Wesley Snipes

Wesley Snipes





"Ich war doch nie weg!"

Sylvester Stallone beginnt seinen Altherren-Epos wieder mal symbolträchtig: Im dritten Teil der "Expendables" (Start: 21.08.), der jetzt in den Kinos anläuft, wird schon in den ersten Minuten mit viel Getöse ein geheimnisvoller Häftling aus dem Gefängnis befreit. Gespielt wird er von Wesley Snipes - die Rolle war seine erste nach seinem knapp dreijährigen Knastaufenthalt. Ein passendes Comeback? Die Frage weist Snipes im Interview weit von sich: "Ich war doch nie weg, Mann!" Ein bisschen geflunkert ist das schon: Bereits vor seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs war Snipes' Karriere ins Stocken geraten. Aber jetzt, so kündigt der 52-Jährige an, will er noch mal voll durchstarten

Es kommt eben auf die Perspektive an: Auch wenn Snipes in den letzten Jahren vor allem in Actionthrillern zu sehen war, die hierzulande ohne Umweg über die Kinoleinwand direkt im DVD-Regal landeten, findet er immer noch sein Publikum. "Was manche Menschen vergessen, ist, dass die Welt sich weiterentwickelt und allmählich öffnet", sagt er. "Es gibt noch Regionen in der Welt, in der Testosteronfilme gut ankommen. Männliche Männer, die männliche Dinge tun. In anderen Teilen der Welt ist das schon passé. Ich bin aber ein Fan dieses männlichen Männerkrams. Ich mag die Körperlichkeit." Mit einem Seitenblick auf seinen "Expendables"-Mitstreiter Kellan Lutz ("Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen") und einem Lachen fügt er hinzu: "Ich will jetzt nicht die 'Twilight'-Jungs dissen, aber Russen mögen lieber 'Blade'-Typen. Ich habe eine große Fangemeinde in Kasachstan!"

Eine kleine Portion Selbstironie ist dem Schauspieler, der seinen weltweiten Ruf als Actionstar in drei Filmen als Vampirjäger "Blade" zementierte, also durchaus zu eigen. Und ganz so eindeutig, wie es scheint, ist auch sein Männerbild nicht. Seine größten Vorbilder zum Beispiel? "Errol Flynn war ein Rieseneinfluss. Außerdem James Brown und Tom Jones. Tom Jones war der Mann für mich!" Ein Filmpirat und zwei Sänger, allesamt eher flamboyant als kernig. Der Sohn einer Hilfslehrerin und eines Wartungsingenieurs für Flugzeuge kam denn auch erst über Umwege in sein Paradegenre. Schon an der High School belegte er die Fächer Tanz, Gesang und Schauspielerei, in seinem Studium widmete er sich dem Theaterschauspiel. Einem größeren Publikum fiel er zum ersten Mal im Musikvideo zu Michael Jacksons "Bad" auf.

Aber nebenher trainierte er seit Kindertagen fleißig Kampfsport und arbeitete sich in mehreren Disziplinen zum Schwarzgurt hoch. Seine Kampfkunst wurde ihm auch fast zum Verhängnis - bei den Dreharbeiten zu "Demolition Man" (1993), wo er erstmals mit Sylvester Stallone zusammenarbeitete. "Das war wohl mein erster großer Actionfilm", erinnert er sich. "Ich wusste noch nicht, wie man Actionfilme macht, ich kam schließlich vom Theater. An meinem ersten Tag am Set hatten wir eine große Kampfszene. Dabei sollte ich einen Rückwärts-Drehkick machen und Slys Figur gegen eine Wand treten. Ich dachte, Sly ist Rocky. Ich dachte, er ist Rambo. Also habe ich in meinem Wohnwagen noch mal geübt. Und als wir die Szene drehten, habe ich einen richtig guten Rückwärts-Drehkick gelandet und ihn gegen die Wand getreten. Da sagte er: 'Okay, okay, Mr. Karatemann, okay. Du hältst einfach nur deinen Fuß hin und ich werfe mich selbst gegen die Wand. Du musst das nicht übernehmen, klar?' Ich dachte, ich sei gefeuert - an meinem ersten Tag!"

Gefeuert wurde Snipes nicht - im Gegenteil: Stallone erinnerte sich für die "Expendables" an seinen einstigen Filmgegner und engagierte ihn. Dass letztlich nicht nur die Gefangenenbefreiung, sondern auch noch Witze über Steuerhinterziehung im Skript landeten, nimmt Snipes ihm da nicht weiter übel. "Das war nichts im Vergleich zu den Drehbüchern, die mir ständig geschickt wurden. Ich glaube, ich habe jeden Film angeboten bekommen, der sich irgendwie aufs Gefängnis bezieht: Ein Kerl, der ins Gefängnis geht und Priester wird. Ein Sänger, der ins Gefängnis kommt. Ein Polizist, der undercover ins Gefängnis geht ... ich habe sie alle gesehen. Und ich habe sie alle in den Müll geworfen. Das ist vorbei."

Mit dem Kapitel Knast hat Snipes abgeschlossen. Der fünffache Vater konzentriert sich lieber auf die Zukunft; auch auf die allmählich etwas älteren Tage gönnt er sich keine Pause: "Ich versuche, fit zu bleiben. Ich habe meine Kämpfe mit Schokokeksen und Apfelkuchen, und oft verliere ich die auch. Aber insgesamt ist mein Lebensstil gesund und ich trainiere jeden Tag." Das nächste Projekt steht bereits an: In "Chronicles of the Mayan Tunnel" (Startdatum unbekannt) ist er für die Rolle eines Kriegsgottes vorgesehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst