Dido Elizabeth Belle

Dido Elizabeth Belle





Jane Austens Sklaven

Der britische Regisseur Steve McQueen hat das Thema Sklavenhandel unlängst hinreichend behandelt - in seinem grandiosen, oscargekrönten Drama "12 Years a Slave" (2013). In eindringlichen, unvergesslichen Szenen erzählte McQueen die ganze schonungslose Brutalität jener Zeit, in der schwarze Menschen wie Dreck behandelt wurden. McQueens Landsmännin Amma Asante wählte für ihren zweiten Langfilm nach "A Way of Life" (2004) das gleiche Sujet. Sie erzählt, gleichwohl weniger drastisch, vom Schicksal eines farbigen Mädchens, das im konservativen England des 18. Jahrhunderts im Oberschicht-Milieu aufwächst und mit allerlei Anfeindungen zurechtkommen muss. Nun kommt "Dido Elizabeth Belle" in die Kinos.

Im Jahr 1769 muss John Lindsay (Matthew Goode), seines Zeichens Offizier bei der königlichen Marine, in den Krieg ziehen. Seine kleine Tochter Dido (Lauren Julien-Box, später Cara Jenkins und Gugu Mbatha-Raw), die aus einer Liebschaft mit einer Sklavin stammt, überlässt er schweren Herzens seinem Onkel (Tom Wilkinson) und dessen Frau (Emily Watson).

Die beiden nehmen die kleine Mulattin zunächst eher widerwillig auf, doch dann siegt ihr Mitgefühl. Die Kindheit verbringt die kleine Dido Elizabeth Belle mit ihrer Halbcousine Lady Elizabeth (Sarah Gadon) in einer Art Jane-Austen-Land. Die kleinen, herben Spitzen der Diskriminierung durch die bessere britische Gesellschaft bekommt Dido immer wieder zu spüren. Auch bleibt ihr das gemeinsame Essen mit der Familie verwehrt.

Als Dido und ihre Halbcousine verheiratet werden sollen, spitzt sich die Situation zu, denn während Dido durch ihren Vater über eine stattliche Mitgift verfügt, besitzt Elizabeth zwar die passende Hautfarbe, aber eben keinerlei Kohle. Darum ist Dido die Erste, die vor den Altar treten soll, doch der adlige Oliver (James Norton), der um Didos Hand anhält, hat eine üble, menschenverachtende Familie. Didos Herz schlägt vielmehr für den jungen Juristen John (Sam Reid), der zunächst für ihren Onkel arbeitet und ein glühender Menschenrechtler ist.

Die Geschichte von Didos Selbstfindung wird um eine entscheidende Nebenhandlung ergänzt: Vor Gericht verhandelt ihr Adoptivvater Lord Mansfield als höchster Richter des Landes den Fall des Sklavenschiffes Zong, das im Jahr 1781 einen Großteil seiner Gefangenen über Bord warf - angeblich, weil die Wasservorräte auf dem Schiff nicht ausreichten. Ob dies Versicherungsbetrug war und ob Sklaven Ware oder Menschen sind, das ist die zu klärende Frage.

So liefert Regisseurin Amma Asante mit "Dido Elizabeth Belle" ein authentisches Gesellschaftsporträt, das im Hinblick auf das romantisch kostümierte Leben in der damaligen High Society an die beliebten Austen-Verfilmungen erinnert, in denen strenge moralische Regeln und gesellschaftliche Konventionen das Leben der Protagonisten zumindest vorübergehend erschweren. Die Thematik ist also nicht neu, aber der Fokus. Die Entdeckung dieses ebenso eloquenten wie hoffnungsfrohen Films ist jedenfalls Gugu Mbatha-Raw in der Rolle der erwachsenen Belle, die selbstbewusst ihren eigenen Weg geht.

Quelle: teleschau - der mediendienst