Hercules

Hercules





Helden der Selbstverherrlichung

Klappern gehört zum Handwerk. Das war in der Antike so, heute gilt es weiterhin - und in Hollywood sowieso. Dass "Hercules", den im gleichnamigen Haudegenfilm Dwayne Johnson spielt, ein Halbgott ist, wissen bereits Schüler. Dennoch lohnt es sich, dem eigenen Ruhm ein wenig nachzuhelfen - durch geschickte Ausschmückungen der Kraftproben und durch ein selbstbewusstes Auftreten. Regisseur Brett Ratner und seine Drehbuchautoren haben dem Antikenheld deshalb einen PR-Spezialisten zur Seite gestellt: seinen Cousin Iolaus (Reece Ritchie), der sich mit Feuereifer darum bemüht, den Hercules-Mythos am Leben zu erhalten. Eine witzige Idee in einem ansonsten eher überraschungsarmen, harmlosen Action-Getümmel.

Wie Hercules Berühmtheit erlangte, wird ganz schnell im CGI-animierten Vorspann aufgefrischt, in dem man den Kraftprotz etwa gegen den Nemëischen Löwen kämpfen sieht, dessen Fell er fortan um seinen muskulösen Oberkörper trug. Der Sohn des Zeus, der mit schier übermenschlicher Körperkraft und einem robusten Optimismus gesegnet ist, zehrt seither zwar von seinem guten Ruf, muss sich seine Brötchen aber doch auf die zupackende Art verdienen: Zusammen mit einer kleinen Schar harter Kämpfer - darunter der Wahrsager Amphiaraus (Ian McShane, "Deadwood"), Heißsporn Autolycus (Rufus Sewell, "Abraham Lincoln: Vampirjäger") und die Bogenschützin Atalanta (Ingrid Bolsø Berdal, "Hänsel und Gretel: Hexenjäger") - lässt sich Hercules als Söldner anheuern, etwa um gefürchtete Piraten zu vertreiben.

Der neueste Auftrag führt die Glücksrittertruppe, die sich am liebsten in Gold bezahlen lässt, an den Hof von König Cotys (John Hurt) in Thrakien. Der Herrscher kämpft scheinbar auf verlorenem Posten: Sein Reich und die Residenzstadt, die voller Flüchtlinge steckt, wird von seinem Rivalen Rhesus (Tobias Santelmann, "Kon-Tiki") bedroht. Dorf für Dorf zerstört dessen brutale Armee, Gefangene werden nicht gemacht. Die Söldnertruppe um Hercules erhält eine Mission, die einem Himmelfahrtskommando gleicht: Binnen kürzester Zeit müssen sie die Krieger von Thrakien, die eigentlich mehrheitlich unerfahrene Bauernburschen sind, zu schlagkräftigen Kämpfern ausbilden. Schweißtreibender ist für Hercules allerdings der Kampf gegen innere Dämonen: Immer wieder durchzucken ihn Erinnerungen an den blutigen Tod seiner Frau und seiner Kinder. Und immer mehr erhärtet sich sein Verdacht, dass König Cotys nicht wirklich zu trauen ist.

Diesmal durfte sich "Rush Hour"-Regisseur Brett Ratner daran versuchen, das in zahllosen Sandalenschlacht-Monumentalfilmen plattgetretene Genre des Antikenfilms zeitgemäß wiederzubeleben. Renny Harlins "The Legend of Hercules", ein ähnliches Projekt, war zuletzt gefloppt. Tatsächlich zieht sich Ratner aber nicht ungeschickt aus der Affäre: Er nimmt das Genre nicht bierernst, inszeniert zwar kernige Kämpfe, die es durchaus in sich haben, gönnt den Zuschauern aber reichlich Humor, darunter auch viel Selbstironisches. Hercules unterläuft - den oft albern dahingeplapperten Lobeshymnen seines Bewunderers und "Pressesprechers" Iolaus zum Trotz - selbst bereitwillig die Klischee-Erwartungen. Als wolle er seinem Publikum, auch den ehrfürchtigen Bewohnern von Thrakien, stets mit einem Augenzwinkern entgegen zu treten.

Anders als die blutige Eingeweideschau "300" von Regisseur Zack Snyder setzt diese Verfilmung, die wenig bis gar kein Antiken-Vorwissen voraussetzt, auf etwas weniger Härte - und kompensiert dies mit unverkrampfter Lässigkeit. Heraus kommt ein Film, für den man sich am liebsten so etwas wie altgriechisches Popcorn in den Schoß der Tunika schaufeln möchte. Ein wirklich originelles Werk, das weit von den erwartbaren Handlungsmustern abweicht, entstand allerdings trotzdem nicht. Hercules hätte eben nicht nur einen Propaganda-Beauftragten benötigt, sondern auch einen geschickten Dramaturgen.

Quelle: teleschau - der mediendienst