Andrea Sawatzki

Andrea Sawatzki





"Die Liebe zum Leben wächst noch mehr"

Andrea Sawatzki gehört zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands. Nach über 20 Jahren im Filmbusiness kann sich die 51-Jährige ihre Rollen nicht nur aussuchen, sie schreibt sie sich neuerdings auch selbst auf den Leib: Am 11. August ist ihr dritter Roman "Von Erholung war nie die Rede" erschienen. Ihre ersten beiden Bücher werden in diesem und im nächsten Jahr verfilmt - natürlich mit ihr höchstpersönlich in der Hauptrolle. In ihrem Andalusien-Urlaub im August nahm sich die sympathische Rothaarige Zeit, um über ihre Leidenschaften Schreiben, Laufen und die Liebe zu ihrem Mann Christian Berkel zu sprechen. Außerdem verriet die gebürtige Bayerin, wie sehr es sie nervt, wenn sich andere Leute in die Kindererziehung einmischen und was aus "Bella" wird, die sie in den beiden ZDF-Filmen "Bella Casa" (04.09., 20.15 Uhr) und "Bella Amore" (25.09., 20.15 Uhr) verkörpert.

teleschau: Vielen Dank, dass Sie sich in Ihrem Urlaub Zeit für ein Gespräch nehmen. Wo verbringen Sie die Ferien?

Andrea Sawatzki: Ich fahre mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen immer in denselben kleinen Ort in Andalusien. Meine Männer waren schon eine Woche vor mir hier. Ich musste noch arbeiten und bin später dazugekommen. Ich drehte einen sehr schönen Film für das ZDF: "Inas neues Leben". Es geht um eine Frau, die ihre Arbeit verliert als Chefsekretärin. Der Chef wird gespielt von August Zirner. Eine schwarze Komödie.

teleschau: Im September zeigt das ZDF zwei weitere "Bella"-Filme. Sie spielen eine Alleinerziehende, die mit Kind, Job und zusätzlichen Problemen an ihre Grenzen stößt. Damit können sich mit Sicherheit viele Frauen identifizieren ...

Sawatzki: Ich stelle es mir als Alleinerziehende auch wahnsinnig schwer vor. Als unsere Kinder klein waren, fand ich es manchmal schon schwierig, die Organisation des Alltags und des Berufslebens zu bewältigen - und dass, obwohl ich einen Partner an meiner Seite habe, der mich unterstützt. Trotzdem fühlt man sich manchmal überfordert, vor allem weil man oft auf wenig Entgegenkommen stößt und die Normen und Regeln erfüllen soll. Wenn man das nicht schafft, wird man sofort schief angeguckt. Mitgefühl wird da leider oft sehr klein geschrieben.

teleschau: Sie meinen, Frauen sollen Karriere und Kindererziehung wie einen Spaziergang meistern und abends am besten noch ein biologisches Drei-Gänge-Menü kochen?

Sawatzki: Genau, das ist mir auch aufgefallen: Die anderen Leute wollen sich immer in die Ernährung von anderen Kindern einmischen! Ich versuche aber, meinen Kindern das zu kochen, was ihnen schmeckt. Das ist dann oft kein Vollwert-Bio-Produkt, sondern auch gerne mal einfach Spaghetti. Ich meine: Die Italiener sind daran auch noch nicht gestorben! (lacht!) Ein Thema, das ich auch in meinem neuen Roman, "Von Erholung war nie die Rede", verarbeitet habe. Es ist die Fortsetzung von "Tief durchatmen, die Familie kommt". Beides sind Romane über eine Frau um die 50, Gundula Bundschuh, die versucht, ihr Wunschbild von einer tollen, harmonischen Familie aufrechtzuerhalten, obwohl in ihrer Familie immer alles schiefgeht. Die Kinder verhalten sich auch nicht so, wie sie sich das wünschen würde, der Mann hilft nicht, und die Hunde machen ständig Blödsinn. Der zweite Roman wird ab Oktober 2014 verfilmt.

teleschau: Mit Ihnen in der Hauptrolle?

Sawatzki: Genau, als Gundula Bundschuh. Nächstes Jahr werde ich dann versuchen, mal wieder ein paar ernstere, vielleicht thrillerartige Filme zu drehen. Damit ich nicht zu sehr auf bestimmte Rollen festgelegt werde.

teleschau: Gibt es da bereits ein konkretes Projekt?

Sawatzki: Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr mein anderes Buch "Ein allzu braves Mädchen", das eine Art Psychothriller ist, verfilmen können.

teleschau: Sie schreiben sich jetzt also Ihre Wunschrollen direkt auf den Leib, anstatt auf passende Drehbücher zu warten?

Sawatzki: (lacht) Ja! Es ist ein schönes Gefühl, dass meine Romanfiguren auch bei den Produzenten und Redakteuren so gut ankommen. Es ist toll, dass sie sagen, dass sie sich die Frauen, die in meinen Büchern beschrieben sind, vorstellen können.

teleschau: Wie geht es bei "Bella" weiter? Wird "Bella Amore" wirklich der letzte Teil sein?

Sawatzki: Ja. Es ist jetzt genug. In "Bella Amore" trifft Bella wieder auf ihren Ehemann, von dem sie sich getrennt hat. Der hat sich dummerweise in eine Frau verliebt, die Bella gar nicht ausstehen kann. Wie es am Ende ausgeht, kann ich natürlich nicht verraten.

teleschau: Dürfen die Fans dem Titel "Bella Amore" nach auf ein Happy End hoffen?

Sawatzki: Sagen wir mal so: Bella wird sich zum Schluss nicht aus Liebeskummer umbringen.

teleschau: Von Liebeskummer sind Sie ja ebenfalls weit entfernt: Seit über 15 Jahren sind Sie mit Christian Berkel zusammen. Gibt es ein Beziehungsgeheimnis?

Sawatzki: Ein Rezept haben wir nicht. Aber ich finde, wenn ein Paar zusammenkommt und eine Familie gründet, dann trägt es eine gewisse Verantwortung. Man darf dann nicht sofort die Flinte ins Korn werfen, wenn es mal nicht hundertprozentig perfekt läuft. Abgesehen davon, dass wir wirklich gut zusammenpassen, ist es erforderlich, dass jeder an sich selbst arbeitet, damit eine Beziehung über einen langen Zeitraum funktionieren kann. Man sollte nicht immer die Schuld beim anderen suchen. Oft ist es ja sogar so, dass man den Partner kritisiert wegen Dingen, die einen eigentlich an einem selbst stören. Das ist verrückt. Deshalb sollte man versuchen, auch bei sich selbst die Augen offen zu halten - was nicht immer angenehm ist.

teleschau: Gibt es Dinge, die Sie gerne alleine machen, nur für sich selbst?

Sawatzki: Schreiben, Dreharbeiten und Spaziergänge. Mit den Hunden durch den Wald zu laufen und nicht reden zu müssen, das ist manchmal sehr schön. Ansonsten haben wir einen großen Freundeskreis, wo die meisten Paare auch Kinder haben, sodass mein Mann und ich und unsere Söhne die Freizeit größtenteils zusammen verbringen. Das ist auch immer sehr lustig, vor allem, weil wir sehr unterhaltsame Kinder haben. Die möchte ich nicht missen in meinem Leben.

teleschau: Ihre Filmfigur Bella stößt in "Bella Casa" an ihre Grenzen - wann ist das bei Ihnen der Fall?

Sawatzki: Wenn ich mir meinen Tag zu voll geschaufelt habe, kann das schon mal passieren. Zum Beispiel, wenn ich schon zum ersten Termin zu spät komme. - Ich bin nicht die Pünktlichste, und wenn dann alles nach hinten rutscht und ich zu sämtlichen Folgeterminen auch zu spät komme und somit dem Tag hinterherhinke, macht mich das wahnsinnig. Langsam wird es zwar ein bisschen besser mit meiner Pünktlichkeit, aber ein bisschen braucht es wohl noch, bis ich perfekt bin (lacht).

teleschau: Was tun Sie, um Ihre innere Balance zu bewahren und sich eben nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. "Bella" hält ja nicht viel vom Meditieren, sondern schläft im Film dabei ein, anstatt sich zu entspannen. Geht es Ihnen ähnlich?

Sawatzki: Ja, für mich ist das auch nichts. Obwohl alle meine Freundinnen Yoga machen und meditieren und darauf schwören. Ich bin da echt ein Außenseiter. Ich habe einmal Meditation ausprobiert, aber ich glaube, ich habe da was falsch gemacht. Ich habe auf jeden Fall nichts gemerkt. Ich habe mir dabei ebenso wie "Bella" gedacht: "Wann ist das endlich vorbei!" Ich muss dann eher durch den Wald rennen, um mich zu entspannen! Rennen ist immer gut!

teleschau: Was tun Sie für Ihre Schönheit?

Sawatzki: Gar nicht viel. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem man sich wieder mehr auf das Wesentliche konzentriert. Es ist ja jetzt auf jeden Fall eine gute Halbzeit erreicht. Jetzt kann ich viele Dinge gelassener sehen. Das hört sich vielleicht ein bisschen abgedroschen an und ich hätte das auch nie erwartet. Aber es ist so, dass man sich jetzt der knapper werdenden Zeit bewusst wird. Es wächst noch mehr die Liebe zum Leben, weil man sich der Endlichkeit bewusst wird. Deshalb möchte ich die nächsten Jahre voll auskosten und genießen. Ich freue mich total darauf. Diese Einstellung überträgt sich dann auch auf das Äußere, denke ich. Das ist vielleicht das Geheimnis. Anders kann ich das nicht erklären.

teleschau: Haben Sie also keine Angst vorm Älterwerden?

Sawatzki: Natürlich denke ich manchmal: Puh, wenn mein ältester Sohn, der jetzt 14 ist, aus dem Haus ist, dann gehe ich stark auf die 60 zu. Das ist dann schon ein stolzes Alter. Aber ich war jetzt gerade mit meinen Kindern Wasserski fahren, und es war total lustig. Ich kann nicht bestätigen, was viele Leute sagen, dass es mit 50 körperlich stark bergab geht. Das trifft auf mich nicht zu. Im Gegenteil: Ich treibe mich jetzt eher an meine Grenzen, zum Beispiel mit Joggen und seit Neuestem Wasserski.

teleschau: Sie und Ihr Mann werden mithin als bestgekleidetes Promipaar Deutschlands bezeichnet: Wie wichtig ist Ihnen Mode?

Sawatzki: In Sachen Mode sieht es bei uns so aus: Wir fahren etwa einmal im Jahr mit unseren Söhnen nach Paris übers Wochenende. Dort wohnen wir dann bei Freunden und gehen shoppen. Da gibt es ein Geschäft, wo wir eigentlich fast alles kaufen. In Deutschland gehen wir eigentlich nie shoppen.

teleschau: Wie eitel sind Sie? Brauchen Sie morgens lange im Bad?

Sawatzki: Nein, eigentlich nicht. Wenn ich nicht arbeite, sieht mich ja auch keiner. Dann bringe ich die Kinder in die Schule und mache den Haushalt und kaufe ein und erschrecke mich dann vielleicht ein bisschen, wenn ich aus Versehen in den Spiegel gucke (lacht). Aber ich habe einfach nicht so große Lust, mich stundenlang zurechtzumachen. Wenn ich abends weggehe, brauche ich aber auch nicht lang: Eine Viertelstunde würde ich schätzen.

teleschau: Das ist wenig!

Sawatzki: Als ich jung war, habe ich mich immer sehr viel geschminkt, daher habe ich jetzt Übung darin. Früher habe ich auch viel ausprobiert. Mittlerweile hat sich das reduziert. Jetzt merke ich langsam mit dem Alter, dass weniger Make-up mehr ist!

teleschau: Vielen Dank für das Gespräch. Genießen Sie Ihren Urlaub!

Sawatzki: Dankeschön. Ich werde jetzt in den Fischladen im Dorf gehen und für das Abendessen sorgen.

Quelle: teleschau - der mediendienst