Henry Hübchen

Henry Hübchen





"Bei mir fliegt jede Lüge auf!"

"Frauen verstehen" heißt eine launige ARD-Komödie (Freitag, 5. September, 20.15 Uhr), in der der Held natürlich genau das nicht schafft: Empathie fürs weibliche Geschlecht aufzubringen. Schließlich hat der Mann genug mit sich selbst zu tun: In Lederjacke und Cowboystiefeln will Paul Havemeister, gespielt von Henry Hübchen (67), auf seiner Maschine der Midlife-Crisis davonfahren. Doch als ihn die x-te Geliebte vor die Tür setzt, steuert er reumütig die noch-eheliche Wohnung an. Blöd nur, dass seine Ex Marlene (Senta Berger) die gerade zum Verkauf anbieten will, schließlich sollen die Hochzeitsglocken mit dem neuen Freund bald läuten. Doch Paul bremst nicht nur die Scheidung aus, er will seine Frau zurückerobern - eine rasante Tour d'Amour nimmt Fahrt auf. Im Gespräch verrät Hauptdarsteller Henry Hübchen, wie viel Hallodri in ihm steckt, dass sein schauspielerisches Talent sich nicht fürs Balzen eignet und warum er eigentlich selbst fast als Frau durchgeht.

teleschau: Paul ist ein Frauenheld, der nichts anbrennen lässt. Wie viel Paul steckt in Henry Hübchen?

Henry Hübchen: Es steckt immer was von einem selbst in einer Rolle. Man kann ja nicht aus seiner Haut, das ist schon mal biologisch nicht möglich. Aber ein Frauenheld, dem nichts anbrennt, der Teil von Paul hat nichts mit mir zu tun.

teleschau: Wobei er sich schon ziemlich ins Zeug legt, um seine Ex zurückzugewinnen. Was davon würden Sie niemals tun?

Hübchen: Kochen.

teleschau: Haben Sie jemals versucht, Eindruck bei einer Frau zu schinden? Oder anders gefragt: Wie viel Romantiker steckt in Ihnen?

Hübchen: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Man kann ja auch einen Nebenbuhler verprügeln, nur weil man der Angebeteten imponieren will.

teleschau: Was aber irgendwie schon wieder romantisch ist ...

Hübchen: Eine blutige Nase? Für die Betrachterin vielleicht. Da haben wir sie mal wieder, die weibliche Logik. Aber im Ernst: Ich bin ganz schlecht in Sachen Eroberung. Wobei ich glaube, dass humorvoll und überraschend sein, nie verkehrt ist.

teleschau: Also nur ja nie Langeweile aufkommen lassen?

Hübchen: Richtig. Das ist ein Rezept oder vielmehr eine Grundzutat für viele Dinge. Für einen guten Film, eine erfolgreiche Veranstaltung und eine glückliche Beziehung.

teleschau: Hilft schauspielerisches Talent eigentlich beim Balzen?

Hübchen: Bestimmt, aber ob der Auerhahn schauspielert, weiß ich nicht. Mein schauspielerisches Talent im wahren Leben geht gegen Null. Ich könnte kein Politiker sein, die sind glaube ich bessere Schauspieler als die Profis. Bei mir fliegt jede Lüge garantiert auf. Falls nicht sofort, dann muss man nur ein bisschen warten, und ich bin entlarvt. Ich bin das, was man eine ehrliche Haut nennt (lacht). Natürlich will auch ich manchmal etwas verbergen, aber das gelingt mir so gut wie nie.

teleschau: Zurück zum Film der ja "Frauen verstehen" heißt - Sind Sie ein Frauenversteher?

Hübchen: Ich habe mir nie groß Gedanken gemacht über Frauen. Sie waren kein Forschungsobjekt, ich bin ja kein Psychologe, nicht mal für den Hausgebrauch. Ich behaupte mal oberflächlich, dass Frauen komplizierter und undurchsichtiger sind als Männer. Aber ich denke, wenn man sich richtig intensiv mit ihnen auseinandersetzt, sieht das ganz anders aus.

teleschau: Hatten Sie irgendwann Probleme im Umgang mit dem anderen Geschlecht?

Hübchen: Beherzige eine kleine Grundregel: Sag einer Frau in gewissen Situationen einfach nur das, was sie hören möchte. Dafür reicht mein Flunkerpotenzial nicht immer aus. Also: Auf die Frage "Wie steht mir das Kleid?" lautet die Antwort natürlich: "Super!" Wehe, du übst Kritik in solchen Dingen, dann hängt der Haussegen schief. Mich hingegen stört das nicht, wenn jemand sagt: "Dein Bauch wird immer dicker." Ich glaube, Männer können die Wahrheit besser vertragen. Im Gegenteil: Ich bestehe sogar darauf, zu wissen, wenn mein Hemd doof aussieht. Ich mag ehrlich gemeinte Hinweise.

teleschau: Sind Sie eigentlich neugierig, wie es denn so wäre als Frau?

Hübchen: Mal abgesehen davon, dass ich nicht an Wiedergeburt glaube, würde mich das schon reizen, aber immer mit der Option auf Widerruf.

teleschau: Sie sitzen an der Quelle und könnten sich als Schauspieler zumindest optisch in eine verwandeln lassen ...

Hübchen: Das ist nicht dasselbe. Wenn schon, dann möchte ich eine richtige Frau sein und komplett erfahren, wie sich das anfühlt. Mich würde interessieren, wie das so ist, wenn man an einer Baustelle vorbeiläuft und einem alle nachpfeifen. Zunächst wäre ich gerne eine landläufige Schönheit, der alle hinterherhecheln. Aber bitte kein Top-Model. Das wäre mir zu anstrengend. Mir reicht schon die ständige Umzieherei als Schauspieler. Und danach wäre ich gern die dicke kleine Hässliche, um zu erfahren, wie sich die denn so fühlt in ihrer Haut.

teleschau: Waren Sie denn noch nie das Objekt der Begierde?

Hübchen: Als 18-Jähriger bin ich mal in einer Schwulenkneipe gelandet. Da habe ich einen ungefähren Eindruck bekommen, wie man sich als solches fühlt. Aber ich weiß natürlich nicht, wie es einer Frau so damit geht. Wenn einen die Maurer angaffen, ob das eine Art Bestätigung ist oder ob einen das eher nervt.

teleschau: Haben Sie eigentlich Bühnenerfahrung als Frau?

Hübchen: Ich kann mich nicht erinnern. Auf jeden Fall habe ich schon mal einen Transvestiten gespielt.

teleschau: Hätten Sie Lust, Ihre Erinnerungen aufzufrischen?

Hübchen: An den Transvestiten? Der hieß Joseph Goebbels und war eine Bühnenfigur in Heiner Müllers "Herzstück". Nein wenn schon denn schon ein richtiges Weib. Die schmalen Handgelenke habe ich schon mal (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst