: Der ist so streng.

teleschau: Was haben Sie denn gedacht, als die Jugendlichen zum ersten Mal vor Ihnen standen?

Soost: Dass sie in den seltensten Fällen selbst daran Schuld sind, was passiert ist. Deshalb haben wir unsere Kandidaten auch im Vorfeld zu Hause besucht, um uns ein Bild von ihrem familiären und sozialen Umfeld zu machen und zu erfahren, was die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen und eben auch das Übergewicht sind.

teleschau: Gibt es nicht auch Kandidaten, die Sie zwar mit ins Camp nehmen, denen aber eigentlich eine Psychotherapie viel mehr helfen würde als sechs Wochen Motivationstraining im TV?

Soost: Wir wissen, dass diese Menschen gerade dabei sind, erwachsen zu werden. Sie sind sehr sensibel, weshalb auch wir sehr vorsichtig mit ihnen umgehen. Außerdem haben wir psychologische Berater dabei. Die kommen allerdings nicht vor der Kamera zum Einsatz. Das, was sie mit den Kandidaten aufzuarbeiten haben, passiert eher im stillen Kämmerlein.

teleschau: Was glauben Sie, sehen die Jugendlichen in Ihnen?

Soost: Sie sehen jemanden, der das, was er ihnen erzählt, nicht in Büchern gelesen hat - auch wenn ich natürlich sehr viel lese. Sie sehen jemanden, der ihnen schon etwas vorgelebt hat, denn ich habe ja selbst 32 Kilo verloren. Mittlerweile halte ich im fünften Jahr die Figur, die ich mir 2009 innerhalb von drei, vier Monaten erarbeitet habe. Dementsprechend besitze ich eine Glaubwürdigkeit gegenüber den Jugendlichen.

teleschau: Und was haben Sie bisher von den Teenagern lernen können?

Soost: Ohne Ende! Ich meine, es ist schon etwas anderes, wenn man mit "Popstars"-Kandidaten zusammen tanzt, damit sie eine gute Bühnen-Performance abliefern können, oder, wenn man mit Jugendlichen arbeitet, die wirkliche, auch körperliche Probleme haben. Von denen habe ich als Mensch, aber auch als Vater wirklich viel gelernt. Zum Beispiel, dass es nicht immer nur hilft, die Brechstange rauszuholen. Manchmal will ich, dass die Dinge schnell passieren. Dabei braucht einiges einfach auch mal ein, zwei Tage Zeit und Pause, damit es funktioniert. Man muss auch mal Luft holen können.

Quelle: teleschau - der mediendienst