Zeit für neue Helden

Zeit für neue Helden





Marvel baut seinen Filmkosmos weiter aus

Erst Iron Man und Hulk, dann Captain America und Thor, und am Rande noch Black Widow und Hawkeye: Superheld um Superheld baute sich Marvel sein Filmuniversum auf, um mit "Marvel's The Avengers" schließlich die mächtigste - und finanziell erfolgreichste - Heldentruppe aller Zeiten zu präsentieren. Mit den "Guardians Of The Galaxy" (Start: 28. August) bekommen die Avengers nun brüllend komische, aber durchaus ernstzunehmende Konkurrenz aus dem eigenen Hause. Die fünf schrägen Anti-Helden bilden nur die Vorhut einer neuen Comicfilm-Helden-Generation, die Marvel in den kommenden Jahren vorstellen wird.

Die Zukunft soll weiterhin Marvel gehören: Ganze elf Comic-Verfilmungen will die Disneytochter bis Mai 2019 in die Kinos bringen, enthüllte das Studio in den vergangenen Wochen. Hinter den meisten Startterminen stehen jedoch noch keine Titel oder klare Projektnamen, sondern die Worte "Untitled Marvel Film", die verschiedene Schlüsse zulassen.

Möglichkeit A: Marvel hat einen umfassenden Masterplan und will die Fans und die Konkurrenz nur noch eine Weile über die Details im Unklaren lassen. Möglichkeit B: Marvel hat nur einen groben Plan, will mit seiner Startterminplanung aber erst einmal die Konkurrenz einschüchtern und sich dann im Laufe der Zeit und mit Auge auf die aktuelle Marktentwicklung für konkrete Projekte entscheiden. Am wahrscheinlichsten erscheint jedoch Möglichkeit C: eine Mischung aus A und B.

Ein paar Fakten gibt es zumindest, an denen sich Comic-Enthusiasten festklammern können. Etwa daran, dass am 30. April 2015 das zweite große "Avengers"-Abenteuer ansteht. "Age Of Ultron" befindet sich mittlerweile in der Post-Production, bei der Comic-Con in San Diego gab es vor wenigen Wochen bereits erste Ausschnitte zu sehen. Nachdem der Filmzyklus von "Iron Man" über "Captain America" bis "Marvel's The Avengers" branchenintern als Marvels "Phase eins" bezeichnet wurde, soll mit diesem zweiten "Avengers"-All-Star-Spiel "Phase zwei" abgeschlossen werden.

Und der erste Held für "Phase drei" steht schon parat: Vor wenigen Tagen fiel - nach einem überraschenden Regisseurwechsel - die erste Klappe für Peyton Reeds "Ant-Man", der ab 23. Juli 2015 durch die Kinos krabbeln soll. Den Titelhelden, der auf Insektengröße schrumpfen kann, spielt Paul Rudd, weitere Hauptrollen haben Michael Douglas und "Hobbit"-Elbin Evangeline Lilly inne.

Doch auch wenn Marvels dritter Filmzyklus mit einer Neuvorstellung beginnt, soll "Phase drei" nicht ausschließlich von neuen Gesichtern geprägt sein. Schon auf dem nächstgelegenen Starttermin, dem 5. Mai 2016, hat sich ein alter Bekannter breitgemacht: Captain America. Insider vermuten allerdings, dass das dritte Abenteuer des "First Avenger" das letzte sein wird, in dem Chris Evans den Soldaten Steve Rogers alias Captain America geben wird: Falls Marvel und Evans nicht noch nachverhandeln, müsste sein Vertrag mit diesem Film auslaufen. Auch in den zugrundeliegenden Comics wird der blau-rot-weiße Schild irgendwann von Steve Rogers an einen anderen weitergegeben - und aufmerksamen Comic-Lesern wird nicht entgangen sein, dass jener Erbe in der Filmreihe schon in Position gebracht wurde. Chris Hemsworth dürfte hingegen nicht so schnell gegen eine weibliche Ausgabe von "Thor" ersetzt werden, wie es kürzlich in der Comic-Vorlage vorgemacht wurde - sein Vertrag umfasst angeblich nicht nur "Thor 3", sondern auch "Avengers 3".

Dann war es das aber schon mit den (halbwegs) bestätigten Projekten, von der Fortsetzung von "Guardians Of The Galaxy" am 27. Juli 2017 einmal abgesehen. Dass Marvel schon länger an einer Adaption von "Doctor Strange" arbeitet, ist jedoch ein wohl ganz bewusst schlecht gehütetes Geheimnis: Johnny Depp, Jared Leto und Benedict Cumberbatch wurden schon als potenzielle Anwärter auf die Rolle des Marvel-Magiers gehandelt, zuletzt berichteten die einschlägigen Blogs über Verhandlungen mit Joaquin Phoenix. Als Regisseur gilt Scott Derrickson als gesetzt, nachdem er ein Bild von sich und einem "Doctor Strange"-Comic mit dem Begleittext "Mein nächster Film wird strange" twitterte.

Twitter sei Dank dürfen Comic-Kenner auch auf eine Verfilmung von "Black Panther" hoffen: John Boyega, einer der neuen "Star Wars"-Helden und somit eh schon Teil der großen Disney-Familie, erklärte Ende Juli in einem Tweet zunächst, dass er auf eine Marvel-Rolle aus sei, und anschließend, dass er einen Flug nach Wakanda buchen würde: in das fiktive afrikanische Königreich, in dem der Marvel-Krieger in den Comics aufwuchs. Vin Diesel hingegen heizte die Gerüchteküche an, indem er bei Facebook vermutete, dass Marvel ihn für "inhuman" halte - ein Hinweis darauf, dass eines der titellosen Filmprojekte in den kommenden Jahren die Geschichte der "Inhumans" erzählt?

Doch auch die angestammten "Avengers"-Helden könnten noch ein paar Solo-Missionen abbekommen: Mit ihrem Actionfilm "Lucy" ließ Scarlett Johansson erneut die Rufe nach einem "Black Widow"-Einzel laut werden, und auch einem neuen "Hulk"-Film sollen die Entscheider bei Marvel nun aufgeschlossener gegenüberstehen als noch vor ein paar Jahren. Und dann wäre ja noch "Iron Man", der finanziell bisher erfolgreichste Avenger. Genügend Auswahl hat Marvel also. Ob das Interesse des Publikums an Comic-Verfilmungen bis 2019 jedoch weiterhin so groß bleiben wird, steht auf einem andern Blatt Papier. Immerhin wollen Warner und DC Comics bis Ende 2020 zwölf Filme in die Kinos bringen, Sony kündigte bislang vier Filme aus dem Spider-Man-Universum an, und Fox hofft neben seinen wahnsinnig beliebten "X-Men" auch die neu aufgelegten "Fantastic Four" zu positionieren - vielleicht doch zu viel Comic in zu kurzer Zeit?

Quelle: teleschau - der mediendienst