Jan Köppen

Jan Köppen





Ein Mann auf dem Sprung

Auf den Spartensendern, und neuerdings nicht mehr nur dort, begegnet einem immer häufiger das verschmitzt freundliche Gesicht von Jan Köppen. Und in den nächsten Monaten wird der Mann noch viel präsenter werden. Ins Herz geschlossen haben ihn die Ersten bei "Yps - Die Sendung", die er für RTL NITRO bis vor Kurzem moderierte. Ob und wann es damit weitergeht, ist noch nicht entschieden. Klar ist allerdings, dass Jan Köppen (31) Teil des Quartetts ist, das ab Donnerstag, 28. August, bei RTL nachts um 23.15 Uhr bei einem Bierchen fragt "Was wäre wenn?". Fast interessanter ist die Frage, was denn passiert, wenn Jan Köppen demnächst noch drei, vier Sendungen mehr hat

"Was wäre wenn", das fragen neben Jan Köppen auch Jan Böhmermann, Palina Rojinski und Katrin Bauerfeind. Das Comedy-Format ist vergleichbar mit "Verstehen Sie Spaß?", allerdings wird noch eine Schippe draufgepackt. Köppen dazu: "Die Idee der versteckten Kamera ist nicht neu, aber wir sind sicher ein wenig provozierender, ein bisschen derber." Das Konzept ist eher ein Potpourri mit verschiedensten Ideen. "Wunderbar", nickt Köppen begeistert, "so soll es sein, wir sind sehr unterschiedliche Charaktere, dadurch können wir so viele verschiedene Dinge tun." Gleich in der ersten Folge finden zwei "Nazi-Sketche" Platz, angeführt von Jan Böhmermann und zumindest bei Hitlers Einkauf ("Ich hätte gerne braune Nazi-issen") von zweifelhaftem Humor. Im Vorfeld habe es keine Aufteilung gegeben, "dass Böhmermann die krassen Sachen macht und ich die netten oder umgekehrt".

Hätte er den Einkaufsbummel samt Hitler-Bart und Gruß auch gemacht? Es kommt ein zögerliches "Ja", verbunden mit der Überlegung, dass das die spannende Frage sei. "Das ist der Punkt, wer macht das? Da ist Böhmermann vielleicht eher derjenige, zu dem man tendiert." Köppen verwirklicht in der ersten Folge eine etwas kreativere Idee, indem er Menschen in einer Ausstellung Kunst vermittelt, die man ohne ihn so nur schwer entdeckt hätte.

Immer wieder sei er bei der Arbeit für die vier Folgen "innerlich auf Widerstand gestoßen, da jeder Dreh eine Grenzüberschreitung ist". Oftmals dachte er zunächst "Kein Problem!" - "aber dann ist es doch gar nicht mal so einfach. Aber eine Herausforderung macht Spaß, wenn man das so machen darf, wie man will."

Ein Treffen mit Grünen-Politikerin Renate Künast sei bislang das Schwierigste für ihn gewesen. Wenn sich Nervosität breitmacht, hat Köppen allerdings kein Patentrezept, und weglächeln klappt auch nicht. "Da bin ich vorher schon ganz schön viel auf und ab gelaufen", gibt er unumwunden zu. Er wirkt, als würde er mit einem Freund oder einem guten Bekannten sprechen. Köppen ist sympathisch, nicht nur weil er sagt: "Ich habe immer Mitleid mit meinen Opfern gehabt." Dass die Empathie bei ihm nicht auf der Strecke bleibt, merkt man. Dass die RTL-Comedy-Show hier und da nicht jedermanns Geschmacksnerv erfreut, fasst er mit "Niveaumäßig ist für jeden was dabei" zusammen.

Der 31-Jährige ist kein Zyniker und auch kein Dampfplauderer. Er zelebriert Normalität, traut sich aber trotzdem was - und ist gerade gut im Geschäft. "Bei allen Formaten, die ich in letzter Zeit gemacht habe, hat der Inhalt gestimmt, ob bei 'Mission Freundlichkeit' oder beim provokanten 'Was wäre wenn', wo es erst mal nicht so nach Freundlichkeit aussieht. Auch mit 'I like the 90s', das ebenfalls bei RTL lief, konnte ich mich identifizieren."

Köppen hat etwas von Ralph Caspers, der KIKA-Größe, würde aber auch in den "Circus Halligalli" neben Joko und Claas passen. Die hier und da durchschimmernde Ähnlichkeit zum Schauspieler Jake Gyllenhaal ist ihm vermutlich bei der Arbeit nicht im Weg. Sie prädestiniert ihn vielleicht für Aufgaben wie die "Mission Freundlichkeit", die der Disney Channel Anfang Oktober zur Prime Time um 20.15 Uhr ausstrahlen wird. "Ich bin unterwegs und schau mich in Berlin und anderswo um, wie es um die Freundlichkeit bestellt ist."

Genau genommen sucht er nach ihr und freut sich, wenn er Positivbeispiele findet, wie in dem schönen Örtchen Wolfenbüttel, "wo Jugendliche mit älteren Herrschaften Breakdance machen. Schön zu sehen, wie das funktioniert, dass Jung und Alt miteinander harmonieren." Er lacht, wenn er sich daran erinnert, und findet es spannend, herauszufinden, was passiert, "wenn man einmal mehr lächelt". Köppen sagt, er zähle sich "jetzt nicht zu den unfreundlichen Menschen, aber man achtet wirklich auf Kleinigkeiten, wenn man vom Dreh kommt: Habe ich 'Tschüss' gesagt, als ich aus dem Laden gegangen bin?"

Oft, so Köppen weiter, merke man auch, dass Leute mit Freundlichkeit gar nicht rechnen - "Schade, oder?" Für das Drehteam und ihn wurde in Moabit "die Zentrale der Freundlichkeit eingerichtet. Von dort aus erzähle ich von meiner Mission, die 100 Tage dauert. Und ich hätte mir keine bessere Ecke denken können - wir wurden dort so herzlich empfangen."

Aber Köppen, der selbst in Berlin lebt, kann auch anders. Für RTL NITRO ist eine Heimwerkersendung in Planung, die erstmals im Oktober ausgestrahlt werden soll. Es wird "keine klassische Heimwerkersendung, sondern ein bisschen männerlastiger", sagt er und schickt ein kleines dreckiges Lachen hinterher. "Wir wollen Sachen für Männer bauen, so etwas wie einen Kleiderhaken aus einem alten Snowboard basteln, wird man bei uns nicht sehen!" Er will niemandes Wohnung einrichten, sondern "Quatsch für Jungs" machen, "definitiv mit den Klischees spielen", die es in Bezug auf Handwerk gibt, und trotz allem Wissen vermitteln, auch wenn er kein "Vollprofi an der Bohrmaschine" ist. Er fasst die Sendung so zusammen: "Die einen würden einen neuen Milchaufschäumer kaufen, wenn sie den ihrer Freundin kaputt gemacht hätten, wir direkt den Akkubohrer mit Aufsatz!"

Profi mag er auch auf diesem Gebiet nicht sein, aber Köppen hat sich die Möbel seiner Wohnung selbst gebaut. "Ich bin so der Learning-by-doing-Typ", sagt er. "Und am Ende steht das Ding." Gesehen hat er das bei seinem Vater. "Der hat bei uns zu Hause viel gebaut und ich dachte mir dann, stimmt, so'n Tisch kann man auch selbst zimmern."

Die Prollschiene wird der 31-jährige Moderator, der derzeit heftig an der Karriere zimmert, nicht bedienen ("Das bin ich auch gar nicht"). Sein Augenmerk heißt Spaß haben. Er wird das womöglich im kavkaesken Stil machen. Wie Markus Kavka, begann auch Köppen beim Musikfernsehen und interessiert sich leidenschaftlich für Fußball. 2005 stieg Köppen bei VIVA ein, machte erst ein Praktikum und zog dann gleich mal mit dem Sender nach Berlin. Der gebürtige Gießener ist nicht nur VJ, sondern auch DJ, und auf seine sympathisch natürliche Art wird man 2014 allerorten aufmerksam. Wenn ihm der Inhalt gefällt, sagt er ja. Und so er sich an seine eigene Regel hält, die besagt "Ich will kein Moderationsroboter werden", dann wird das richtig gut werden, ihn bald in drei, vier oder mehr neuen TV-Formaten zu sehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst