Ohne dich

Ohne dich





Voll das Leben

Leben und Tod, Liebe und Verlust, Glück und Schmerz, Hoffnung und Verzweiflung - alles ist unzertrennbar miteinander verbunden. Für Alexandre Powelz, Absolvent der Internationalen Filmschule Köln, bieten diese Zusammenhänge existenzielles narratives Material, das er in "Ohne dich" in der bewährten Struktur des Episodenfilms arrangiert. Kein schlechter Ansatz im Prinzip, doch wurde von unseren Ängsten und Sehnsüchten im deutschen Film schon wesentlich eindringlicher (Oskar Roehler) und im skandinavischen Kino (Susanne Bier) schon wesentlich komplexer und überzeugender erzählt.

Es sind drei unterschiedlich gewichtete Geschichten, um die es hier geht: Zum einen ist da das gut situierte Stuttgarter Pärchen, das alles zu haben scheint. Doch Rosa (Katja Riemann) ist todkrank, ihr Ableben unausweichlich, auch wenn ihr Mann Marcel (Charly Hübner) das nicht wahrhaben will.

Die fast schon homophobe Eigenbrötlerin Motte (Helen Woigk aus "Das Leben ist nichts für Feiglinge"), die in einem Bauwagen ihr Dasein fristet, hat ganz andere Probleme: Nach dem Gelegenheitssex mit ihrem besten Freund Neo (Arne Gottschling), der für sich noch nicht geklärt hat, ob er schwul ist, wird sie schwanger und weiß nicht, wie es für sie weitergehen soll. Auch Rosas Putzfrau Layla (Meral Perin), die die Trennung von ihrem jüngeren Liebhaber nicht akzeptieren will, befindet sich in einer Sackgasse. Die Wege dieser Menschen überschneiden sich, so verlangt es das Genre, und jeder muss für sich selbst den richtigen Weg finden.

Katja Riemann gibt die sterbenskranke Hebamme mit gewohnt vorbehaltslosem Körpereinsatz; ihr Geschrei und ihre Angst im Angesicht des Todes - das alles wirkt glaubhaft, wenn auch routiniert. Am authentischsten ist das Spiel von Charly Hübner, der souverän in die Rolle des verzweifelten Gatten schlüpft, der sich mit dem nahenden "Ohne dich" arrangieren muss. Auch Helen Woigk kann allein mit ihrem hübschen, überwiegend motzigen Gesicht die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen durchspielen. Im Vergleich dazu ist die Episode von Meral Perin und ihrem Ex-Lover Navid (Bijan Zamani), der sich längst mit einer Jüngeren vergnügt, schauspielerisch eher dürftig geraten, was aber auch an den banalen Dialogen ("Schläft sie mit dir, so wie ich mit dir geschlafen habe?") liegt.

Regisseur Alexandre Powelz ist mit großen Ansprüchen angetreten, das steht außer Frage. Das Setdesign, die Komposition der Bilder, auch die Art und Weise, in der die sonst eher schnöde Schwabenmetropole Stuttgart in Szene gesetzt wird, ist dank der Kamerafrau Eeva Fleig ("Westwind", 2010) durchaus gelungen. Doch irgendwie beschleicht einen bei diesem Debütfilm das Gefühl, all das schon mal woanders gesehen zu haben. Etwa in den Szenen, in denen mit unabdingbarem Lebenswillen dem Tod entgegengetanzt wird; oder wo Rosa und Marcel wie in einem Bertolucci-Reigen durch die üppige Blumenwiese hüpfen oder in gemeinsamer Runde mit dem Joint die Tragik unseres Daseins humorvoll vernebelt wird. So bleibt der gut gemeinte Film hinter seinen Möglichkeiten zurück. Originell geht anders.

Quelle: teleschau - der mediendienst