Birge Schade

Birge Schade





"Einfach den eigenen Kram gut machen"

Die kenn ich doch! Aber woher..? Birge Schade hat eines der bekannteren Gesichter im deutschen Fernsehen - aber keine Paraderolle. Das ist der 49-Jährigen nur allzu recht: "Man wird ja nicht Schauspieler, um sein Leben lang dieselbe Rolle zu spielen!" Dass sie nicht nur in der Ensemble-Komödie "Mit Burnout durch den Wald" (Freitag, 29.08., ARD), sondern auch im nächsten ZDF-"Spreewaldkrimi" eine Psychotherapeutin spielt, ist also eher dem Zufall geschuldet. Aber wer mit Schade spricht, merkt bald, dass die Rolle auch ganz gut zu ihr passt: Konzentriert und geerdet gibt sich die Wahlberlinerin im Interview. Die innere Ruhe verdankt sie dabei weniger ihrem Leben zwischen Kamera, Bühne und Familie, sondern vor allem ihrer Liebe zum Kampfsport ...

teleschau: Der Burnout gilt vielen mittlerweile als Mode-Erscheinung, aber vielleicht auch nur, weil er eben so weit verbreitet ist. Waren Sie selbst schon mal dem Burnout nahe?

Birge Schade: Das würde ich so nicht sagen. Klar habe ich mich auch schon mal überlastet gefühlt - wie es halt vielen geht, wenn man nicht nur berufstätig, sondern auch noch Mutter ist. Aber Burnout ist ja noch mal was anderes. Da war ich bisher nicht in Gefahr.

teleschau: Achten Sie auch deshalb auf ein Gleichgewicht zwischen TV- und Theaterrollen?

Schade: Ich weiß nicht unbedingt, ob gerade das mich am Burnout hindert. Aber auf dieses Gleichgewicht achte ich tatsächlich. Ich komme ja ursprünglich vom Theater, deshalb ist es für mich immer wieder schön, auf die Bühne zurückzukehren.

teleschau: Einen Teil Ihrer Ausbildung haben Sie in New York absolviert - auch am Theater?

Schade: Nein, das System läuft dort ja anders. Eigentlich war ich schon fertig mit der Ausbildung und stand auch schon im Beruf, aber ich bin trotzdem noch mal nach New York gegangen und habe das eher trainingshalber oben drauf gesetzt.

teleschau: War es für Sie je eine Überlegung, dort zu bleiben?

Schade: Ich wäre gerne länger dort geblieben, wenn mir nicht irgendwann das Geld ausgegangen wäre! (lacht) Um realistisch zu sein: Dort als Schauspieler Fuß zu fassen, ist unglaublich schwierig. Das ist ja nicht einmal für die Einheimischen leicht, und noch dazu als Europäer ... Da war ich einfach realistisch genug. Und ich hatte ja in Deutschland auch schon einiges getan, sodass ich kaum mit dem Gedanken gespielt habe, in die USA zu gehen - und schon gar nicht nach Hollywood! Das wäre mir dann doch zu blöd.

teleschau: Sie haben also weitertrainiert, obwohl Sie eigentlich offiziell schon fertig waren - sind Sie eine Perfektionistin?

Schade: Nein. Aber ich bin davon überzeugt, dass man als Schauspieler nie an einem Ende ankommt mit dem Lernen. Dauernd macht man neue Erfahrungen, dauernd muss man sich neuen Situationen stellen und dafür offen sein. Sonst ist das, was man macht, einfach nicht gut. Von daher ist es für mich auch nichts Besonderes, sich immer wieder in die lernende Position zu begeben.

teleschau: Ganz selbstverständlich ist es aber auch für Schauspieler nicht, dass man sich immer wieder auf Neues einlässt - es gibt ja auch Kollegen, die auf eine bestimmte Paraderolle abonniert sind ...

Schade: Da habe ich bisher immer das Glück gehabt, dass mir so viele unterschiedliche Rollen angeboten werden. Ich bin bisher weder auf ein Genre noch auf eine bestimmte Art von Rolle festgelegt. Natürlich bin ich eine Frau, und ich bin in einem bestimmten Alter - aber sogar das ändert sich ja ständig. (lacht) So habe ich immer wieder die Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren. Aus diesem Grund habe ich ja auch diesen Beruf ausgewählt. Man wird ja nicht Schauspieler, um sein Leben lang dieselbe Rolle zu spielen.

teleschau: Allerdings spielen Sie nicht nur in "Mit Burnout durch den Wald" eine Psychotherapeutin, sondern auch im kommenden Spreewaldkrimi "Gestern - heute - morgen"!

Schade: Stimmt! (lacht) Aber das ist reiner Zufall, ich glaube wirklich nicht, dass das irgendetwas miteinander zu tun hat. Diese beiden Rollen sind so unterschiedlich, dass es nur so kracht. Als das Angebot kam, war ich trotzdem einen Moment lang stutzig: "Schon wieder eine Therapeutin? Hat das vielleicht irgendwer gelesen?" Aber nach solchen Aspekten schaue ich ohnehin nicht so sehr bei der Rollenauswahl.

teleschau: Nach welchen denn dann?

Schade: Danach, ob sich bei mir irgendetwas direkt mit der Figur verbindet, die ich da lese. Es ist egal, ob es eine Therapeutin ist oder eine Psychopathin, eine Mami oder sonst etwas. Wenn ich das Gefühl habe, ich finde etwas in mir, das sich dafür interessiert, dann habe ich Lust darauf und beschäftige mich auch damit. Nur dann habe ich auch überhaupt das Gefühl, dass ich das spielen kann.

teleschau: Ihre Schauspielmethode ist also nicht, sich eine neue Rolle von außen anzulegen, sondern sie aus Ihrem Inneren herauszuholen. Richtig?

Schade: Ja, durchaus. Aber auch wenn ich mich mit einer Rolle verbinden können muss, heißt das nicht unbedingt, dass immer alles meins ist, was da passiert. Es steckt schon auch eine Verwandlung oder Anwendung von Mitteln dahinter. Es ist nicht einfach nur Birge in verschiedenen Variationen.

teleschau: In einer ihrer nächsten Rollen schlüpfen Sie wieder in die Haut von Ann Sullivan, der Lehrerin der taubblinden Helen Keller. Mit dem Stück "Licht im Dunkel" gehen Sie jetzt schon zum dritten Mal auf Tournee. Was bedeutet das für Sie?

Schade: Da bin ich etwas zwiegespalten. Es ist einerseits sehr schön, dass das Stück so erfolgreich ist. Es verkauft sich nicht nur gut, wir haben ja auch einen Preis bekommen. Und es ist auch ein prima Ensemble. Aber andererseits ist eine Tournee doch enorm anstrengend. Jeden Tag unterwegs, jeden Tag ein anderes Hotelbett, jeden Tag eine andere Bühne - das ist eigentlich nicht so schlimm. Aber jeden Tag woanders anzukommen - beziehungsweise nirgendwo anzukommen -, das fällt mir schon ein bisschen schwer, muss ich sagen. Das war mir vorher auch nicht klar. Vielleicht liegt's ja auch nur an meiner Lebenssituation mit meinem kleinen Sohn, dass dieses Heimweh doch sehr groß ist.

teleschau: Wie läuft das eigentlich generell bei Ihnen? Sie sind Schauspielerin, Ihr Mann ist Musiker - beides nicht ganz ideal für feste Abläufe. Genießen Sie die größere Flexibilität oder kommt Ihnen im Familienleben öfter die Arbeit dazwischen?

Schade: Naja, mir fehlt ja die Vergleichsgröße, ich weiß gar nicht, wie es mit einem Partner mit festen Zeiten wäre. Mein Mann (der Jazzmusiker Max Hacker, d. Red.) ist genauso viel unterwegs wie ich. Dazu kommt dann noch ein Schulkind, das an bestimmte feste Ferienzeiten gebunden ist. Das macht das Ganze nicht so wahnsinnig einfach, aber in anderen Familien gibt's eben andere Probleme. Letztlich ist es ja so, dass in jeder Familie, in der die Eltern auch arbeiten, jongliert werden muss.

teleschau: Neben Familienleben und Arbeit haben Sie auch noch den Schwarzen Gürtel im Tae-Kwon-Do erworben. Was reizt Sie daran?

Schade: Ich mache traditionelles Tae-Kwon-Do, das ist - anders als jüngere Varianten - kein moderner Wettkampfsport mit Vollkontakt. Was ich daran mag, ist, dass es nicht nur ein körperliches Training ist, sondern auch ein mentales. Man kommt immer wieder an seine Grenzen, dadurch hat sich auch mein Selbstbild verändert. Dass man von einer Reaktion direkt zur Aktion wechselt - das kann man auch im übertragenen Sinne gut verwenden. Das hat nichts mit Aggressionen zu tun. Abgesehen davon kann man sich schön auspowern bei dem Sport. Allerdings merke ich mittlerweile schon, dass ich in meinem Alter anders trainieren muss. Auch, weil ich nicht mehr so viel Zeit habe. Mit einem 18-jährigen Schwarzgurt sollte man sich nicht vergleichen. Das ist übrigens auch noch etwas, was man lernt: Man vergleicht sich weniger. Man sollte einfach seinen eigenen Kram gut machen. Die eigenen Stärken ausbauen.

teleschau: Dazu braucht man aber eine gute Selbstbeobachtungsgabe. Lernt man die im Training?

Schade: Auf jeden Fall! Wobei natürlich immer viel auch vom Trainer abhängt. Das ist wie schon in der Schule: Wenn man einen guten Mathelehrer hat, versteht man plötzlich Dinge, von denen man vorher keine Ahnung hatte. Aber da hatte ich ein Riesenglück.

teleschau: Verweisen Sie deshalb auch auf Ihrer Homepage auf die Schule?

Schade: Ja, genau! Das ist mir einfach wichtig.

teleschau: Etwas anderes, das Ihnen noch wichtig ist, ist demnach die Cheshire-Stiftung, die sich um körperbehinderte Kinder in Zambia kümmert. Ein sehr spezifisches Projekt ...

Schade: Ja, den Förderverein haben wir schon vor Jahren gegründet. Ein Bekannter hat als Entwicklungshelfer in einem Dorf dort gearbeitet. Seither bin ich passiv unterstützend dabei - ich bin zwar nicht vor Ort, aber ich unterstütze das finanziell. Es ist ein kleines Heim, aber ich finde es ganz gut, wenn man konkret weiß, wo das Geld, das man spendet, überhaupt hingeht. Wer auch immer sich da anschließen möchte, ist sehr willkommen!

Quelle: teleschau - der mediendienst