"Glück ist vieles auf einmal"

"Glück ist vieles auf einmal"





Rosamund Pike entdeckt in "Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück" (Kinostart: 14. August) das Höchste der Gefühle

Es ist eine Bilderbuchkarriere: Gleich mit ihrer ersten Kinorolle als böse Miranda Frost in "James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag" wurde Rosamund Pike (35) weltbekannt. Dann machte sie in "Stolz & Vorurteil" Keira Knightley Konkurrenz und deckte mit Superstar Tom Cruise als "Jack Reacher" eine Verschwörung auf. Bevor Rosamund Pike als David Finchers "Gone Girl" (Kinostart: 2. Oktober) in die Kinos kommt, sucht sie das Glück: In der Romanverfilmung "Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück" (Kinostart: 14. August) behütet sie Filmpartner Simon Pegg wie die Glucke das Ei. Doch Männer kontrollieren zu wollen, habe wohl wenig Zweck, wie die Mutter eines zweijährigen Sohnes in einem Gespräch über Glück, Partnerschaft und Schauspielerei erklärte. Dass sie sich immer wieder in die Kissen ihres Sofas zurücklehnte, diente neben dem Nachdenken vor allem der Entspannung: Rosamunde Pike ist erneut schwanger.

teleschau: Warum brachte Regisseur Peter Chelsom ein paar Ideen in den Film ein, die nicht in der Buchvorlage standen? Ich denke da an die Party der Kollegen von Hectors Freundin Clara.

Rosamund Pike: Es ging ihm darum zu zeigen, wie leidenschaftlich Menschen ihren Beruf lieben können, während Clara ja sonst weniger leidenschaftlich ist. Sieht man eben ab von ihrem Beruf als Werbetexterin und ihrer Obsession für die Erfindung von Fantasiebezeichnungen für neue Medikamente. Mit sanftem Witz, wie ich finde, wird da die Kultur des künstlichen Wohlbefindens mit Tranquilizern und Mittel gegen Erektionsstörungen aufs Korn genommen.

teleschau: Was ist Ihre Filmfigur Clara denn Ihrer Meinung nach für ein Mensch?

Pike: Ich glaube, dass sie voller Ängste steckt! Um die niederzuhalten, versucht sie ihre ganze Umgebung zu kontrollieren, kontrolliert Hector, kontrolliert ihr Zusammenleben, hält alles absolut sauber und ordentlich. Oberflächlich funktioniert das natürlich alles, aber nicht auf einer tieferen Ebene. Hectors Defizite garantieren, dass sie gebraucht wird. Wenn er seine Schlüssel nicht findet - sie ist da! Das gibt ihr zumindest eine Aufgabe.

teleschau: Aber sie lässt ihn auch los, wenn er auf die Reise geht .

Pike: Mit sehr viel Angst!

teleschau: Dabei wirkt sie äußerlich geduldig ...

Pike: Ja, das tut sie. Aber alles, was den Status Quo verändern würde, was einen Wechsel ausmacht, ist für sie zum Fürchten. Peter (Regisseur Peter Chelsom, d. Red.) wollte nicht, dass es so aussieht, als hätten sie eine schlechte Beziehung. Sie lachen, sie haben guten Sex. Sie kennen diese jungen, gut verdienenden Hochleistungspaare, die dennoch den Eindruck haben, dass sie nur ein halbes Leben leben, weil sie keine Kinder haben. Etwas fehlt, aber was fehlt, macht auch Angst. Man würde nie glauben, dass Clara ins Unbekannte aufbricht, so wie Hector.

teleschau: Würden Sie einer Frau raten, ihren Mann so zu behandeln wie Clara ihren Hector?

Pike: Oh nein! Aber ich denke, viele Frauen tun das, versuchen zu kontrollieren. Aber ich glaube nicht, dass es funktioniert, dieses - 'Mothering'? Gibt es das im Deutschen?

teleschau: Ja, bei uns heißt das "bemuttern".

Pike (lächelt): Aha! Nun, ich glaube nicht, dass es Zweck hat, jemanden zu kontrollieren. Claras Bemutterung ist ja auch ein Weg, auszuleben, was sie im Innersten noch nicht werden kann, nämlich eine Mutter. Ich kenne das aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis: Frauen, die sehr glücklich verheiratet sind, aber fürchten, dass ein Kind irgendwie die Beziehung in Mitleidenschaft ziehen könnte. Ich habe daran gedacht, um Clara besser zu verstehen. Es ist eine große Sache für sie, zu sich zu sagen: Ich bin eine Mutter! Es bedeutet für sie, viel Unsicherheit und Chaos zuzulassen. Aber natürlich ist es auch wundervoll.

teleschau: Das entspricht auch Ihrer eigenen Vorstellung von Glück?

Pike: Das Glück ist vieles auf einmal! Es ist zugleich zum Fürchten und wunderbar. Es umfasst alles. Man muss Ängste und Traurigkeit erfahren haben, um wahres Glück empfinden zu können, denke ich. Man muss aber auch, wie der Professor am Ende des Films sagt, die Fähigkeit behalten, reine, kindliche Freude empfinden zu können und sich dies bewahren. Manche Kinder, denke ich, werden einfach zu schnell erwachsen.

teleschau: Würden Sie sagen, dass der Beruf der Schauspielerin Ihnen diese Freude gewährt?

Pike: Albern sein, lachen, etwas entdecken, das gehört dazu, und das ist etwas ganz Vitales. Nicht in jedem Film, aber die Fähigkeit zu spielen hängt damit zusammen. Das wird mir besonders, bewusst, wenn ich mit meinem Sohn spiele - das kommt ganz natürlich! Ich glaube, Simon Pegg geht das ähnlich. Ohnehin darf man als Schauspieler seinen Job nicht die ganze Zeit zu ernst nehmen.

teleschau: Bei der Arbeit oder im öffentlichen Leben?

Pike: In beidem. Wenn man im Filmgeschäft sich selbst und seine Arbeit dauernd kritisch analysiert, kann man ganz schön ernst werden. Das kann gefährlich sein (lächelt). Man vergisst den Spaß an der Sache!

teleschau: Warum sind Sie eigentlich Schauspielerin geworden?

Pike: Ich war zu jung, um darüber nachzudenken, als ich Schauspielerin werden wollte. Ich war vier Jahre alt. Man weiß es nur einfach. Geschichten erzählen, spielen, jemand anderer sein - all das wird möglich. Und es ist schön, dadurch mit anderen menschliche Erfahrungen zu teilen, zu lachen, Freude zu empfinden, sich Fragen zu stellen. Ich liebe meinen Beruf und bin sehr glücklich damit.

teleschau: Es scheint, manche Schauspieler wollen sich selbst entdecken, manche lieber, so wie Sie es sagen, andere Menschen werden.

Pike: Ja, man wird teils Psychologe, teils Arzt, teils Liebhaber. Man ist mit den Charakteren verbunden, die man spielt. Und man trägt sie noch eine ganze Weile mit sich herum. Manchmal für Wochen! Die Darstellerinnen, die in "Stolz und Vorurteil" meine Schwestern gespielt haben, betrachte ich tatsächlich ein wenig wie meine Schwestern. Auch mit einem Schauspieler, der einen Ehemann gespielt hat, bleibt man auf einem bestimmten Level verbunden.

teleschau: Kommen sich da nicht Berufliches und Privates ins Gehege?

Pike: Nein, eher ist es eine Erweiterung des tatsächlichen Lebens, das man führt. Aber diese Art der Intimität wird nie durch die des privaten Lebens ersetzt. Denn beim Schauspiel ist man nicht mit einem wirklichen Menschen zusammen, sondern mehr mit der Idee eines Menschen.

teleschau: So hätten sie es bei der Freude über ihren Beruf also persönlich nicht nötig, eine Reise wie Hector zu unternehmen, um das Glück zu finden?

Pike: Das habe ich natürlich auch gemacht! Es ist wichtig, allein auf andere Menschen zu treffen, die anders sind und denen man sich auf andere Weise nähert. Ich glaube an den Wert von Erfahrungen, die man ganz allein macht. Deshalb habe ich meinem Sohn den Namen Solo gegeben.

Quelle: teleschau - der mediendienst