Erlöse uns von dem Bösen

Erlöse uns von dem Bösen





Von jedem Dämon eine Prise

"Es gibt zwei Arten des Bösen in diesem Leben: Das sekundäre Böse, das die Menschen tun. Und das primäre Böse, das etwas völlig anderes ist." In pechschwarzen Worten redet Priester Mendoza (Édgar Ramírez) verschwörerisch auf den Polizisten Ralph Sarchie (Eric Bana) ein, der bei den Ermittlungen zu einer Serie verstörender Morde auf unerklärliche Dinge gestoßen ist. Weil der ansonsten pragmatische Cop in "Erlöse uns von dem Bösen" davon über die Maßen verunsichert ist, verbündet er sich mit einem geistlichen Exorzisten, um vor der Kulisse eines düster gezeichneten New Yorks in einer ebenso zusammengestückelten wie unterhaltsamen Genre-Hommage Wohlbekanntes zu bekämpfen.

Scott Derrickson muss man sich wohl als einen Regisseur vorstellen, der thematisch nicht nur dem Okkultismus ("Sinister") und Exorzismus ("Der Exorzismus der Emily Rose") zugeneigt ist, sondern auch als entscheidungsunfreudig gelten darf. Anders ist sein aus gefühlt allen Gattungen des Genres herbeigebasteltes, neuestes Horror-Werk kaum zu erklären.

So setzt der ehemalige Film- und Theologiestudent in "Erlöse uns von dem Bösen" nicht nur auf seine Lieblingselemente Dämonenbeschwörung und Teufelsaustreibung, sondern packt gleich ein paar Bündel Pseudo-Werwolf-Tierhorror, Poltergeist-Gepoltere und Kleine-Grusel-Mädchen-Schock mit obendrauf. Als wäre das nicht genug, kommt eine kleine Portion Cop-Movie ebenso hinzu wie das unvermeidliche Quäntchen Familiendrama und die nötige Menge Irakkriegs-Trauma.

Was nun klingt wie ein unerträglich zusammengeklautes Machwerk, funktioniert als eingängige Hommage an den besseren Paranormal-Horror-Film und den herbstlich-grauen Psychogrusel der 70er-Jahre erstaunlich gut. Im schönsten Film-Noir-Stil schleicht und recherchiert sich Polizist Sarchie durch eine unwirkliche Bronx, in der eine augenscheinlich besessene Frau ihr Neugeborenes in den Löwenkäfig im Zoo wirft, Kellergeister ihr Unwesen treiben und entsetzlich entstellte Leichen vor Wänden mit archaisch anmutenden Symbolen gefunden werden.

Mittendrin bewegt sich ein seltsamer Kapuzenmensch durch die Gegend, während zwei Irakkriegs-Veteranen unerklärliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Wie die Jungfrau zum Kinde findet der Cop zum Dämonenauskenner Mendoza, der die Ursache der Verbrechen natürlich sofort in übernatürlichen bösen Kräften ausmacht. Da dieser als smarter, cooler und vertrauenswürdiger Latino-Lederjacken-Priester daherkommt, lässt sich Sarchie innerhalb von fünf Filmminuten von seinen gänzlich diesseitigen Überzeugungen abbringen und begibt sich auf Geistersuche.

Tatsächlich beruht der unterhaltsame Großstadt-Grusel auf der wahren Geschichte des echten Ralph Sarchie, der darüber ein Buch namens "Beware The Night" veröffentlichte. Die angeschnittenen privaten Probleme des Hauptprotagonisten basieren sicher auf der Vorlage, verleihen dem Film aber eine gekünstelte Intimität, die er gar nicht benötigt. Denn auch wenn man das alles natürlich schon kennt, die Dämonen und Stimmen, die Besessenen und Verrückten, die Symboliken und Flüche - "Erlöse uns von dem Bösen" macht als eklektizistisch komponiertes Horrordrama zwar vieles zu viel, aber vieles richtig - inklusive einem der am schönsten inszenierten Exorzismen der Filmgeschichte.

Quelle: teleschau - der mediendienst