Besser als nix

Besser als nix





Welchen Sarg hätten Sie denn gern?

"Mein herzliches Beileid." Den angemessenen Ton als angehender Bestatter übt Tom Rasmus (François Goeske) ganz ordentlich vor dem Spiegel, im weißen Hemd mit schwarzer Fliege. Wie man mit weit ausladender Armbewegung die Waren herzeigt, geht ihm schon ganz gut von der Hand: "Wir haben natürlich auch luxuriöse Särge ..." Das Modell Corleone, mit Satin ausgeschlagen, hat es ihm besonders angetan, es lädt ihn zuweilen zu einem kleinen Nickerchen ein. Dann setzt sich seine tote Mutter Sofia (Erika Marozsán) auf die Sargkante und spricht ihrem Sprössling Lebensmut zu. Mit dem Tod muss man sich halt auseinandersetzen. Aber natürlich braucht Tom Zeit, um das zu begreifen. "Besser als nix" ist eine eher erbauliche als vergnügliche oder gar makabre Coming-of-Age-Komödie. Mit dem Beerdigungsinstitut als außerschulischem Lernort.

Man müsse eben ausprobieren, was einem beruflich liegen könnte, erklärt die kesse Referendarin Sarah (Anna Fischer) dem einen Ausbildungsplatz suchenden Tom. Wer im Fragebogen schreibt "mache gern etwas mit den Händen und bevorzuge Leute, die nicht so viel reden", muss sich jedoch nicht wundern, wenn Sachbearbeiterinnen mit Pudelpärchen als Bildschirmschoner die Bestatterlaufbahn vorschlagen. Außenseiter Tom hat es ohnehin schwer, daheim, bei seinem fußballverrückten, trinkenden Vater (Wotan Wilke Möhring) und in der Clique sowieso. Und jetzt Tote unter die Erde bringen? Aber: "Besser als nix."

Herr Hiller Jr. (Martin Brambach) gewährt Tom eine Probezeit von zwei Wochen im Beerdigungsinstitut "Heimkehr". Seine blonde ukrainische Kollegin Olga (Nicolette Krebitz) zeigt ihm, wo's langgeht, und Kollege Hans (Clemens Schick), wie man Leichen präpariert. Dann dreht sich die Handlung buchstäblich im Kreis, bis sie auf die abschüssige Bahn des Schicksals abbiegt. Tod und Selbstmordversuch jagen einander. Aus dem Stimmungsgrab buddelt sich der Film mit geschlechtlicher Vereinigung, viel Versöhnung und ein bisschen Vergebung rund um eine Art wohlmeinenden Jugendstreich, wie man ihn seit den seligen Vorabendserien-Zeiten von "Unser Lehrer Dr. Specht" nicht mehr gesehen hat.

Dabei kann der Blick in die Grube schreiend komisch sein. Bestes Beispiel ist die jahrelang auch im deutschen Fernsehen gelaufene US-amerikanische Erfolgsserie "Six Feet Under - gestorben wird immer". Doch deren schwarzer Humor durfte sich an einer prüden Kultur und Literatur schärfen, die als unschicklich angesehene Handlungen gern auf Trauerrituale und Tränenbäche projizierte. Außerdem braucht man für den Spaß mit dem Jenseits eine ironisch bis sarkastische Optik und ein gewitzte Feder.

Aber Regisseurin Ute Wieland, die mit "FC Venus" eine fußballemanzipatorische Glanzleistung vollbrachte, liegt die Betrachtung der Radieschen von unten beruflich nicht so recht. Ausprobierte Erzählansätze verrecken auf der Strecke. Das Drehbuchteam um die Regisseurin verkuppelt die Lebenden nach dem Klischee, das sie bedienen oder den Klamotten, die sie tragen. Auch haben die Schreiber verabsäumt, ihren Gags den Puls zu fühlen: Meist sind sie mausetot. Immerhin: Beerdigen steht ganz cool da am Schluss, und alle haben sich lieb. Wer existenziell- genialen Sichelmann-Unsinn sucht, muss sich anderswo umschauen.

Quelle: teleschau - der mediendienst