Sasha

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Das Kreuz mit dem Casting

Sasha ist einer der erfolgreichsten deutschen Popstars der 90-er und Nullerjahre. 17-mal "Gold" und sechsmal "Platin" erzielten seine Veröffentlichungen im In- und Ausland. Dabei musste der heute 42-Jährige für seine Karriere hart kämpfen. Aus ärmlichen Verhältnissen in der westfälischen Provinz stammend scheiterte er zunächst mit diversen Bandprojekten, unterbrach den Wunsch, von der Musik leben zu können, durch ein kurzzeitiges Lehramtsstudium, bevor er über Jobs als Backgroundsänger und Duettpartner endlich als Solokünstler Gehör fand. Seit der Single "If You Believe" (1998) ist Sasha fester Bestandteil des deutschen Pop-Establishments. Mit dem Rockabilly-Projekt Dick Brave erfand er 2002 gar ein zweites, erfolgreiches Pop-Alter Ego. Nachdem Sasha bereits Teil des deutschen Popstar-Ensembles war, welches in der VOX-Show "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" zum überraschenden Frühjahrs-Quotenhit wurde, sitzt er nun für die RTL-Castingshow "Rising Star" (ab Donnerstag, 28. August, 20.15 Uhr) zum ersten Mal fest in einer Jury.

teleschau: Würden Sie als unbekannter Musiker heute auch an einer Casting-Show teilnehmen?

Sasha: Mit 20 hätte ich das sicher nicht getan. Damals hatte ich eine Band und glaubte fest an diese Band. Andererseits haben wir damals an vielen Talentwettbewerben teilgenommen, sozusagen die Casting-Shows der alten Zeit. Später dann, mit Mitte 20, lief es eine Weile lang gar nicht gut für mich als Musiker. Da hätte ich eine Casting-Show sicher angenommen. Weil es so etwas damals nicht gab, habe ich erst mal Lehramt studiert (lacht).

teleschau: Es gibt ja diesen Generalverdacht, dass Leute, die über eine Casting-Show bekannt werden, keine nachhaltige Karriere erwartet. Stimmt das so?

Sasha: Eine längere Karriere hängt von vielen Faktoren ab. Viele Casting-Show-Gewinner sind ganz jung und werden vom System um sie herum überfordert. Oft haben sie die falschen Berater, treffen falsche Entscheidungen und so weiter. Deshalb fand ich es auch toll, dass es bei "Rising Star" ein einjähriges Musikstipendium zu gewinnen gibt. Der Gewinner erhält quasi eine Ausbildung. Dazu Zeit und Ruhe, sich weiterzuentwickeln und zu lernen.

teleschau: Einen Plattenvertrag gibt es allerdings auch als Preis - und damit sicher die Verpflichtung, mit der Plattenfirma Sony schnell ein Album auf den Markt zu werfen.

Sasha: Natürlich wäre es wünschenswert, wenn man sich mit einer solchen Produktion mehr Zeit ließe. Aber es gibt durchaus Beispiele für erfolgreiche Casting-Stars. Die No Angels waren die erste gecastete Band aus Deutschland. Sie hatten über Jahre großen Erfolg, sogar im Ausland.

teleschau: Die Beispiele im TV gekürter "deutscher Superstars" und "Voices of Germany", die nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwunden waren, sind allerdings zahlreicher.

Sasha: Natürlich. Man darf nicht vergessen, eine Casting-Show ist ein industrielles Produkt. Sie hilft erst mal - wenn es gut läuft - dem Sender und der Plattenfirma. Dem "Talent" verschafft sie Aufmerksamkeit für kurze Zeit. Danach beginnt der spannende Teil der persönlichen Geschichte. Man darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, und man muss die richtigen Entscheidungen treffen. Wenn ein Casting-Show-Sieger die Qualität hat, gibt es keinen Grund, warum er sich nicht als Musiker durchsetzen sollte.

teleschau: Früher waren Casting-Stars immer blutjung. Spätestens seit "The Voice of Germany" sieht man in solchen Formaten oft auch gestandene, ältere Musiker. Was ist da passiert?

Sasha: Es ist einfach eine Entwicklung. Diese älteren, oft ganz großartigen Musiker haben oft eine tragische musikalische Geschichte hinter sich. Seit die Musik-Casting-Formate ernsthafter geworden sind, was man auch daran sieht, dass viele bekannte, erfolgreiche Musiker in den Jurys sitzen, haben diese Talente erkannt, dass man sich hier noch einmal beweisen kann. Einige dieser älteren Musiker haben das in TV-Shows der letzten Jahre probiert und damit für andere das Eis gebrochen. Ich finde, es ist eine gute Entwicklung. Man bekommt einfach noch mal eine Chance - wo früher der Ofen in Sachen Karriere aus gewesen wäre.

teleschau: Ist es heute leichter oder schwerer, als Talent auf sich aufmerksam zu machen, als vor 20 Jahren?

Sasha: Eine Zeit lang dachte ich, es wäre heute einfacher. Es gibt Casting-Shows, vor allem aber gibt es das Internet. Dort kann man sich mit seinem Talent prima selbst vermarkten. Man braucht keinerlei Geld oder Apparat dafür, dadurch versuchen das natürlich sehr viele.

teleschau: Man wird zum Youtube-Star ...

Sasha: Genau - davon gibt es dann leider weltweit Abermillionen Menschen, die das versuchen. Unter dem Strich ist es heute mindestens ebenso schwer, in der Masse wahrgenommen zu werden. Am besten ist es immer noch, wenn jemand großes Talent und viel Ehrgeiz mitbringt. Denn man sollte vor allem zuerst immer ein guter Musiker sein und nicht das Ziel verfolgen, möglichst bekannt zu werden. Wenn diese Faktoren stimmen, spielt auch der mediale Zeitgeist in Sachen Musik keine so große Rolle, glaube ich.

teleschau: Warum sitzen Sie nun gerade in der Jury von "Rising Star"?

Sasha: Ich sage es ganz ehrlich - das Timing war gut. Man kann sich ja denken, dass ich schon das ein oder andere Mal gefragt wurde, ob ich in einer solchen Jury sitzen will. Es hat aber nie gepasst. Früher war ich skeptisch, was die Qualität solcher Shows betrifft. Dann kam "Voice of Germany". Das fand ich gut und interessant, aber da ging es zeitlich nicht. Ich war auf Tournee, hatte viele Termine. Momentan arbeite ich an einem neuen Sasha-Album, da bin ich flexibler. Insofern kam "Rising Star" genau zur rechten Zeit.

teleschau: Wird es in "Rising Star" wie bei "The Voice" eine Live-Band geben?

Sasha: Leider nicht, obwohl ich das gern gesehen hätte. Aber es geht - vorerst - aus technischen Gründen nicht. Bei "The Voice" wird ja erst mal viel vorproduziert, bevor es in die Live-Shows geht. Bei uns starten wir gleich mit Live-Shows, weil wir uns ja einer App-Abstimmung der Zuschauer unterziehen. Das geht logischerweise nur live. Wir machen zehn Live-Shows mit anfangs 47 Talents. Der Aufwand selbst für eine sensationell gut eingespielte Band wäre bei dieser Menge von Live-Sängern einfach zu groß gewesen - das habe ich dann auch irgendwann verstanden. Ich habe aber tatsächlich lange für eine Live-Band gekämpft. Vielleicht, wenn es gut läuft, kommt die Live-Band in der zweiten Staffel.

teleschau: In "Sing meinen Song" mit Xavier Naidoo waren Sie auch dabei. Hat es Sie überrascht, dass eine Musikshow ohne Wettbewerb so viele Zuschauer interessierte?

Sasha: Ich glaube, die Leute, die das gesehen haben, fühlten sich ebenso wohl wie wir. Es gab in dieser Show, diesem Aufenthalt in Südafrika, einfach eine positive Atmosphäre, die sich von uns auf andere übertragen hat. Man muss sich nicht immer streiten oder gegeneinander kämpfen, um mit Musik im TV die Leute zu unterhalten. Man muss nicht immer asozial sein (lacht).

teleschau: Live im TV gespielte Musik galt lange Zeit als Quotengift. Erleben wir gerade eine Renaissance dieser Idee, oder warum wollen die Leute wieder Musiker im TV singen hören?

Sasha: Ich hoffe, dass es so ist. Aber wir waren mit "Sing meinen Song" sicher nicht die Gralshüter guter Musik im deutschen Fernsehen. Ich denke, was die Leute spannend fanden, war, dass sie hier etwas Unerwartetes, Unvorhersehbares sehen konnten. Bekannte Musiker sangen bekannte, aber für sie fremde Lieder in eigenen, neuen Versionen. Hätte jeder von uns einfach nur das Normale gemacht, die Leute hätten nicht eingeschaltet. Dann wären sie auch bei unserem Format pinkeln gegangen. Das machen doch die Leute normalerweise, wenn Musik im Fernsehen kommt, die man so genauso gut auch im Radio hören könnte (lacht).

teleschau: In den letzten Jahren sah es so aus, als wäre es ein wenig ruhiger um Sasha geworden. Haben Sie nach der langen Karriere als Popstar bewusst etwas weniger Aufwand in Sachen eigene Karriere betrieben?

Sasha: Nein, überhaupt nicht. In den letzten drei Jahren gab es ein Dick Brave-Album, das wieder weit über Gold verkauft hat und dementsprechend einfach viele Konzerte. Allerdings ist Dick Brave immer noch ein bisschen Spartenmusik, geht also nicht wirklich in die Breite, was den Eindruck erweckte, dass Sasha nicht mehr viel machen würde. Die letzte Sasha-Platte ist in der Tat fünf Jahre her. Die letzten 15 Monate habe ich jedoch mit Schreiben und Produzieren verbracht. Ich hoffe, dass ich das neue Album noch möglichst dieses Jahr herauszubringen kann.

teleschau: Es war zu lesen, dass Sie bald heiraten wollen. Ist da etwas dran?

Sasha: Ja, da habe ich neulich in einem Interview einfach mal so aus der Hüfte geschossen. Es gibt keinen Termin, aber Gespräche über dieses Thema. Ich bin mit meiner Freundin schon seit über drei Jahren glücklich zusammen. Und ich wäre ich nicht der Erste, der so etwas Verrücktes wie Heiraten tatsächlich macht (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst