Lauren Bacall

Lauren Bacall





Die Kunst des Pfeifens

Den alten Zeiten nachtrauern musste sie nicht. Als eine der letzten Grande Dames Hollywoods war Ehrenoscarpreisträgerin Lauren Bacall noch bis ins hohe Alter als Darstellerin gefragt. Nun verstarb die Hollywoodikone, die am 16. September 90 Jahre alt geworden wäre, nach einem schweren Schlaganfall in ihrer Wohnung in New York.

Lauren Bacall galt, als sie 1944 an der Seite ihres späteren Ehemannes Humphrey Bogart ihre Karriere in der Hemingway-Verfilmung "Haben und Nichthaben" begann, als eine der schönsten Frauen Hollywoods. Die Stärke und die weibliche Dominanz, die sie ausstrahlte, waren das Sinnbild eines neuen Frauentyps. Einem, der sich durchzusetzen vermag gegen männliche Dominanz, ohne dabei den Sexappeal zu verlieren. Legendär ist die Szene, in der ihre Marie Bogarts Harry erklärte, er solle pfeifen, wenn er sie brauche - er wisse doch wohl, wie das ginge? Wie hätte sich Bogart nicht in diese Frau verlieben können?

Bacalls große Zeit als Schauspielerin waren die späten 40er- und 50er-Jahre. Die Zeit, in der sie mit Bogart in Klassikern wie "Tote schlafen fest" (1946), "Die schwarze Natter" (1947) und "Key Largo" (1948) spielte - ihre besten Filme, wie viele Kritiker rückblickend meinen. In den 60-ern machte sich die Mutter dreier Kinder (eine Tochter und ein Sohn aus der Ehe mit dem 1957 verstorbenen Bogart und ein Sohn aus der 1969 geschiedenen Ehe mit Jason Robards) rarer auf der Leinwand. Außer einigen Gastspielen in Fernsehserien drehte sie gerade mal eine Hand voll Filme. "Der Mörder mit der Gartenschere" (1964), "Ein Fall für Harper" (1966) zusammen mit Paul Newman und "Mord im Orient Express" (1974) mit Ingrid Bergman zählen zu den wichtigsten Produktionen dieser beruflich eher ruhigen Dekaden.

Natürlich blickte Betty Joan Perske, wie die Tochter jüdischer Immigranten eigentlich hieß, gelegentlich wehmütig auf die goldene Ära des amerikanischen Kinos zurück. "Wo sind die Cagneys, die Gables, die Stewarts, die Bogarts?", fragte sie einst provokant. "Die Mehrzahl der jungen Mimen heutzutage will berühmt und reich werden - und das möglichst schnell. Dass es sich bei der Schauspielerei um ein kreatives Handwerk handelt, das man lernen muss, das begreifen viele nicht." Dennoch schien sie immer noch Freude daran zu haben, mit der jungen Generation zu drehen. Zweimal stand die New Yorkerin etwa für den dänischen Avantgarde-Filmer Lars von Trier vor der Kamera, in dessen amerikakritischen Werken "Dogville" (2003) und "Manderley" (2005). Für den US-Regisseur Paul Schrader spielte sie in "The Walker" (2007) an der Seite von Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas und Moritz Bleibtreu.

Auch als Synchronsprecherin war sie begehrt - für das japanische Zeichentrick-Meisterwerk "Das wandelnde Schloss" (2004) sprach sie die böse Hexe, zuletzt lieh die Schauspielerin gar einer Figur in "Family Guy" ihre markante Stimme. Für Seth MacFarlane, den Macher der frechen Zeichentrickserie, war es eine Ehre: "Danke, Lauren, dass du uns allen das Pfeifen beigebracht hast", twitterte er mit Blick auf den berühmten Moment aus "Haben und Nichthaben", nachdem er von Bacalls Tod erfuhr. "Du wirst vermisst werden, mehr noch, du wirst gefeiert werden."

Quelle: teleschau - der mediendienst