Beatsteaks

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Kein Bullshit mehr!

Die Beatsteaks sind zurück: Ein Jahr nach ihrem Live-Album "Muffensausen" und drei Jahre nach "Boombox" kommen die sympathischen Punkrocker aus Berlin endlich mit einem neuen Langspieler um die Ecke. Eine Platte, die sie schlicht und ergreifend nach sich selbst benannt haben und auf der sie so locker und befreit aufspielen wie lange nicht mehr. Im Interview erzählen Gitarrist Bernd Kurtzke und der später dazustoßende Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, wie der überstandene, schwere Treppensturz ihres Schlagzeugers Thomas Götz die Aufnahmen zu "Beatsteaks" beeinflusste. Sie blicken aber auch auf fast 20 Jahre Bandgeschichte zurück - Geldsorgen, Auflösungsgedanken und skurrile Fan-Momente inklusive.

teleschau: Die Beatsteaks gibt es jetzt seit fast 20 Jahren. Wundern Sie sich manchmal selbst darüber, dass Sie schon so lange dabei sind?

Bernd Kurtzke: Das ist ein bisschen wie eine Ehe, aber das verflixte siebte Jahr haben wir bereits erfolgreich hinter uns gebracht. Wir kennen uns jetzt schon zu gut, als dass es noch komplett schief gehen könnte. Ich sehe es aber immer noch als Privileg, dass wir von etwas leben können, das uns so viel Spaß macht. Das können nicht viele von sich behaupten.

teleschau: Wann wurde Ihnen klar, dass die Musik nicht mehr nur ein Hobby ist, sondern zum Beruf wird?

Kurtzke: Das ging 2004 los, kurz vor "Smack Smash". Da nahm das Ganze bereits so viel Zeit ein, dass wir nicht noch nebenher arbeiten gehen konnten. Anfangs knirschte es noch ein bisschen im Portemonnaie, weil nicht viel Geld rumkam und wir zusehen mussten, wie wir über die Runden kommen. Aber nach "Smack Smash" konnten wir bereits einigermaßen davon leben.

teleschau: Die bewusste Entscheidung, den regulären Job an den Nagel zu hängen, war aber bereits vor dem Erfolg da.

Kurtzke: Ja. Aber das hätte natürlich auch schief gehen können.

teleschau: Was arbeiteten Sie denn vorher?

Kurtzke: Ich machte eine Ausbildung zum Fernmeldemonteur, fing dann ein Studium zum Techniker an. Ich war aber auch Maler und Tapezierer, arbeitete im Tonstudio und auf dem Bau. Die Band war dann in gewisser Weise ein Experiment nach dem Motto: Wie weit schaffe ich's ohne Geld?

teleschau: Hatten Sie vor dem Schritt damals Angst?

Kurtzke: Nein, eigentlich nicht. Ich hätte auch kein Problem gehabt, wieder ein normales Leben zu führen. Ich wusste damals schon: Eine Sicherheit und Garantie gibt es ohnehin für nichts. Auch jeder andere Job kann morgen vorbei sein.

teleschau: Hat sich Ihre Herangehensweise ans Musikmachen in den fast 20 Jahren Bandgeschichte verändert?

Kurtzke: Eigentlich nicht. Es fängt immer mit einem Riff an, und der Song ist erst dann fertig, wenn alle fünf die Arme hochreißen. Und es ist nach wie vor ungeschriebenes Gesetz: Sobald du eine Idee abgibst, kann die Band damit machen, was sie will. Da darf man nicht die Erwartung haben, dass es am Ende genau so wird, wie man's ursprünglich im Kopf hatte - denn so wird es garantiert nicht! (lacht)

teleschau: Laufen Sie manchmal Gefahr, in Routinen zu verfallen, die dazu führen könnten, das Ihre Musik austauschbar wird?

Kurtzke: Die Angst davor ist immer da. Deshalb reden wir viel darüber - auch mit unserem sechsten Mann, unserem Produzenten Moses Schneider. Der ist bei uns ein ganz wichtiges Regulativ, der auch offen sagen kann, wenn er etwas scheiße findet. Untereinander ist das manchmal schwierig, weil wir uns eben schon so lange kennen und es da manchmal Befindlichkeiten gibt. Da kann es zwischen uns auch schon mal krachen. Aber nie für lange.

teleschau: Gab es schon mal Phasen, in denen es zur Debatte stand, die Band aufzulösen?

Kurtzke: Nein, das nicht. Aber nach den letzten beiden Alben dachten wir zumindest darüber nach, ob das wirklich alles so richtig ist, was wir hier machen. Das hatte aber auch viel mit den privaten Situationen jedes Einzelnen zu tun. Diese private Komponente ist aber gut und wichtig, die beeinflusst ja auch deine Songs. Musik ist schließlich nur ein Spiegel der Emotionen, die man gerade durchlebt. Aber keiner von uns dachte ernsthaft darüber nach, die Band zu verlassen. (Sänger Arnim kommt dazu)

teleschau: Sie sind nicht nur eine Band, sondern auch gut befreundet. Merken Sie dennoch, dass Sie nach einer absolvierten Tour froh sind, mal wieder ein wenig Ruhe voreinander zu haben?

Kurtzke: Na klar. Das ist ganz normal. Eine Tour ist ja immer eine sehr intensive Zeit. Genauso gut ist es aber auch, nach einer langen Zeit mit der Familie wieder auf Tour zu gehen. (grinst)

Arnim Teutoburg-Weiß: Es ist aber nicht so, dass wir auseinander gehen müssen, weil sich irgendwelche Probleme anhäufen. Probleme werden bei uns gelöst. In den Rock'n'Roll-Büchern steht ja drin, dass einige Bands in getrennten Bussen zu den Konzerten fahren - so ist das bei uns nicht. Noch nicht! (lacht)

teleschau: Welches waren Ihre verrücktesten Momente mit Beatsteaks-Fans?

Teutoburg-Weiß: Wir spielten mal in Stockholm, zwei Tage später in Barcelona - und bei beiden Konzerten standen dieselben drei Mädels in der ersten Reihe. Während wir geflogen sind und in Hotels geschlafen haben, sind die mit dem Auto runtergebrettert. Ich nur so: "Seid ihr irre?" Das fand ich krass.

Kurtzke: Ein Mädel meinte nach einem Monat, in dem sie uns auf Tour hinterhergefahren ist, sie sei dann ab morgen nicht mehr da - ihr Jahresurlaub sei zu Ende. Die nutze ihren gesamten Urlaub echt dafür, uns hinterherzureisen.

Teutoburg-Weiß: Einige Leute haben deshalb mittlerweile auch Gästeliste for life, die müssen nicht mehr zahlen. Die kommen bei all unseren Konzerten umsonst rein.

teleschau: Wie viele solcher Gästelistenplätze auf Lebenszeit gibt es?

Teutoburg-Weiß: Das sage ich nicht. (lacht) Aber es sind ein paar.

teleschau: Hatten Sie anfangs Schwierigkeiten, mit diesem Fantum umzugehen?

Teutoburg-Weiß: Es gab jedenfalls schon skurrile Situationen. Als "Smack Smash" damals durch die Decke ging, wohnte ich noch in Kreuzberg. Da kam es schon mal vor, dass Leute nachts bei mir an der Tür klingelten oder mir morgens beim Brötchenholen auflauerten. Das war merkwürdig, kommt heute aber nicht mehr vor.

Kurtzke: Ich hatte ähnliche Erlebnisse, weil ich eine Parterre-Wohnung mit Schlafzimmerausgang zum Hof hatte. Da standen nachts um drei Uhr auch mal besoffene Leute, die genauso gut plötzlich in meinem Schlafzimmer hätten stehen können.

teleschau: Gab es auch mal richtig schlimme Momente?

Teutoburg-Weiß: Wir hatten keinen Stalker oder so was, aber es gab vor fünf, sechs Jahren mal eine schöne Geschichte: Ein Mädchen hatte die Telefonnummer von meinen Eltern herausgefunden, bei meiner Mutter angerufen und ihr gesagt: "Können Sie bitte Ihrem Sohn sagen, dass ich schwanger bin? Hier ist die Conny." Daraufhin habe ich einen Anruf von meiner Mutter bekommen: "Die Conny hat angerufen. Ich habe ja keine Ahnung, was ihr da auf Tour so treibt, aber auf jeden Fall ist die schwanger! Du musst das jetzt mit ihr klären!" Und ich nur so: "Welche Conny?"

teleschau: Sie kannten Conny gar nicht?

Teutoburg-Weiß: Nein. Conny meinte zu meiner Mutter am Ende des Gespräches, sie solle ihr doch meine Telefonnummer geben - das war offensichtlich ihr Ziel. Und sie dachte wohl, mit dem Schrecken im Nacken würde meine Mutter ihr die Nummer vielleicht aushändigen. Hat sie aber nicht. (grinst) Und heute ist die Geschichte natürlich stets ein großer Lacher auf jeder Familienfeier.

teleschau: Außer Ihrem Schlagzeuger Thomas Götz haben mittlerweile alle Kinder und Familie. Ist es mittlerweile kompliziert geworden, Zeit für die Band zu finden?

Teutoburg-Weiß: Nein, im Gegenteil. Wir arbeiten viel konzentrierter, weil wir wissen, dass wir nicht den ganzen Tag Zeit haben. Aber das Bier danach bleibt mittlerweile häufig auf der Strecke.

teleschau: Apropos Thomas Götz: Vor zwei Jahren hatte er einen schweren Unfall, er stürzte eine Treppe hinunter und lag daraufhin sogar einige Tage auf der Intensivstation. Glücklicherweise ging alles gut aus, aber diese Situation hinterließ bei der Band sicherlich Spuren, oder?

Kurtzke: Wir machten uns natürlich krasse Sorgen um Thomas. Zudem sah es für einen kurzen Augenblick so aus, als ob wir uns hätten überlegen müssen, wie und ob es mit der Band weitergeht.

Teutoburg-Weiß: Wenn Thomas nicht mehr hätte Schlagzeug spielen können, wäre es für die Band wohl das Ende gewesen. Nach zwei Wochen gab es aber glücklicherweise Entwarnung. Der Arzt meinte zwar, dass es noch ein langer Weg wäre, aber dass wir in einem Jahr unseren Schlagzeuger zurückhätten. Und Thomas kann eh nicht ohne Musik - der wollte ja schon nach drei Wochen wieder spielen. Glück im Unglück war, dass wir gerade mit der Tour fertig waren und uns diese Pause leisten konnten. Wenn so etwas vor der Tour passiert wäre, wäre das ein finanzieller Kopfschuss gewesen.

Kurtzke: Aber dieses schlimme Erlebnis rückte unser Weltbild wieder gerade. Das verdeutlichte uns, wie schnell das alles vorbei sein kann. Die Wertschätzung ist jetzt wieder da, das Bewusstsein, seine Zeit nicht mit sinnlosen Dingen zu vergeuden. Deswegen ging auch das neue Album so schnell - die Platte ist ein ganz klares Resultat dieses Unfalls.

teleschau: Wie meinen Sie das genau?

Teutoburg-Weiß: Nun, wir dachten alle: Lasst uns jetzt Spaß haben! Lasst uns keinen Bullshit machen! Und lasst uns nicht die Fehler wiederholen, die wir schon gemacht haben! Wir konzentrierten uns wieder viel mehr auf all die schönen Seiten der Band und agierten dadurch viel freier. Wenn es mal Unstimmigkeiten gab, redeten wir sofort und offen darüber und trugen das nicht lange mit uns herum wie früher. Es gab keine unnötigen Kopfspinnereien mehr - das war eigentlich das größte Geschenk, das wir aus diesem Unfall mitgenommen haben.

Beatsteaks auf Deutschland-Tournee:

09.08., Rostock, Moya

10.08., Hamburg, Markthalle

12.08., Neuruppin, JFZ

13.08., Osnabrück, Rosenhof

15.08., Leipzig, Highfield

17.08., Hockenheimring, Rock'n'Heim

04.11., Siegen, Siegerlandhalle

11.11., Erfurt, Thüringenhalle

12.11., Saarbrücken, E-Werk

14.11., Bremen, Pier 2

15.11., Magdeburg, Stadthalle

18.11., Köln, Palladium

19.11., Köln, Palladium

22.11., Leipzig, Arena

23.11., Bielefeld, Seidenstickerhalle

25.11., Dortmund, Westfalenhalle 1

27.11., Berlin, Max-Schmeling-Halle

28.11., Berlin, Max-Schmeling-Halle

02.12., Hamburg, Sporthalle

03.12., Hannover, Swiss Life Hall

05.12., Bamberg, Brose Arena

06.12., Göttingen, Lokhalle

09.12., Münster, MCC Halle Münstlerland

11.12., Frankfurt/Main, Jahrhunderthalle

13.12., Stuttgart, Schleyer-Halle

14.12., München, Zenith

Quelle: teleschau - der mediendienst