Jenny Jürgens

Jenny Jürgens





Neustart mit rosigen Aussichten

Von Allüren keine Spur: Seit über 30 Jahren ist Jenny Jürgens im Fernseh- und Filmgeschäft tätig, und trotzdem hat sich die Tochter von Udo Jürgens einen bodenständigen Blick auf die Branche bewahrt. Auch für die Schauspielerin lief es nicht immer rund im krisengebeutelten Filmgeschäft, aber momentan erlebt die 47-Jährige beruflich wieder wortwörtlich rosige Zeiten. Jenny Jürgens ergatterte die weibliche Hauptrolle in der ARD-Erfolgstelenovela "Rote Rosen" und steht seit 7. Juli neben Schauspielkollege Klaus Zmorek für rund 200 Folgen der elften Staffel in Lüneburg vor der Kamera. Die neuen Folgen sind ab 4. September immer montags bis freitags, 14.10 Uhr, im Ersten zu sehen. Im Interview erklärt die Wahl-Mallorquinerin, warum sie keine Angst mehr vor Misserfolgen hat, und erzählt freimütig, weshalb sie sich nach der Scheidung ihrer Ehe vergangenes Jahr wieder als "rundum glücklich" bezeichnen würde.

teleschau: Wie war der Umzug nach Lüneburg?

Jenny Jürgens: Umzug würde ich in Gänsefüßchen setzen. Ich habe hier für ein Jahr eine Produktionswohnung und bin mit drei Koffern angekommen. Aber mein Zuhause ist in Düsseldorf und in Spanien.

teleschau: Was hat Sie an Spanien so gereizt, dass Sie dorthin ziehen wollten?

Jürgens: Mein Lebensgefährte David Carreras ist Spanier. David kommt aus Barcelona und lebt schon seit zehn Jahren auf Mallorca. Wir sind seit vier Jahren zusammen und haben auf der Insel unser gemeinsames Zuhause. Momentan bin ich aber zu 80 Prozent in Lüneburg.

teleschau: Vergangenes Jahr haben Sie sich von ihrem Ex-Mann, dem Düsseldorfer Soziologen Thomas Druyen, scheiden lassen. "Traumhafte Trennung" wurde das in den Medien genannt...

Jürgens: So schlimm war die Scheidung nicht. Mein Mann und ich sind eben nicht kämpfend, schreiend und streitend auseinandergegangen, sondern wirklich kultiviert, und haben inzwischen, nach einer kleinen Verarbeitungspause, wieder sehr guten Kontakt. "Traumhafte Trennung" ist vielleicht etwas plakativ ausgedrückt, aber eigentlich sollte damit nur beschrieben werden, dass wir die Scheidung ohne Rosenkrieg hinbekommen haben.

teleschau: Wie sehr hat Sie das Ende Ihrer Ehe trotzdem durchgeschüttelt?

Jürgens: Nicht so sehr. Es war ja meine Entscheidung. Dass es nicht einfach wird, wenn man 17 Jahre verheiratet war, versteht sich von selbst. Natürlich geht so eine Trennung auch mit seelischen Schmerzen für beide einher, das ist völlig klar. Aber wir haben sehr viel Respekt füreinander aufgebracht, und inzwischen ist das alles kein Thema mehr für uns. Mein Exmann ist in einer neuen Beziehung, genau wie ich.

teleschau: Dann haben Sie beide Ihr Glück gefunden?

Jürgens: Naja, so was passiert einem ja wahrscheinlich mehrmals im Leben. Man kann ja nicht sagen: Jetzt hab ich mein Glück gefunden, und die 17 Jahre, die ich verheiratet war, waren nicht lohnenswert. Das würde ich nie im Leben sagen. Ich war mit einem tollen Mann verheiratet, und es hat eben auf die letzten Meter nicht mehr funktioniert. Aber gerade bin ich rundum glücklich, das stimmt.

teleschau: Wie schwierig ist es für Sie, ein ganzes Jahr lang in Deutschland zu arbeiten, wenn Ihr Partner in Spanien ist?

Jürgens: David ist Regisseur und arbeitet im Augenblick viel in Deutschland. Er hat gerade in Weimar die letzte Klappe von "Heiter bis tödlich - Akte Ex" (ARD, Folge 21 bis 24, d. Red.) gedreht, und im Herbst dreht er in München. Trotzdem führen wir im Moment zwangsläufig eine Beziehung auf Distanz. Das geht nicht anders. Natürlich ist es schwer, aber wir lieben uns so, und wir telefonieren jeden Tag mehrfach. Außerdem haben wir beide einen tollen Job, den wir gerne machen. Wir müssen uns jetzt eben ein Jahr zusammenreißen.

teleschau: Sehen Sie Ihre Familie und Ihren Vater Udo Jürgens wieder öfter, wenn Sie nun längere Zeit in Deutschland sind?

Jürgens: Ich bin ja nie weg gewesen aus Deutschland. Ich habe nur ein Zusatzzuhause in Spanien. Ich sehe meinen Vater und meine Mutter nicht öfter oder weniger oft als vorher auch. Eigentlich ist es wie immer. Die beiden werden mich in Lüneburg besuchen, und wir sind permanent in telefonischem Kontakt.

teleschau: Sie haben mit Ihrem Vater 1984 sehr erfolgreich im Duett gesungen. Auf Youtube hat der Song "Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden" aktuell überaus beachtliche 2,5 Millionen Klicks. Wollen Sie denn die Musik-Karriere irgendwann noch mal anpacken?

Jürgens: Nein, ich bin keine Sängerin. Diese Duette waren Ausflüge, das war schön, aber ich verfolge das Singen jetzt in keinster Weise mehr. Ich liebe Musik, höre auch viel Musik, aber ich habe kein Interesse, sie selbst zu machen. Unter dem Strich fehlt es mir auch an Professionalität. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst und weiß, dass ich die als Sängerin nicht erfüllen kann.

teleschau: Das klingt ziemlich ehrgeizig...

Jürgens: Das hat gar nichts mit Ehrgeiz, sondern mehr mit Realismus zu tun. Es gibt so viele Leute, die sich einbilden, singen zu können. Und vielleicht könnte ich aufgrund meines Namens sogar Karriere mit Gesang machen. Aber für mich käme der Beruf nur in Frage, wenn ich ganz toll singen könnte. Und das kann ich nicht. Mich treibt's da aber auch nicht hin. Ich bin Schauspielerin von Beruf. Das ist das, was ich gerne mache und wovon ich nach 30 Jahren auch Ahnung habe. Ich fühle mich gut damit.

teleschau: In "Rote Rosen" spielen Sie die 49-jährige Jana Greve, die nach 30 Jahren aus Afrika zurückkommt, wo sie einst schwer an einer Seuche erkrankte und sich prompt in ihren behandelnden Arzt verliebte. Das klingt abenteuerlich...

Jürgens: Das ist eben Telenovela. Das Format lebt von Geschichten, die spannend, dramatisch, und mal realistisch und mal unrealistisch sind. Wenn man bei der Geschichte nicht immer auf höchste Spannung setzt, kann man die Leute nicht vor den Fernsehern halten. Alltagsgeschichten funktionieren bei einer Telenovela nicht.

teleschau: Wie groß ist Ihre Angst vor dem Kitschfaktor?

Jürgens: Ich finde nicht, dass das, was ich bisher drehe, kitschig ist. Und wenn man solche Konzepte nicht mag, dann darf man keine Telenovela drehen.

teleschau: Das Format an sich ist Ihnen ja nicht unbekannt...

Jürgens: Das stimmt, ich habe schon zweimal Telenovela gedreht. Ich stehe auch dazu und denke mir nicht: Oh Gott, ich bin eine so große Schauspielerin und Telenovela ist unter meinem Niveau! Jeder, der schon mal eine Telenovela gedreht hat, weiß, was da für ein schauspielerischer Anspruch gefordert ist. In diesem Format mitzuwirken, bedeutet, in sehr kurzer Zeit sehr viel abzuliefern. Es wird immer Leute geben, denen gefällt nicht, was du tust. Aber das ist normal. Darüber kann man sich nicht jeden Tag den Kopf zerbrechen.

teleschau: Sind viele Ihrer Schauspielkollegen denn zu wählerisch, was die Rollen angeht? Sind sie zu arrogant?

Jürgens: Diesbezüglich verändert sich seit zehn Jahren einiges. Die Arroganz schwindet zwangsläufig bei vielen, weil sie keine Arbeit mehr bekommen, wenn sie zu anspruchsvoll sind. Viele, die es vor zehn Jahren noch konsequent abgelehnt hätten, drehen heute Soaps oder Telenovelas. Der Großteil der Schauspieler in Deutschland hat nicht die Möglichkeit, große Fernsehfilme zu machen. Der muss entweder einen komplett anderen Beruf wählen oder das nehmen, was er angeboten bekommt, und das dann auch ernsthaft und mit Respekt umsetzen - und nicht wegen des Geldes. So sehe ich das. Wenn ich ein Angebot annehme, dann stehe ich da voll und ganz dahinter. Da zählt für mich der Satz: Spucke nicht in einen Fluss, aus dem du trinkst.

teleschau: An wen denken Sie, wenn Sie sagen, ein paar Ihrer Kollegen haben aufgegeben?

Jürgens: Christian Kahrmann hat ein Lokal in Berlin eröffnet, Cosima von Borsody malt... Es gibt viele Kollegen, die irgendwann gesagt haben: Ich hab keine Kraft mehr, ich hab keine Lust mehr, es läuft nicht. Viele haben Familien, Kinder. Die müssen von irgendwas leben und können natürlich nicht ewig dasitzen und drauf warten, dass mal eine Rolle kommt.

teleschau: Ist der Betrieb ungerecht? Oder ist alles eine Frage des Eigenengagements?

Jürgens: Einiges ist ungerecht in unserer Branche. Es gibt wahnsinnig viele Schauspieler und deutlich weniger Produktionen als früher, und viele Produzenten arbeiten immer mit denselben Leuten zusammen, nehmen nie jemand Neues. Da passiert es schnell, dass man monatelang gar nichts dreht. Unser Beruf ist nicht mehr so glamourös wie er mal war. Aber inzwischen kann man das wenigstens öffentlich sagen. Früher hat man ja dazu geneigt zu sagen, dass alles toll sei, obwohl es gar nicht so toll war. Michael Mendl hat ein großes Interview darüber gegeben, dass er letztes Jahr nur einen Drehtag hatte. Ich finde es großartig, dass er das sagt, ohne Angst zu haben, nicht erfolgreich zu wirken. Wir alle hatten zwischendurch Phasen, wo es schlecht lief. Aber das heißt nicht, dass man ein schlechter Schauspieler ist.

teleschau: Hatten Sie auch so eine Phase?

Jürgens: Natürlich, ich war auch immer wieder mal verzweifelt.

teleschau: Was haben Sie dann gemacht?

Jürgens: Ich leite in Düsseldorf seit 2009 ein Projekt zur Unterstützung von Senioren gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, das "Herzwerk". Wir helfen alten Menschen mit Geldspenden und vermitteln ihnen Patenschaften. Ansonsten spiele ich auch viel Theater.

teleschau: In "Rote Rosen" stehen Sie mit Ihrem Schauspielkollegen Klaus Zmorek vor der Kamera...

Jürgens: Ja, wir haben schon viel miteinander gearbeitet! Wir sind seit 18 Jahren enge Freunde und haben auch schon gemeinsam Theater gespielt. Alles in allem standen wir etwa 300-mal miteinander auf der Bühne. Und 1999 drehten wir zusammen die ProSieben-Serie "Mallorca - Suche nach dem Paradies". Aber sie wurde leider nach einem Jahr abgesetzt.

teleschau: Wenn man so etwas erlebt hat, wie groß ist die Angst, dass es wieder passiert?

Jürgens: Angst zu haben, bringt gar nichts. Bei "Lena - Liebe meines Lebens" ging es mir genauso. Das wurde auch schon nach dem ersten Jahr abgesetzt. Sich jetzt zu fragen, wann hört "Rote Rosen" wohl auf, wäre kontraproduktiv. Die Telenovela wird auch nicht bis zu meinem Lebensende laufen.

teleschau: Aber die 2.000. Folge werden Sie noch erleben...

Jürgens: Die fällt unter Umständen noch in meine Zeit. Das wäre natürlich toll.

Quelle: teleschau - der mediendienst