Rheingold - Gesichter eines Flusses

Rheingold - Gesichter eines Flusses





Der deutsche Fluss

Es fasziniere ihn, "dass man hier vor der Haustür immer noch so viel entdecken kann, wenn man nicht nur durchhetzt wie die meisten von uns. Deutschland ist grandios, ein eigener Kosmos", erklärt Peter Bardehle. Und er muss es wissen: In Kino- und Fernsehdokus wie "Die Alpen - Unsere Berge von oben", "Die Nordsee von oben" oder "NRW von oben" setzte sich der Filmemacher und Produzent in den vergangenen Jahren intensiv mit verschiedensten Landstrichen der Republik auseinander. In "Rheingold" zeigt Bardehle gemeinsam mit Ko-Regisseurin Lena Leonhardt nicht nur die verschiedenen "Gesichter eines Flusses", sondern verleiht Vater Rhein eine eigene Stimme - die von Ben Becker.

Ben Becker spricht den Rhein in Ich-Perspektive und lässt den Zuschauer erahnen, wie viel Vater Rhein, der früher als Gottheit verehrt wurde, in seinem langen Leben schon gesehen hat. Er wechselt sich ab mit Anne Moll, die die allgemeineren Informationen über den 1.238,8 Kilometer langen Strom eingesprochen hat. Vom Quellsee in der Schweiz bis zur Mündung an der Nordsee arbeiten sich Peter Bardehle und Lena Leonhardt den Fluss entlang, lassen den Kamerahelikopter über beeindruckende Gebirgslandschaften und dampfende Schornsteine kreisen, über imposante Städte und weißbekreuzte Soldatenfriedhöfe.

Ganz bewusst verwenden die Filmemacher für ihre Dokumentation den Titel, den Richard Wagner einst für seine erste Nibelungenoper wählte: Die Sagen, die sich um den Strom ranken, finden in den gemächlichen Ausführungen mühelos ihren Platz zwischen geografischen Informationen und historischen Fakten. Auch musikalisch soll eine Brücke zu Wagners Werk geschlagen werden: Steffen Wick und Simon Detel griffen sich Motive aus der Oper heraus, reduzierten und arrangierten sie so, dass sie im Film nun manchmal sanft vor sich hinplätschert, um dann wieder bedrohlich anzuschwellen. So wie der Rhein eben, auf dessen Gefährlichkeit bei aller Schönheit und Nützlichkeit wiederholt hingewiesen wird.

Inhaltlich wie landschaftlich ist "Rheingold" ein überraschend vielseitiger Film geworden, in dem sich ebenso viel wiedererkennen wie neu entdecken lässt. Ein grundlegendes Interesse am Thema ist allerdings von Nöten - im Gegensatz zum Rhein reißt "Rheingold" nämlich nicht automatisch mit.

Quelle: teleschau - der mediendienst