Lola auf der Erbse

Lola auf der Erbse





Kleine Helden, große Sorgen

Lola rennt - und zwar zu schmissiger Brassmusik vor den anderen Kindern davon. Ihre Klassenkameraden, wird die Elfjährige den Zuschauern gleich erklären, finden sie nämlich irgendwie komisch. Ein bisschen anders als die anderen ist Lola ja wirklich: Mit ihrer Mutter wohnt sie nicht in einem Haus, sondern auf einem Boot, der "Erbse". Ihren Hals hat sie seit Jahren nicht gewaschen, denn sie möchte den Kuss aufbewahren, den ihr Vater ihr gab, kurz bevor er sich "in Luft auflöste". Und nicht mal ein Handy hat das Mädchen! Eigentlich beste Voraussetzungen für ein modernes Pippi-Langstrumpf- oder Ronja-Räubertochter-Abenteuer. Doch "Lola auf der Erbse" ist mehr als nur eine Geschichte über eine sympathische Außenseiterin, die nicht allzu viel auf die Meinung anderer gibt.

Dass die durch die Bank fiesen Kinder in ihrer Klasse sie hänseln, scheint Lola (Tabea Hanstein) nicht weiter zu stören. Vielmehr ärgert sie, dass ihre Mutter (Christiane Paul) jetzt einen neuen Freund (mit Vokuhila und Magnum-Gedächtnis-Schnurrbart: Tobias Oertel) hat. Dabei könnte ihr Papa, der in ihren Träumen allabendlich ein Schlaflied singt, doch jederzeit zu ihnen zurückkehren. Bald jedoch muss Lola feststellen, dass ihren neuen Mitschüler Rebin (Arturo Perea Bigwood) noch größere Sorgen plagen: Der hat nicht nur kein Handy, sondern geht augenblicklich auf Tauchstation, sobald sich Polizeiobermeister Strube (Peter Fieseler) auch nur nähert. Eigentlich, beichtet der dunkelhaarige Junge ihr schließlich, dürfte er nämlich gar nicht in Deutschland sein ...

Wie lässt sich Kindern erklären, dass manche Menschen in Deutschland als illegal gelten? Und was hat das für diese Menschen eigentlich zu bedeuten? Regisseur und Autor Thomas Heinemann gelingt es, diese schwierigen Fragen in seinem Film kindgerecht zu beantworten. Natürlich zeigt er das Leben illegaler Einwanderer nicht in seiner vollen Härte, schließlich soll "Lola auf der Erbse" in erster Linie ein Kinderfilm und kein Sozialdrama sein. Doch er findet gute, nachvollziehbare Beispiele, um deren Lebenssituation zu veranschaulichen.

Gelacht werden darf in "Lola auf der Erbse" dennoch. Natürlich nicht über die komplizierte Lage, in der sich Rebin und seine Familie befinden, sondern über überzeichnete Nebenfiguren wie den biestigen Nachbar Barkelt ("Tech-Nick" Antoine Monot, Jr.), die resolute Schulleiterin Frau Kuhbart (Beles Adam) oder den freundlichen Kapitän Solmsen (Olaf Krätke). Manch erwachsenen Zuschauern mag der Humor hier und da vielleicht ein wenig zu kindlich und der ein oder andere Handlungsabschnitt zu langatmig vorkommen. Doch die können sich inzwischen ja Gedanken darüber machen, wie sie die Fragen beantworten wollen, die ihnen ihre Kinder auf dem Nachhauseweg stellen werden.

Quelle: teleschau - der mediendienst